Armin Nassehi war zu Gast beim „Talk im DKH“ in Dortmund. Sein Thema: „Wie verändert die Digitalisierung die Gesellschaft?“

Wir müssen lernen Technologie, besser zu kritisieren und einzuordnen, meint der renommierte Soziologe Armin Nassehi. Letzten Freitag war der derzeit ob seines neuen Buches „Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft“ äußerst gefragte

Talk-Gast Prof. Armin Nassehi. Fotos: C. Stille.

Publizist Gast im „Talk im DKH“. Im Buch geht es Prof. Dr. Armin Nassehi darum zu erklären, warum die digitale Technologie in der Gesellschaft so erfolgreich ist. Seine These: Technologie kann sich nur durchsetzen, wenn sie den Nerv der Gesellschaft trifft. Beispiel: Ein Smartphone wird schlicht und einfach gekauft, weil es funktioniert In seinen Augen sei die Gesellschaft schon im 19. Jahrhundert eine moderne digitale gewesen. Diese habe sich durch eine steigende Komplexität und Urbanisierung entwickelt, was dazu führte, dass man sich auf vorherige, analoge Wahrnehmungsformen nicht mehr verlassen konnte. Der Titel dieses „Talk im DKH“ lautete: „Wie verändert die Digitalisierung die Gesellschaft?“

Der „Talk im DKH“ fand wieder im Freien statt. Stadtdirektor Jörg Stüdemann begrüßte die Gäste

Die erste Veranstaltung dieser Art nach der Sommerpause moderierten wieder Aladin El-Mafaalani und Özge Cakirbey. Bei wunderbarem Wetter fand der Talk ein weiteres Mal auf dem DKH-Gelände im Freien statt. Stadtdirektor und

Moderierten die Veranstaltung: Özge Cakirbey (links) und Aladin El-Mafaalani (rechts).

Kulturdezernent Jörg Stüdemann begrüßte an Stelle von Levent Arslan, Dietrich-Keuning-Haus-Direktor, die Gäste. Levent Arslan weilte im Park des Schlosses Bellevue in Berlin beim Bürgerfest des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Jörg Stüdemann: Die Akademie für Digitalität und Theater ist Gegenstück zum Medienkunstverein im Dortmunder U

Stüdemann sprach, passend zum Talk-Thema, über den Start der Akademie für Digitalität und Theater (angeregt vom nach dieser Spielzeit scheidenden Schauspieldirektor Kay Voges) und lobte die Unterstützung der Akademie mit fast vier Millionen Euro. Die ersten Studierenden – in diesem Falle Regisseurinnen und Regisseure – hätten ihre Stipendien aufgenommen. Die Akademie sei nun das Gegenstück zum Dortmunder U, wo der Medienkunstverein seinen Sitz habe. Dies sei der einzige Kunstverein in Deutschland, „der sich systematisch seit 1996 mit den Fragen Digitaler Kunst, ihrer kuratorischen Betreuung und mit Fragen zum digitalen Zeitalter und die Umsetzung für die Künste“ beschäftige. Die künftige Schauspieldirektorin Julia Wissert des Schauspiel Dortmund weilte am

Begrüßte die Gäste: Dortmunds Stadtdirektor Jörg Stüdemann.

Freitagabend im Publikum.

Gast Armin Nassehi ist auf Schalke aufgewachsen und nun mit einem Gelsenkirchener Abitur Inhaber eines der größten Lehrstühle für Soziologie an der LMU München

Jörg Stüdemann hatte dann für das Publikum noch folgenden (Warn-)Hinweis zum Gast: Über Prof. Nassehi gebe es auch etwas „Schlechtes“ zu sagen: Er sei auf Schalke, in Gelsenkirchen groß geworden. Gelächter, leise Buhrufe, aber auch Beifall für den Gast aus dem Publikum.

