Dortmund: Projekt KODIAQ zur Konfliktvermittlung, Dialog und Aktivierung im Quartier mit positiver Bilanz

Das Team von KODIAQ und Planerladen (Links hinten Thorsten Hoffmann, MdB CDU; Mitte Bürgermeisterin Birgit Jörder; Fotos: C.-D. Stille

Das Team von KODIAQ und Planerladen (Links hinten Thorsten Hoffmann, MdB CDU; Mitte Bürgermeisterin Birgit Jörder; Fotos: C.-D. Stille

Ein Jahr liegt es nun zurück, dass das Projekt „KODIAQ – Konfliktvermittlung, Dialog und Aktivierung im Quartier“ als Nachfolger des langjährig bestehenden interkulturellen Konfliktmanagements in der Dortmunder Nordstadt ins Leben gerufen worden ist. Grund genug für den Planerladen e.V. eine erste Bilanz ziehen. Am vergangenen Freitag war die Öffentlichkeit zu einem „Tag der offenen Tür“ in die Integrationsagentur in die

Auf der Dortmunder Schützenstraße hat die Integrationsagentur ihren Sitz.

Auf der Dortmunder Schützenstraße hat die Integrationsagentur ihren Sitz.

Schützenstraße 42 eingeladen, um mehr über das Projekt zu erfahren. Darüber hinaus wollte der Planerladen seine übrigen Projekte und Projektbereiche vorstellen. Was wäre besser dazu geeignet dafür gewesen als „Tag der offenen Tür“ in der Integrationsagentur des Planerladen e.V. ! Interessierte und Pressevertreter hatten sich am Standort eingefunden.

Prof. Dr. Reiner Staubach über das vielgestaltige Projekt und dessen Hintergründe

Prof. Dr. Reiner Staubach, Dipl.-Ing. und Stadtplaner, und Mitglied im Vorstand von Planerladen e.V. begrüßte die Gäste in Anwesenheit von Bürgermeisterin Birgit Jörder und Thorsten Hoffmann (MdB CDU). In seiner kurzen Ansprache erinnerte Reiner Staubach daran, dass die

Prof. Dr. Staubach spricht über das Projekt.

Prof. Dr. Staubach spricht über das Projekt.

Dortmunder Nordstadt schon immer „eine Ankunftstation“ gewesen sei. Zunächst für Zuwanderer aus Westfalen, später dann aus Schlesien. Bis es dann noch internationaler geworden sei im Dortmunder Norden. Ein Kommen und Gehen sei da quasi immer ganz normal gewesen. Ein Fünftel oder mehr der Bevölkerung hätte dieser Umsetzungsprozess ständig ausgemacht. Stets sei dort also Fremdheit auf „Normalität“ getroffen. Die ethnische Vielfalt und Kulturalität sei durchaus nichts Besonderes gewesen. Ebenso die Tatsache, dass es da nicht immer konfliktfrei zugehen konnte. „Im besonderen Maße bei so einer hohen urbanen Dichte“, so Professor Staubach, „da knisterte es dabei.“ In unseren Breiten habe das Austragen von Konflikten wie in anderen Kulturkreisen – wo dies direkter stattfinde – womöglich keine sonderliche Tradition. Dabei sei ein Konflikt ein ganz normaler Zustand. „Nichts schlimmes.“

Die Integrationsagentur gibt es seit 2007, davor war es ein Projekt, für das stets Gefahr bestanden habe, eingestellt werden zu müssen. Glücklicherweise kam immer wieder Unterstützung. Etwa von der Sparkasse oder der Stadt Dortmund. Seit dem Jahr 2007 wurde die Agentur zur regionalen „Servicestelle für Antidiskriminierung“. Man habe sich auch an einer bundesweiten Untersuchung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes beteiligt. Ebenfalls setzt sich die Integrationsagentur für die Förderung bürgerschaftlichen Engagements ein. Seit 2015 werde „KODIAQ“ aus dem neuen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der EU gefördert, führe die erfolgreichen Ansätze der Vorgängerprojekte weiter und setze neue Maßnahmen um. Reiner Staubach: „Es hat sozusagen ein Haken, da es sich nur an sogenannte Zielgruppe Drittstaatler wenden darf und anerkannte Geflüchtete.“ Menschen, die nicht aus der EU stammen.

Großzügige Spende der Sparkasse Dortmund ermöglichte breiteres Angebot der Hilfsangebote

Dank einer großzügige Spende der Dortmunder Sparkasse profitierten aber über diese Zielgruppe hinaus auch Zuwanderer aus dem EU-Bereich.

