Neuer „Ohrenkuss“ mit Update zum Down-Syndrom

Cover der Ohrenkuss-Ausgabe „2017 – Ein Update“
Foto: Sandra Stein, Grafik: Maya Hässig

Den Ohrenkuss zu lesen und die Bilder darin zu betrachten, ist immer wieder ein Erlebnis. Selbst wurde ich seinerzeit auf das damit verbundene Projekt über eine Sendung von Alfred Biolek aufmerksam. Es ließ mich seither nicht mehr los. Nun, so informiert, Ohrenkuss-Chefredakteurin, gibt es ein Ohrenkuss-Update.
Die neue Ohrenkuss Ausgabe „2017 ein Update“ ist ein Update der MacherInnen zum Thema Down-Syndrom.

Aus der Pressemeldung

Durch die Touchdown-Ausstellung (hier und hier) in der Bundeskunsthalle in Bonn sind viele Menschen über das Thema Down-Syndrom ins Gespräch gekommen.
Wir wollen das Gespräch fortsetzen. Menschen mit Down-Syndrom machen
ein Update.
Ein Update der Themen, die ihnen wichtig sind.
Ein Update der Themen, die in ihrem Leben eine Rolle spielen.
Ein Update zu ihrem Blick auf die Welt.

Natalie Dedeux ist 18 Jahre alt und Ohrenkuss-Autorin ihr Leben lang.
Sie schreibt über ihre Zukunft: „Ich möchte weiter Bildung lernen. Da
lerne ich andere Berufe kenne. Ich möchte zum Beispiel gerne Koch.
Besonders liebe ich indisch. Ich möchte gerne in einem Büro arbeiten.
Das Büro ist groß. Zum Beispiel Schrifthersteller sein. Ich schreibe es
so auf, dass es Sinn ergibt. Ich möchte gerne ein Diktat über
Spätabtreibung machen. Ich bin auf der Welt, um etwas zu lernen und
nicht abgetrieben werden.“

Florian Mühle ist 31 Jahre alt, er schreibt: „Der Sinn des Lebens ist,
dass sich die Eltern freuen, dass ich am Leben bin. Das ist ein Geschenk
der Natur, solche Menschen wie mich zu gebären. Weil die Menschen mit
Down-Syndrom auch wertvoll sind.“

David Blaeser ist 12 Jahre alt und neu im Ohrenkuss-Team. Er blickt
kreativ in die Zukunft und kann sich vieles vorstellen: „Ich erzähle
über einen Roboter. Dieser Roboter ist cool und er kann meinen Eltern
helfen. Ich finde es gut, dass der Roboter uns hilft. Es kann unseren
Garten rasen mähen, kann auch in unserem Haus helfen wie z. B. Müleimer

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Foto: Sandra Stein, Köln.

wegbringen. Wenn wir in unserem Auto rein setzen dann fährt das Auto
automatisch alleine weg. Das Auto fährt selber weil, dass ist ein
Roboter. Er kann Pakete liefern, unser Haus deckurieren. Das finde ich
gut. Er muß sogar Klavier, flöte, tromel spielen. Er muß allen in meiner
Familie helfen. Er muß unsere Haus und in mein Zimmer putzen und meine
Hausaufgaben machen.“

Es wird nicht nur Privates, sondern auch Politisches behandelt. Teresa
Knopp, 21 Jahre alt, schreibt: „Man hört ja sehr viel Schlechtes über
die Welt. In den USA wurde jetzt der Donald Trump gewählt, das ist jetzt
der neue Präsident. Oder so Kriege und Gewalt und Terror, hört man sehr
oft von der Welt. Jetzt meinen auch manche Menschen, dass die Angela
Merkel jetzt auch einen Fehler gemacht hat in der
Flüchtlingspolitik.Weil, wenn wir Menschen mit Down-Syndrom mehr wären,
dann können wir die Welt schöner machen. Einfach, weil mehr Liebe
entsteht.“

Die Kölner Fotografin Sandra Stein hat die Bilder der aktuellen
Ohrenkuss-Ausgabe gemacht. Die Fotos sind in der Bundeskunsthalle
entstanden. In der Ausstellung „Touchdown. Eine Ausstellung mit und über
Menschen mit Down-Syndrom.