Moderator Aladin El-Mafaalani setzte noch eins drauf, als er süffisant anmerkte, dass Armin Nassehi auch sein Abitur in Gelsenkirchen gemacht habe: „Jetzt müsste man meinen, dass man mit einem so wertlosen Zettel nichts wird. Aber nein, er ist an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Professor für Soziologie und hat dort einen der größten Lehrstühle für Soziologie Deutschlands inne. Und das mit einem Gelsenkirchener Abitur. Dass man überhaupt bayerischer Beamter mit einem nordrhein-westfälischen Abitur werden kann!“

Beim Schüler-Talk am Mittag beeindruckten die Jugendlichen Armin Nassehi mit klugen Fragen

Am Mittag hatte es schon einen Schülertalk im Dortmunder Helmholtz-Gymnasium mit Jugendlichen gegeben. Armin Nassehi äußerte sich mit Anerkennung über die SchülerInnen. Für ihn habe es den Anschein gehabt, dass diese Jugendlichen „schon einmal von Rednern irgendwie beglückt worden sind. Dass heißt, die waren in der Lage dazusitzen und Benutzeroberflächen zu haben, die so aussahen, als würden sie mir zuhören“. Von ihnen seien sehr kluge und intelligente Fragen gestellt worden.

Armin Nassehi pflegt eine methodisch kontrollierte Frage zu stellen: „Für welches Problem ist die Digitalisierung eine Lösung?“

Wie sich die Digitalisierung auswirken werde, so Nassehi wisse man nicht. Auch wenn man sich die besten Studien darüber anschaue. Die einen konstatierten, dass achtzig Prozent aller Arbeitsplätze verschwinden könnten. In die andere Richtung schlüge das Pendel bis hin zu einem möglichen Jobwunder von dreihundert Prozent Arbeitsplätzen aus. Beides sei denkbar. Die Extreme dürften wohl nicht eintreten. Es werde sich dazwischen bewegen.

Er interessiere sich vor allem „zunächst einmal brav wissenschaftlich für eine methodisch kontrollierte Frage.

Die Frage sei für ihn nicht, welche Problem die Digitalisierung mache oder wie man diese Probleme lösen könne, bzw. wie wir das überwinden können. Nassehi pflegt vielmehr eine methodisch kontrollierte Frage zu stellen: „Für welches Problem ist die Digitalisierung eine Lösung?“ In der Wissenschaftstheorie nenne man das eine funktionalistische Frage. „Man fragt also. Man sieht etwas, das funktioniert. Und fragt sich, welches Problem mit dieser Funktion eigentlich gelöst wird.“

Schwer unter die Leute zu bringende These: Schon vor hundert Jahren war die Gesellschaft eine moderne digitale

Nassehi bekannte auf die These – die nicht so leicht unters Volk zu bringen sei – gekommen zu sein, dass die Gesellschaft schon hundert Jahre bevor der Computer erfunden wurde, eine moderne digitale war. Am Beispiel von Paris erklärte er das. Da habe man für damit angefangen. In einer so großen Stadt hätten sich zwar Gebäude und Menschen, aber keine Weizenfelder befunden. Aber Weizen wurde ja zur Herstellung von Baguettes benötigt. Man habe ungefähr berechnen müssen, wie viele Lieferanten von Weizen man für eine Stadt wie Paris bräuchte. Straßen mussten breit genug sein, um den Weizen in die Stadt hinein zu bringen. So sei das statistische Denken entstanden. „Es entstand ’ne kulturelle Form digital zu denken“, sagte Armin Nassehi. Die Digitalisierung mache heute sichtbar, was man vorher nicht habe sehen können.

Daten sind für unterschiedliche Institutionen von unterschiedlichem Interesse

Prof. Nassehi streifte auch das Thema der heute anfallenden Unmengen von Daten. Bis hin zu den auftretenden Datenmengen diverser sozialer Medien. Die Daten seien für unterschiedliche Institutionen von unterschiedlichem Interesse. Er sprach diesbezüglich von Markt- und Sozialforschung und von Strafverfolgungsbehörden, oder von Verwaltungsproblemen, bzw. von Medizinern, die das Verhalten Menschen hinsichtlich von Gesundheitsfragen untersuchen.

Armin Nassehi: Digitalisierung macht vieles möglich. Und die Menschen nutzen es, weil es funktioniert

Man müsse einfache Fragen stellen, um schwierige Antworten geben zu können, findet der Soziologe Armin Nassehi. Die einfache Frage sei, referierte er: „Welches Problem löst Technik? Die Technik löst vor allem das Problem des Konsenszwangs.“ Digitalisierung mache vieles möglich. Und die Menschen nutzten es, weil es funktioniert. Da könne man selbst Menschen von der Benutzung des Flugzeugs wegbringen: Wenn es eine funktionierende Alternative gebe, würden sie die nutzen.