Herr Schenk, Vertreter der Sparkasse Dortmund.

Herr Schenk, Vertreter der Sparkasse Dortmund.

Betreffs dieses Handlungsfelds vermeldet Reiner Staubach, dass mit dem im Januar 2016 im Verbund mit Diakonie, Caritas, AWO und GrünBau gestarteten Projekt „ACASA in Dortmund“, das aus EHAP-Mitteln (Europäischer Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen) gefördert wird. So war es möglich, ein breiteres Angebot zur Vermittlung der genannten Zielgruppe der EU-Neuzuwanderer aus Südosteuropa in die sozialen Hilfesysteme aufzubauen.

Erfolgreiche knüpfe man an die Erfahrungen des bis Herbst 2015 in den Räumen der Integrationsagentur erfolgreich durchgeführten Projektes „IRON – Integration von Roma in der Dortmunder Nordstadt“ an.

Prof. Dr. Staubach wies noch auf das Projekt „Dortmund all inclusive“ hin. Welches „Martin Eder, Migrant aus Österreich“ – Heiterkeit im Raume – betreue und somit gewissermaßen auch „für den Nord-Süd-Dialog“ stehe. Darin geht es im Kern um die Förderung des gesamtstädtischen und gesellschaftlichen Zusammenhalts innerhalb der Stadtgrenzen Dortmunds.

Mittlerweile bildet die Zusammensetzung der Mitarbeiterschaft auch die Vielfalt der Menschen im Stadtteil ab

Als man 1982 die Arbeit in der Nordstadt begonnen habe, erinnerte sich Dr. Staubach, sei das mit „zwölf Biodeutschen“ geschehen. Inzwischen bilde sich die Vielfalt der Menschen im Stadtteil auch in dem kulturellen Hintergrund der Mitarbeiterschaft von KODIAQ ab. Man sei ziemlich stolz auf die unterdessen „angesammelte interkulturelle Kompetenz“.

Bürgermeisterin Birgit Jörder zum Projekt: „Herzlichen Dank, dass es Sie gibt!“

Bürgermeisterin Birgit Jörder brachte im Anschluss an die Ausführungen von Reiner Staubach die Wertschätzung des Projektes seitens der Stadt Dortmund zum Ausdruck. Die Bilanz von KODIAQ falle gut aus. Birgit Jörder: „Konflikte sind im Alltag der Normalfall“, sei gesagt worden, „das kann

Bürgermeisterin Birgit Jörder lobte das Projekt im Auftrag der Stadt Dortmund.

Bürgermeisterin Birgit Jörder lobte das Projekt im Auftrag der Stadt Dortmund.

ich bestätigen.“ Sie erlebe das in ihrem Büro im Rathaus. Da gehe es aber nicht um Migranten. Mit KODIAQ existiere dankenswerterweise eine Stelle, die Konflikte nicht unbedingt aus der Welt schaffe, „sondern ein bisschen Stützen einziehe, damit man bei Konflikten auch noch ordentlich miteinander umgeht“. Denn Konflikte zu vermeiden werde nicht gelingen, solange es Menschen gibt. Von Vorteil sei, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von KODIAQ in der Nordstadt wohnten. Jörder freue sich jedoch über jeden, der den Mut habe sich in Konfliktgebiet zu begeben und auch da zu leben. „Ich bin überzeugt, dass wir solche Projekte wie KODIAQ in der Zukunft noch stärker brauchen werden.“ Menschen würden kommen und ihre Konflikte mitbringen. Umso dankbarer müsse man sein, dass es Projekte wie den Planerladen gebe, die hülfen, die Konflikte auf einem Level zu halten, dass ein Miteinanderleben ermögliche. Die Bürgermeisterin machte den Akteuren ausdrücklich Mut, dass Projekt weiter voranzutreiben. Mit einem „Herzlichen Dank, dass es Sie gibt!“, beschloss die Politikerin ihre Ansprache.

Hochachtung vom Vertreter der Sparkasse

Herr Schenk, Vertreter der Sparkasse Dortmund drückte dann noch seine Hochachtung dafür aus, was das von seinem Institut geförderte Projekt mit den den Spenden Hervorragendes auf die Beine gestellt habe.