(mit „Ohrenkuss“)

Der aktuelle Ohrenkuss erklärt den „Anfang der Welt“

Cover des Ohrenkuss No 36; Foto: Hanna Witte, Grafik: Maya Hässig, Köln/Ohrenkuss.

Cover des Ohrenkuss No 36; Foto: Hanna Witte, Grafik: Maya Hässig, Köln/Ohrenkuss.

Die neue Ausgabe des Magazins „Ohrenkuss… da rein, da raus“ ist da!

Diesmal dreht es sich um etwas ganz Elementares. Der Titel des Märzheftes: „Anfang der Welt“. Und, soviel sei verraten, wieder ist den Autorinnen und Autoren, der Redaktion, eine Überraschung gelungen. Der März-Titel des Magazins, so heißt es in der Presseankündigung, „steht damit für das Entstehen des großen Ganzen, das wir Welt nennen, und unserer eigenen kleinen Welt, die mit der Geburt beginnt.“

Wer Ohrenkuss schon kennt, weiß um die wunderbaren, manchmal zunächst seltsam anmutenden, jedoch mit ihren Erklärungen wahrlich direkt zum Kern der Dinge und Geschehnisse vorstoßende kleine Artikel oder Gedichte.

Auch diesmal, schlägt man das Cover mit dem glänzenden schwarzen Kreis auf, an welchem vorbei man wie aus einem imaginären Raumschiff auf die Erde zu blicken scheint, fesseln einen abermals schon die ersten Texte der Autorinnen und Autoren mit Down-Syndrom. Sie bewegen sich diesmal beinahe magisch „zwischen den beiden Polen der Mensch- und Welt-Werdung. Zu danken ist zu einem nicht geringem Teil der eindrucksvollen Bebilderung des Magazins durch die die Kölner Fotografin Hanna Witte. Diese lässt den März-Ohrenkuss „wie ein Ausstellungs- und Denkraum“ wirken, „durch den die Leserschaft Wort für Wort und Bild für Bild schreitet wie durch ein echtes Museum.

Wie üblich hat sich das Ohrenkuss-Redaktions-Team durch den Gang durch zwei Ausstellungen die nötigen Anregungen für ihre Texte verschafft. Die Autorinnen und Autoren haben mehrmals die fantastische Ausstellung „Haux Haux“ von Ernesto Neto im Arp Museum im Bahnhof Rolandseck, um der Entstehung von Universum, Welt und Leben auf die Spur zu kommen. Und in der Bonner Ausstellung „Outer Space. Faszination Weltraum“ in der Bundeskunsthalle haben sich Antworten auf Fragen zum Weltraum, zum Urknall und zum Leben im All finden lassen.

Erst Adam und Eva – oder doch Affen?

Zur Entstehung des Universums hat das Ohrenkuss-Team unterschiedliche Ansichten. „Blau war die Welt“, diktierte Anna-Lisa Plettenberg (S. 07), Tobias Wolf setzt dem auf Seite 08 entgegen: „Also, am Anfang war die Erde ein Feuerball.“ Robert Petkewitz wiederum sagt: „Adam und Eva zu erst.

Foto: Hanna Witte, Grafik: Maya Hässig, Köln.

Foto: Hanna Witte, Grafik: Maya Hässig, Köln.

Alles cool.“ Doch Julia Bertmann holt ein bisschen weiter aus: „Zuerst kamen die Dinosaurier, dann kamen die Affen, dann die Urzeit-Menschen und dann wir.“ Wer zuerst nach dem Anfang kam, weiß auch Marley Thelen nicht so genau, aber eins ganz gewiss: „Die Stimmung war gut.“ Robert Petkewitz hat selbst per Email geschrieben: „Der Anfang der Welt. Gott Hat Die Welt Er Schfen. Zuerst Die Tiere und Mänschen Adam und Eva Zu Erst. Alles Cool.“ Cool all das, in der Tat!