Das Funktionieren korrumpiere uns aber auch. Die menschliche Intelligenz sei jedoch in einem endlichen Körper situiert – sie ist gewissermaßen leiblich und dadurch unvollständig“. Eine vollständige Form digitaler Intelligenz sei deshalb schon aus formallogischen Gründen nicht denkbar. Man müsse darüber nachdenken, was man mit dieser Technik eigentlich macht.

Mit Maschinen zu kommunizieren sei nicht möglich. Dann könne man vielleicht auch sehen, wie naiv das ist, Angst davor zu haben, dass diese Apparate einmal mächtiger werden als wir selbst. Dafür wäre dies aber wohl auch eher ein Hinweis darauf, schloss Armin Nassehi seinen interessanten Vortrag, „dass man darüber nachdenken sollte, dass wir mit der Auseinandersetzung dieser Art von Informationsverarbeitung sehr viel darüber lernen kann wie voraussetzungsreich und begrenzt unsere Form ist, mit einer Welt umzugehen, die wir auch selber nur in der Datenförmigkeit unseres eigenen Gehirns kennen“.

Technologie kann auch eine Bedrohung darstellen. Deshalb: Technologie kritisch begleiten, um sie besser einordnen zu können

Technologie müsse den Nerv der Gesellschaft treffen, ist eine These, die der Soziologe Armin Nassehi auf dem Podium im Gespräch mit Moderatorin und Moderator vertrat. Aber er gesteht durchaus auch zu, dass Technologie auch eine Bedrohung darstellen könne. Weshalb darauf geachtet werden müsse, Technologie kritisch zu begleiten, um sie besser einordnen zu können.

Interessante Fragen aus dem Publikum

Zuschauer stellten gegen Ende der Veranstaltung interessante Fragen. Etwa die, ob die Digitalisierung unsere Gesellschaft positiv beeinflussen könne. Armin Nassehi antwortete, es bringe natürlich positive und negative Folgen. Aber, gab er auch zu bedenken: „Problemlösungen produzieren immer neue Probleme.“ Als positiv schätzte er selbst ein, dass man teilweise übers Netz durchaus interessante Leute kennenlerne und auch spannende Diskussionen zustande kämen. Aber ebenso treffe ebenfalls das Gegenteil zu. Also: eine ambivalente Geschichte.

Die „Talk im DKH“-Gäste erlebten einen rhetorisch geschliffenen Vortrag, aufgelockert durch Bonmots

Dass Prof. Armin Nassehi ein grandioser Redner ist, war bereits eingangs der Veranstaltung angekündigt worden. Und Nassehi, einer gefragtesten Intellektuellen Deutschlands, hat das auch mitR Bravour und gründlich bis ins letzte Detail unter Beweis gestellt. Geschliffene Rhetorik, aufgelockert mit diesem oder jenem Bonmot oder während des Vortragens rasch noch verfertigten und zum Abschuss gebrachten kleinen Spitzen, bewahrte Nassehis Referat davor, dröge zu werden. Es wurde oft kurz aufgelacht im Publikum. Mehr oder weniger laut.

Nur, was nimmt man nun von diesem Abend für sich an Essenz mit? Dass wurde in etwa so auch aus dem Publikum gefragt. Eine gute Frage! Erst mal sacken lassen, dürften da viele gedacht werden, die mit mit jeder Menge Informationen prall gefüllten Kopf den Heimweg antraten. Womöglich „ploppt“ dann später mancher von Armin Nassehi geäußerter Gedanke auf und lässt der einen oder anderen Person dies oder jenes Licht aufgehen.

Armin Nassehis Buch konnte erworben werden und wurde auf Wunsch auch von ihm signiert

Nassehis Buch konnte vor Ort erworben werden und wurde auf Wunsch auch vom Autoren signiert.

Von Armin Nassehis (Mitte) Buch beeindruckt: Özge Cakirbey (links) und Aladin El-Mafaalani (rechts).

 

Diejenigen, die es bereits gelesen haben – wie Moderatorin Özge Cakirbey und Aladin El-Mafaalani – gaben sich beeindruckt. Özge Cakirbey, gestand, dass sei schon eine ganz schöne Portion „Arbeit“ gewesen das Buch zu lesen. Einige Begriffe daraus habe sie für sich mit Gewinn neu hinzugelernt. Und El-Mafaalani bestätigte, das solche Bücher eben durchaus Anstrengungen nötig machten.