Gespräche und Austausch der Gäste untereinander bei leckeren Häppchen

Im Anschluss kamen die Gäste bei leckeren kulinarische Häppchen, welche Vielfalt der im Dortmunder Norden lebenden Menschen auch geschacklich zum Ausdruck brachten, untereinander locker ins Gespräch. Man tauschte sich aus. Und vielleicht wurde auch die eine oder andere Möglichkeit einer künftigen Zusammenarbeit erörtert. Sehr angetan von der Arbeit des Planerladens und KODIAQ zeigte sich der bei der Veranstaltung der Bundestagsabgeordnete der CDU, Thorsten Hoffmann. Hoch interessiert suchte er das Gespräch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Projektes, sowie mit den Gästen . Hoffmann ist in vielfacher Hinsicht u.a. auch mit sozialen Themen befasst. Hoffmann versprach sich auch künftig intensiv für Projekte dieser Art stark zu machen.

Ein Jahr Projekt „KODIAQ. Die Bilanz des Getanen kann sich sehen lassen. Das Projekt ist aus den Kinderschuhen heraus und man blickt nun gestärkt, mutig und zuversichtlich, dass noch viel mehr geleistet werden kann, in die Zukunft.

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Dortmund: „Sexuelle Übergriffe, keine Chance, laute Pfiffe“ – Demo gegen sexuelle Gewalt

Vertreterinnen eines breiten Dortmunder Bündnisses protetieren vor dem Rathaus der Stadt gegen sexuelle Gewalt und fordern eine Reformierung des § 177 des Strafgesetzbuches; Fotos: C.-D. Stille

Vertreterinnen eines breiten Dortmunder Bündnisses protestierten vor dem Rathaus der Stadt gegen sexuelle Gewalt und forderten eine Reformierung des § 177 des Strafgesetzbuches; Fotos: C.-D. Stille

Am Initiative der Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Frauenverbände fand am gestrigen Freitag in Dortmunder City eine Demonstration unter dem Motto „Da hört der Spaß auf! Nein zu sexueller Gewalt“ statt. Ein Breites Bündnis von mehr als 50 Dortmunder Organisationen (Frauenverbände, aber auch Beratungsstellen, Organisationen von Migrantinnen und Migranten, Hochschulen, Mitglieder von Parteien, Gewerkschaften sowie das Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund waren involviert) hatte dazu für den frühen Nachtmittag zum Dortmunder Rathaus gerufen. Etwa 200 Frauen waren gekommen, um gegen sexuelle Gewalt zu protestieren. Auch Männer unterstützten den Protest. Auf der Rathaustreppe wurde unter lautem Skandieren von „Nein heißt nein, nein heißt nein“ auf Töpfe und Topfdeckel getrommelt.

Frauenprotest als Warnung vor weiteren sexuellen Übergriffen bewusst in die Karvevalszeit getragen

Das Datum 5. Februar war bewusst gewählt worden. Immerhin befinden wir uns mitten in der Karnevalszeit. Der Rosenmontag steht vor der Tür. Vor dem Hintergrund sexueller Übergriffe in der Silvesternacht Köln, aber auch anderer Städte – darunter Dortmund – sollte der Frauenprotest eine Warnung vor weiteren sexuellen Übergriffen aussenden.
Justine Grollmann: Kein Fest darf für Männer als Anlass dienen, „übergriffig zu sein“. „Wir Frauen verlangen Respekt“

Zunächst richtete Justine Grollmann von der Arbeitsgemeinschaft der Dortmund Frauenverbände das Wort an die auf dem Friedensplatz versammelten Menschen. „Wir sind wütend“, rief Justine Grollmann ins Mikrofon und nannte als Grund die sexuellen Übergriffe in verschiedenen deutschen Großstädten in der vergangenen Silvester- und Neujahrsnacht: „dass sich so viele Männer, vermutlich sogar abgesprochen, sich zusammengetan haben, um die Feierstimmung auszunutzen, um die Frauen zu bedrängen, zu begrapschen und sexuell zu nötigen“. Grollmann machte unmissverständlich klar: „Da hört der Spaß für uns auf. Nein zu sexueller Gewalt!“ Kein Fest dürfe für Männer als Anlass dienen, „übergriffig zu sein“. „Wir Frauen verlangen Respekt“, fuhr sie fort. Grollmann stellte jedoch klar, selbst wenn Migranten oder Flüchtlinge unter den Tätern von Köln seien, keinem „Generalverdacht gegen Flüchtlinge“ das Wort reden zu wollen. Betroffen seien die Frauen darüber von Fachleuten hören zu müssen, „dass die allermeisten sexuellen Übergriffe nach derzeitigem deutschen Recht nicht strafbar sind“. Das deutsche Sexualstrafrecht, forderte Grollmann, „muss endlich reformiert und den internationalen EU-Standards angepasst werden“. Dabei geht es um den Paragraphen 177. Die Täter müssten ohne Ansehen der Person und Herkunft ermittelt und hart bestraft werden, so Justine Grollmann vor dem Dortmunder Rathaus. Opfer sexueller Straftaten sollten von den Sicherheitsbehörden „respektvoll behandelt“ werden. Ihre Forderung an die Politik: „Baut die Beratungsstellen und die Frauenhäuser aus, sichert deren Finanzierung!“

Der Demonstrationszug verläßt den Friedensplatz in Richtung Innenstadt.