In der Pressemeldung steht zu lesen: „Die Entwicklung des Menschen nehmen die Ohrenkuss-Autorinnen und Autoren in einem eigenen Kapitel in den Blick. „Ich war früher ein Affenmensch“, meint Maximilian Kurth mit Blick auf die Menschheitsgeschichte. Und Daniel Rauers berichtet, dass unsere Urahnen Adam und Eva nur deshalb aus dem Paradies geworfen wurden, weil sie verbotene Äpfel gegessen hatten. Ein Kapitel über den Anfang des eigenen, menschlichen Lebens verbindet das Große mit dem Kleinen. Verena Elisabeth Turin sagt: „Der Anfang des Lebens ist wunderschön.“ Und Katja Sothmann schreibt: „Wie meine Mama mit mir schwanger war ab da Beginnt mein leben.“

Und auch um „Das Weltall und das Down-Syndrom“ geht es im aktuellen Heft.

„Um Zellen und Chromosomen geht es in den Texten der Autorinnen und Autoren auch. Und wie der Weltraum und der Urknall sich mit dem Leben im All und auf der Erde verbinden, zeigen die Absätze über die Bonner „Outer Space“-Schau. Darin schreibt Angela Fritzen den Satz: „DAS DOWN-SYNDROM IST EIN ALIEN.“

Auch darauf sei unbedingt hingewiesen: „TOUCHDOWN – Ausstellung zum Down-Syndrom“

„Ob das mit dem Alien stimmt, können Ohrenkuss-Fans erfahren auch in Kürze in einer besonderen Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle (29.10.2016 bis 12.02.2017). Ohrenkuss ist dabei!

Die Schau mit dem Titel „TOUCHDOWN“ entsteht in Kooperation mit der Ohrenkuss-Herausgeberin, der gemeinnützigen downtown-Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Denn „TOUCHDOWN 21“ ist auch der Titel eines aktuellen partizipativen Forschungsprojektes, das Material und Wissen über das Down-Syndrom sammelt, analysiert und kuratiert und im Internet auf TOUCHDOWN 21 für alle in klarer Sprache zugänglich macht.“

Über Ohrenkuss

Das Magazin „Ohrenkuss …da rein, da raus“ erscheint seit 1998 zweimal im Jahr und veröffentlicht ausschließlich Texte, die Menschen mit Down-Syndrom selbst verfasst haben. So kann die Leserschaft von Ohrenkuss direkt daran teilhaben, wie Menschen mit dieser geistigen Behinderung ihre Umgebung wahrnehmen und was sie wirklich denken. Das Magazin ist in einer besonderen Optik gestaltet und veröffentlicht viele Fotos der Autoren, die sie in ungewöhnlichen oder alltäglichen Situationen zeigen.

Es darf auch für Ohrenkuss oder andere Projekte der downdown-Werkstatt gespendet werden

„Ohrenkuss …da rein, da raus“ ist ein Projekt der downtown-Werkstatt für Kultur und Wissenschaft, die seit Januar 2013 eine gemeinnützige GmbH ist. Das heißt: Wer möchte, kann jetzt auch für Ohrenkuss oder andere Projekte der downtown-Werkstatt spenden und bekommt dafür im Gegenzug Spendenquittungen.

Erfrischend und wunderbar kommt der neue Ohrenkuss wieder daher. Staunenswert allemal. Und neue Horizonte öffnend. Unsere manchmal doch sehr eingefahrenen Blicke schärfend und aufs Wesentliche? lenkend. Der Ohrenkuss geht ein weiteres Mal … da rein, da raus und hinterlässt dabei gewiss ordentlich durchlüftete Denkwelten. „Der Anfang der Welt“ – da kann einen wirklich viel durch den Kopf gehen. Dem Ohrenkuss sei Dank!