Nächster Gast beim „Talk im DKH“: der Journalist Deniz Yücel

Gast beim nächsten „Talk im DKH“ am 29. November um 19 Uhr wird der Journalist Deniz Yücel sein.

 

 

Nassehi, Armin

Muster

Theorie der digitalen Gesellschaft

Sachbuch-Bestenliste für September 2019: Platz 9

Wir glauben, der Siegeszug der digitalen Technik habe innerhalb weniger Jahre alles revolutioniert:  unsere Beziehungen, unsere Arbeit und sogar die Funktionsweise demokratischer Wahlen.  In seiner neuen Gesellschaftstheorie dreht der Soziologe Armin Nassehi den Spieß um und zeigt jenseits von Panik und Verharmlosung, dass die Digitalisierung nur eine besonders ausgefeilte technische Lösung für ein Problem ist, das sich in modernen Gesellschaften sei…

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10. Afrika Ruhr Festival in Dortmund bot viele Höhepunkte und war Begegnungsplattform für viele unterschiedliche Menschen

Kolumbianerinnen vor der Friedenssäule in Dortmund auf dem Friedensplatz. Fotos: C. Stille

Zwanzig Jahre gibt es den Verein Africa Positive e.V. Dortmund. Die umtriebige Vereinsvorsitzende Veye Tatah hat dieses Jahr einmal mehr mit vielen ehrenamtlichen HelferInnen das nun bereits 10. Afro Ruhr Festival organisiert. Es ist das im Ruhrgebiet wohl größte interkulturelle Festival. Vom 28. bis 30 Juni standen im Dietrich-Keuning-Haus (DKH) Tanz, viel Life-Musik – bestritten u.a. von Instrumentalisten und Sängern aus Kolumbien und Jamaika, die verschiedene traditionelle Musikstile präsentierten – auf dem Programm. Des Weiteren zogen ein Jugendprogramm, Vorträge mit einer Podiumsdiskussion, Fachforen und ein Afrika-Markt die BesucherInnen an. Menschen unterschiedlichster Herkunft – bei weitem nicht nur mit afrikanischen Wurzeln, sondern auch aus Kolumbien, Chile, Vietnam und vielen anderen Gegenden unserer Welt viele davon zuhause in der Nordstadt – begegneten sich in vielfältiger Form, tauschten sich aus und hatten Spaß zusammen. Bei brütender Hitze boten draußen vor dem Dietrich-Keuning-Haus mehrere Stände kulinarische Speisen und Getränke an. Das Fazit von DKH-Chef Levent Arslan: „Es war

Kinder von einem tamilischen Verein. Hinten Mitte: DKH-Leiter Levent Arslan.

in der Tat in diesem Jahr eine ganz besondere Stimmung. Mittlerweile hat sich das Festival zu einem Ereignis über unsere Stadt- und Ruhrgebietsgrenzen hinaus entwickelt. Das freut uns natürlich sehr.“ Arslan sprach davon, dass zirka mehr als 4000 Gäste das Afro Ruhr Festival 2019 besucht hätten.

Parade der Vielfalt“ vom Friedensplatz mit Höhepunkten unterwegs in die Gefilde der Nordstadt

Die „Parade der Vielfalt“ bringt Lebensfreude in die Dortunder City.

Zu einem Höhepunkt auch des diesjährigen Festivals gestaltete sich die „Parade der Vielfalt“. Sie eröffnete das dreitägige Festival am vergangenen Freitag. DortmunderInnen mit oder ohne Migrationshintergrund, sowie Gäste der Stadt, fanden sich als bunte Truppe, darunter auch Kinder, bekleidet mit phantasievollen und traditionellen Kostümen und Gewändern am Freitagnachmittag auf dem Friedensplatz vor dem Rathaus ein und präsentierten sich zu Trommelklängen auf dessen Treppe mit Blick auf die Friedenssäule. Bürgermeisterin Birgit Jörder war zum Empfang der Parade erschienen. Dann starteten die Menschen zur „Parade der Vielfalt“, angeführt von der Formation Schwarz-Rot Atemgold 09 sowie anderen Musikern, ihren Marsch durch die Stadt. Es ging hinunter in die Stadt über den Westenhellweg zur Kampstraße. Unmittelbar an der Fußgängerzone wurde ein Kreis gebildet. Bei Blasmusik und zu leidenschaftlichen Trommelklängen und zu heißen Rhythmen tanzten kolumbianische Frauen leidenschaftlich und verkörperten, natürliche ungebremste Lebensfreude. Tamilische Kinder in ihren schönen Trachten und dem Schmuck im Gesicht eroberten die Herzen Menschen.

