Dortmund heute: Podiumsdiskussion „Ideen zur Weiterentwicklung unserer Demokratie – Mehr Transparenz, weniger Lobbyismus, mehr Bürgerbeteiligung“

 

Grüße von der Demokratie. Foto: Stefan Erdmann via Pixelio.de

Mehr Demokratie und Demokratie+ laden alle Bürgerinnen und Bürger zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion unter dem Titel „Ideen zur Weiterentwicklung unserer Demokratie – Mehr Transparenz, weniger Lobbyismus, mehr Bürgerbeteiligung“ in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs herzlich ein.

Sie haben die Gelegenheit, sechs Bundestagsabgeordnete bzw. für ein Mandat kandidierende Politiker aus Dortmund zu elementaren Themen unserer Demokratie und zu Ideen zur Weiterentwicklung der Demokratie in der nächsten Legislaturperiode zu befragen: Transparenz, Lobbyismus und Bürgerbeteiligung.

Die Veranstaltung beginnt mit einem Grußwort von Klaus Wegener, Präsident der Auslandsgesellschaft NRW.

Auf dem Podium

Marco Bülow (SPD-Bundestagsabgeordneter)
Ulla Jelpke (Linke-Bundestagsabgeordnete)
Markus Kurth (Grüne-Bundestagsabgeordneter)
Steffen Kanitz (CDU-Bundestagsabgeordneter)
Torsten Sommer (Piraten-Kandidat zur Bundestagswahl)
Max Zombek (FDP-Kandidat zur Bundestagswahl)

Moderation: Gunter Niermann, Kreisgruppengeschäftsführer „Der Paritätische“, Dortmund

Der Eintritt ist frei. (Info via Mehr Demokratie e.V.)

Logo via AGNRW

Ort und Zeit:

Mittwoch, 23. Aug. 2017
18:30 – 20:00 Uhr
Auslandsgesellschaft NRW e.V.
Steinstr. 48, 44147 Dortmund

Manfred Meier wurde letztlich vom System aufs Totenbett gebracht. Ein Nachruf

Manfred Meier. Foto: Abdallah-Mohammed Geretzky

Die Mauertoten an der DDR-Staatsgrenze zur BRD zählte man. Keine Frage: Jede/r Tote ist eines/r zu viel. Manfred Meier ist tot. Erst heute zu lesen auf Facebook. „Manni“ ist bereits am 12. Mai im Marienhospital zu Herne seinem Leid erlegen. Das Leben hatte ihm übel mitgespielt. Das Leben? Kaltland! Ein Schock für mich. Ich lernte den kämpferischen Zeitgenossen vor Jahren am Rande einer Veranstaltung mit Inge Hannemann in Wanne-Eickel kennen.

Die Agenda 2010 hat den Mann auf dem Gewissen. Könnte man sagen. Freilich juristisch wäre das nicht zu beweisen. Weshalb ich schreibe: die Umstände haben ihn auf den Gewissen. Gewissen? Der Neoliberalismus hat kein Gewissen. Jedoch könnte gesagt werden: Das einst von Rot-Grün installierte Agenda-System – in vorderster Linie Hartz IV – machte Manfred Meier krank. Und letztlich erschlug es ihn im übertragenen Sinne. Kalte Bürokraten wollten nicht hinnehmen, dass Meier sich gegen das System wehrte. Aber das tat er. Sicher nicht immer mit legalen Mitteln. Etwa dokumentierte Meier in Wort und Bild auf Video wie man mit ihn amtlicherseits umsprang. Das brachte ihm die Kriminalpolizei ins Haus. Später musste er sogar ins Gefängnis. Den Ämtern bis hin zum sozialdemokratischen Bürgermeister mochte er als Querulant gegolten haben. Dabei wollte Manni nur das, was in seinen Augen Unrecht war, nicht wehrlos hinnehmen. Nun hat er seinen Kampf verloren. Er ruhe sanft.