Der Demonstrationszug verläßt den Friedensplatz in Richtung Innenstadt.

Der Dortmunder OB ist ebenfalls für die Reformierung des § 177. Der Dortmunder Rat werde ein dementsprechende Resolution an den Deutschen Bundestag vorbereiten

Zirka 200 Demonstrantinnen, unterstützt auch durch Männer, marschieren durch die Stadt.

Zirka 200 Demonstrantinnen, unterstützt auch durch Männer, marschieren durch die Stadt.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau unterstützte in seinem Redebeitrag eine Reformierung des § 177, wies jedoch gleichzeitig daraufhin, dass die entsprechende Rechtsetzung dem Deutschen Bundestag obliege. Dem Bundesjustizminister zufolge seien diesbezüglich wohl einige Anläufe genommen worden. Die hätten nur „im Bundestag keine Mehrheit gefunden“. Sierau: „Das sollte sich jetzt einmal ändern.“ Man werde aber im Dortmunder Rat „eine an den Bundestag gerichtete Resolution vorbereiten, um jetzt endlich mal zu einer veränderten Rechtslage beizutragen“. Der OB appellierte an den anwesenden Bundestagsabgeordneten Thorsten Hoffmann (CDU), zu einer Beförderung dessen beizutragen. Diese Übergriffe, unterstrich Ullrich Sierau, „sind kein Kavaliersdelikt“. Man dürfe auch nicht zulassen, dass die schlimmen Ereignisse der Kölner Silvesternacht für rechtsextreme oder rechtspopulistische Ansichten instrumentalisiert werden. Damit diese Kräfte „ihr politisches Süppchen darauf kochen“. Auch seien Politiker, die das jetzt täten, welche in der Vergangenheit nicht gerade damit aufgefallen seien, sich für Frauenrechte einzusetzen, nicht besonders glaubwürdig. „Darauf können wir verzichten!“, sagte Ullrich Sierau unter dem Beifall der Demonstranten.
Elaine Yousef (VMDO) trat für „Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit ein. Von der Tochter hat sie gelernt: „Mein Körper gehört mir“

Elaine Yousef für die Palästinensische Gemeinde Dortmund e.V. im VMDO (Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine DO e.V.) rief ins Bewusstsein, dass „sexuelle Gewalt, egal von wem begangen. tagtäglich in unserer Mitte“ stattfindet. „Eine Grenzverletzung, die von uns keinesfalls toleriert wird, die den Menschen in seiner Würde verletzt.“ Der VMDO lehne Gewalt in jeglicher Form ab, machte Elaine Yousef klar. „Wir treten für Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit ein!“ Sie verlieh ihrem Wunsch Hoffnung, „dass dieser Marsch zu einem Zeichen wird, für eine Abkehr von Gewalt und Ausgrenzung“. „Mein Körper gehört mir“, sagte Elaine Yousef, „dass habe ich von meiner Tochter gelernt, und die hat das vor Kurzem in der Schule gelernt“.

Durch die Dortmunder City zur Katharinentreppe

Der Dortmunder OB (schwarze Jacke und Mütze, Bildmitte) hat sich in den Demozug mit eingereiht.

Der Dortmunder OB Ullrich Sierau (schwarze Jacke und Mütze, Bildmitte) hat sich in den Demozug mit eingereiht.

„Sexuelle Übergriffe, keine Chance, laute Pfiffe“ skandierend zogen die zirka 200 Demonstrantinnen zur Abschlusskundgebung an die Katharinentreppe
Unmittelbar nach diesem letzten Redebeitrag am Rathaus setzte sich der Demonstrationszug der Zweihundert, angeführt von einem Streifenwagen der Polizei, durch die Dortmunder Innenstadt in Richtung Katharinentreppe gegenüber dem Hauptbahnhof in Bewegung. Dort fand die Abschlusskundgebung statt. Die Frauen verteilten unterwegs Flyer an Passanten. Die Demonstrantinnen skandierten: „Sexuelle Übergriffe, keine Chance, laute Pfiffe“. Der Dortmunder Oberbürgermeister lief in der zweiten Reihe mit.