Ein Feuerspucker in der Dortmunder Innenstadt.

Ein Feuerspucker war das absolute absolute Highlight bei diesem Stopp der Parade. Dann ging es weiter über die Kampstraße und die Katharinentreppe hinab. Auf dem Platz davor gab es abermals ein Halt mit Tanz- und Musikdarbietungen, welche die Passanten neugierig machten. Dann zog die „Parade der Vielfalt“ unter wolkenlosem Himmel und bei brütender Hitze – die Menschen im Pulk schon von weitem als knallbunte Tupfer sichtbar – in die Gefilde der Nordstadt ein, um schließlich den Festivalort, das DKH, zu erreichen.

Das dreitägige Programm eröffnete nach Begrüßungsworten von Veye Tatah und Levent Arslan eine Kindergruppe eines tamilischen Vereins

Dort eröffneten Veye Tatah und Levent Arslan – sie hatten ebenfalls an der Parade teilgenommen – gemeinsam feierlich das 10. Afrika Ruhr Festival, das eine einzigartige Begegnungsplattform für möglichst viele unterschiedliche Menschen, sein will. Eine Kindergruppe eines tamilischen Vereins eröffnete das Programm. Musik und Tanzgruppen aus Europa, Afrika, Lateinamerika sowie Asien

Levent Arslan und Veye Tatah eröffnen im Dietrich-Keuning-Haus das Afro Ruhr Festival 2019.

trafen aufeinander und feierten drei Tage gemeinsam. Ein Glanzlicht des ersten Festivaltages dürfte Aicha Kouyate aus Oberguinea gewesen sein, die vor allem in Westafrika eine bekannte Griot-Sängerin ist.

Life-Musik unterschiedlicher Stile, Tänze mit Trommelbegleitung, ein Kinder- und Jugendprogramm – pickepacke voll das Programm am Samstag

Pickepackevoll auch das Programm des zweiten Tages des Afro Ruhr Festivals, der Samstag. Trotz kleiner Verzögerungen im Programmablauf war in der Agora des DKH fast ständig etwas los. Trommelaktionen und Tanz, ein Kinderprogramm und Programm von Jugendlichen mit Poetry Slam, Chorgesang und Tanz auf der offenen Bühne u.a. mit Voice of Tomorrow, Sing 4 you und der Gruppe Dance 4 you – als Aktion der Koordinierungsstelle des Jugendamtes Dortmund, Bereich Kinder- und Jugendförderung aus dem afrikanischen Kulturbereich.

Roughhouse.

Begeistert waren das Publikum vom traditionellen Tanz der Gruppe Mecuda NRW und nicht weniger von Auftritt von Roughhouse, der mit seiner Band und einer

Die Gruppe Mecuda NRW.

harmonisch-fließenden musikalischen Mischung aus Roots-Reggae und Dancehall zu gefallen wusste. Der für den Abend angekündigte Act es Kameruners „Mr. Leo“ musste entfallen: Der Künstler hatte kein Visum für Deutschland bekommen.

Weiter zu erleben waren Tänze aus dem Senegal mit Trommelbegleitung mit Dame Diop und Joe Camara & friends.

Alexandra Wiemer von Radio 91,2 interviewte Veye Tatah zum Thema „10 Jahre Afro Ruhr Festival – Rückblick und Ausblick“. Die Zuschauer erfuhren viel über

Als Miss und Mister Afro Ruhr 2019 gekürt: Geraldine und Khaled.

die nicht immer einfachen Anfänge des Festivals. Alexandra Wiemer überreichte Veye Tatah sozusagen als süßen Dank für das jahrelange Engagement nicht nur für das Afro Ruhr Festival eine Schale selbst gepflückter Kirschen.

Geraldine und Khaled wurden zu Miss und Mister Afro Ruhr 2019 gekürt

Nicht einfach gestaltete sich zunächst die Wahl Miss und Mister Afro Ruhr 2019 – zu viele aussichtsreiche KandidatInnen machten sie zu einer Qual der Wahl. Dann

Gruß- und Dankesworte vom Dortmunder Stadtdirektor und Kulturdezernenten Jörg Stüdemann.

aber eroberten Geraldine und Khaled die Herzen des Publikums. Ihr Preis: jeweils ein 100-Euro-Gutschein für jeweils zwei unterschiedliche Afro-Shops.