Mannis Leid (geschrieben seinerzeit von mir in der Freitag)

(…) „Manni“ Meier bewohnt eine vom Jobcenter Herne bewilligte Dachwohnung. Selbige ist schlecht isoliert. Sie besteht nur aus Außenwänden. Die Wohnung darunter ist nicht belegt. Im Winter eine Eishöhle, herrschen sommers Saunatemperaturen. Die Wohnung hat eine Gasetagenheizung. Die Heizung benötigt eine Umlaufpumpe, die mit Elektronenergie läuft. Das bedeutet quasi ständigen Stromverbrauch. Zulasten des Mieters. Die daraus resultierenden Stromkosten soll Mieter Meier nach Aussage des Jobcenters selbst berappen. (…)

Und weiter:

„Manni“ kämpft auch unterm Riesenrad auf der Cranger Kirmes

(…) „Wer nicht kämpft, heißt es, hat schon verloren. „Manni“ Meier bleibt am Ball. Am Samstag fand der traditionelle Festumzug zur

Manfred Meier auf der Cranger Kirmes. Foto: Abdallah-Mohammed Geretzky

Eröffnung der Cranger Kirmes statt. Meier hatte sich schon früh einen Platz gegenüber der Stelle gesichert, wo der Herner Oberbürgermeister Horst Schiereck (Vorstandsmitglied bei den Stadtwerken Herne) stehen würde. Schiereck dürfte es nicht gefallen haben, dass er Meiers Plakat vor die Nase gehalten bekam. Am gestrigen Sonntag dann informierte Manfred Meier Interessierte auf der Cranger Kirmis über seinen Fall. Zu dem traditionellen Volksfest strömen Tausende Menschen täglich. Nach eignen Angaben wurde „Manni“ Meier zahlreiche seiner Informationsflyer dort los.“ (…)

Sogar eine Petition mit Titel „Gerechtigkeit für Manni Leid“ wurde eingereicht. Sie blieb erfolglos.

Die Todesnachricht (verfasst von einem Freund Mannis auf Facebook)

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe leider eine sehr traurige Nachricht zu übermitteln. Auch mir, fällt dieser Moment sehr schwer. Als sehr guter Freund von Manfred Meier, sitzt der Schock noch so tief, das ich erst heute darüber schreiben kann.

Manfred Meier. Foto: Abdallah-Mohammed Geretzky

Manfred Meier ist am 12.Mai. 2017 im Marienhospital Herne verstorben. Bis zuletzt hat Manfred Meier unter sehr starken Schmerzen gelitten. Seine Herzleistung betrug zum Schluss nur noch 10 %. Er wolle nicht von Medikamenten abhängig sein und wollte sich auch von den behandeln Ärzten nicht weiter helfen lassen.

Ich habe ihn vor drei Wochen das letzte Mal gesehen. Ich habe ihn mit meiner Frau besucht. Das es

der letzte Besuch sein wird, hatte ich nicht erwartet. Manfred Meier war für mich immer ein Mensch, der alles gegeben hat. Immer gekämpft hat.

Als Meier 411 Tage kein Warmwasser und kein Strom hatte, weil das Jobcenter der Stadtwerke Herne rechtswidrig zu wenig gezahlt haben, wurde Meier krank. Erst fünf Tage vor der Gerichtsverhandlung haben die Stadtwerke ihm alles wieder aufgesperrt, damit er vor Gericht kein Anwendungsgrund mehr hatte. Diese Zeit hat Manfred sehr mitgenommen. Ich habe es schließlich miterlebt.

Sodann hat er Ende Dezember kurz vor der nächsten Verhandlung mehrere Schlaganfälle erlitten. Ich hatte ihn noch rechtzeitig in der Wohnung gefunden und konnte den Notarzt alarmieren.

Schließlich hat ihn die Haftzeit sehr mitgenommen und ihn noch kränker gemacht.

Am Ende hat es alles nichts geholfen. Manfred wollte von sich aus keine Hilfe annehmen. Er wollte nie abhängig sein von irgendjemand. Nun ist er von uns gegangen. In stiller Trauer Gedenke ich ein Kämpfer, an dem der Kampf mit Hartz 4 maßgeblich an seinem Tot mitgewirkt hat.

Du wirst immer in unseren Herzen bleiben.

In stiller Trauer
Abdallah

P.S.
Wer fragen hat kann mich gerne kontaktieren
Abdallah-Mohammed Geretzky“ (Tippfehler von mir korrigiert, d. Autor)

Heinrich Zille schrieb: „Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genau so töten wie mit einer Axt.“ Auf Manfred Meier und viele vom System eines „Fordern und Fördern“ Betroffene bezogen – das in praxi dann nicht selten ein „Foltern“ und fragwürdiges „Fördern“ ist und nur ein Abschieben in sinnlose Bildungsangebote ohne Perspektive ist. Und somit dem ursprünglich postulierten politischen Anliegen von Rot-Grün Hohn spricht.