Gruß- und Dankesworte von Kulturdezernent Jörg Stüdemann

Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann überbrachte Grüße der Stadt Dortmund und beglückwünschte alle am Gelingen des nunmehr schon 10. Afro Ruhr Festivals zu ihrer wertvollen Arbeit und sprach ihnen seinen Dank aus.

Catalina Valencia und Baterimba Band vermittelten lateinamerikanisches Feeling

Auf eine rhythmische Reise zwischen Jazz, Funk, und lateinamerikanische Musik nahmen Catalina Valencia und Baterimba Band aus ihrem Projekt „Marices“ das Publikum mit. Ihre Songs erzählten vom Alltäglichen, der Liebe, bunten Charakteren und der Sehnsucht. Sie

Catalina Valencia and Baterimba Band.

vermittelten lateinamerikanischen Feeling. Große Emotionen! Kolumbischstämmige Frauen und auch ein paar Mutige aus dem Publikum tanzten, dass der Schweiß in Strömen floss.

Hochinteressant am Samstagnachmittag die Vorträge und eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Bald 60 Jahre Unabhängigkeit und immer noch in den Fängen des Kolonialismus?“. Unter anderen getragen Attac. Die brillant und kenntnisreich argumentierenden Experten die referierten, waren Dr. Boniface Mabanza Bambu (Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika KASA), der Wirtschaftswissenschaftler Martial Ze Belinga und Dr. Dereje Alemayehu (Executive Coordinator der Global Alliance for Tax Justice). Eine Erkenntnis daraus: Nach der Entlassung blieben bis heute viele afrikanische Staaten in Abhängigkeit der einstigen Kolonialherren. Ein negative Rolle dabei spielt der CFA-Franc, erfuhren die interessierten ZuhörerInnen im voll besetzen Raum 204 des DKH. 14 ehemalige französische Kolonien benutzen seit 1945 eine Währung, die in der Kolonialzeit von französischen Kolonialherren eingeführt wurde. Kritiker sprechen von einen System „freiwilliger Knechtschaft“ und verurteilen den CFA-Franc als „imperiales Machtinstrument“. Wirtschaftswissenschaftler Martial Ze Belinga erklärte wie der CFA-Franc afrikanische Länder, einstige Kolonien, in Abhängigkeit gefangen hält.

Moderator, Dr. Bonface Mabanza Bambu, Martial Ze Belinga und Dr. Dereje Alemayyehu (v.l.)

Auch mit einem immer wiederkehrenden Argument, wonach die afrikanischen Länder allein an ihrer Korruption krankten, wurde aufgeräumt. Freilich sei die nicht kleinzureden. Aber seien auch Ressourcenabflüsse aus Afrika durch die Ausbeutung seitens der westlichen Wirtschaft mit zu bedenken, die den afrikanischen Ländern für deren Entwicklung fehlen. Ein UN-Panel, so referierte Dr. Dereje Alemayehu habe 2013 herausgefunden, dass zu sechzig Prozent Ressourcenabflüsse aus Afrika Handels- und Wirtschaftsaktivitäten von meistens westlichen Unternehmen stammten. Vierzig Prozent aus Korruption und aus Kriminalität. Der OECD-Generalsekretär habe in einem Bericht einmal gesagt, für jeden Dollar der an Entwicklungshilfe in die Entwicklungsländer kommt, gingen drei Dollar als illegale Ressourcenabflüsse.

Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion.

Erzähl mal, wie du es geschafft hast! – zu Gast die künftige Intendantin des Schauspiels Dortmund

In der Afrika Positive-Reihe „Erzähl mal, wie du es geschafft hast! – Jugendliche sprechen mit einem Vorbild“ war Julia Wissert zu Gast, die ab der Spielzeit 2020/2021 Intendantin des Schauspiels Dortmund sein wird.

Familiensonntag zum Abschluss des Afrika Ruhr Festivals

Afrika Markt.

Der letzte Tag des Festivals ist traditionell ein Familiensonntag. Dargeboten wurde ein buntes Programm für alle Generationen. Sowohl im Außenbereich als auch im Haus fanden Aktionen und Workshops für Kinder- und Jugendliche statt. Das Bühnenprogramm war ebenfalls auf die ganze Familie und ausgerichtet und wurde mit Freude aufgenommen.

Weitere Impressionen im Bild