Foto: Petra Bork via Pixelio.de

Mit Verlaub, ich wandle das Zille-Wort ab: Man kann mit einem kaltherzigen System einen Menschen genau so töten wie mit einer Axt.  Wäre man zynisch, könnte man sagen, Manfred Meiers Ableben sei als Kollateralschaden abzubuchen.

Viele Hartz IV-Betroffene mögen die ihnen auferlegten Schikanen und die damit verbundene gesellschaftliche Zurücksetzung still leidend ertragen. Manfred Meier war nicht so. Er lehnte sich dagegen auf. Er verlor den Kampf. Die Mauertoten wurden gezählt. Zählt man auch die durch das Agenda 2010-System zu Tode gekommenen Menschen?

Zum Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus erinnert der Journalist Peter Donatus an die vergessenen Befreier

Peter Donatus während eines Vortrags in Dortmund. Foto: C.-D. Stille

Die vergessenen Befreier

von Peter Donatus

Seit gestern hat die Großmacht Frankreich einen neuen Präsidenten. In diesem Moment findet in Frankreich die diesjährige Feierlichkeit zum Kriegsende statt. Denn heute ist der 8. Mai – Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Nicht nur in Frankreich. Der historisch wichtige 8. Mai gilt traditionell in Deutschland und vielen europäischen Ländern als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus.

„(…) Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. (…)”

Ein Auszug aus der Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard Weizsäcker vor dem Bundestag im Jahr 1985. Er war der erste Bundespräsident, der Bundesrepublik Deutschland, der den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ nannte. Hierzulande gilt diese Rede als eine der wichtigsten Reden der Nachkriegsgeschichte.

Doch dieses historische Datum gibt nicht überall einen Anlass zum Feiern: In Algerien etwa gilt dieser Tag als Volkstrauertag. Zehntausende Algerier kämpften bei der Befreiung in Europa mit. Am 8. Mai 1945 wurden in der algerischen Hauptstadt/ Algier tausende Menschen von Franzosen massakriert, nur weil sie bei den Umzügen zur Feier des Kriegsendes in Europa auch algerische Fahnen bei sich trugen und damit, nach ihrem Einsatz für die Befreiung Frankreichs, auch Freiheit und Unabhängigkeit für ihr eigenes Land forderten.

Die Befreiung selbst stellt die Grundlage des heutigen modernen, bunten Wohlstandstaates Deutschlands dar. Bei den heutigen Feierlichkeiten in Deutschland und in Europa wird das Thema Die „Dritte Welt!“ im Zweiten Weltkrieg höchstwahrscheinlich wieder keine Rolle spielen, obwohl der Beitrag und die Verluste der „Dritten Welt!“ enorm sind.

Da fragt man sich:

** Wer hat eigentlich Deutschland bzw. die Welt von der Schreckensherrschaft der faschistischen Troika (Deutschland, Italien und Japan) befreit? Waren es tatsächlich die Siegermächte USA, Russland, Großbritannien und Frankreich?

** Haben die Deutschen sich selbst befreit? Wollten die Deutschen überhaupt die Befreiung?

** Wer hat den Marshallplan für den Wiederaufbau Europas und Japans finanziert? Waren es tatsächlich die Siegermächte USA, Russland, Großbritannien und Frankreich?

Obwohl der Beitrag und die Verluste der „Dritten Welt!“ bei der Befreiung Europas und der Welt von der Schreckensherrschaft der faschistischen Troika (Deutschland, Italien und Japan) enorm waren, wird die Rolle der „Dritten Welt!“ im Zweiten Weltkrieg bis heute weitgehend verdrängt, sowohl im politischen Diskurs als auch in der gängigen Geschichtsschreibung. Die gängigen Angaben über diesen Krieg gelten oft nur für den Kontinent Europa, dabei sind in der „Dritten Welt!“ mehr Menschen umgekommen als in Deutschland, Italien und Japan zusammen. In China gab es mehr 25 Millionen Kriegstote, mehr als in der UdSSR. Rund 90 Millionen Chinesen wurden vertrieben. Bei der Befreiung der philippinischen Hauptstadt Manila von den japanischen Besatzern starben rund hunderttausend Zivilist*innen und damit mehr als in Berlin, Dresden oder Köln. Zudem verschleppten japanische Militärs hunderttausende Frauen aus Asien in ihre Frontbordelle, wo sie sexuell versklavt wurden – die sogenannten Comfort Women (Trostfrauen), wie die Japaner diese Frauen zynisch titulierten. Die Kriegstoten aus anderen Teilen Asiens sowie aus Afrika, Ozeanien und Südamerika kommen in den Statistiken erst gar nicht vor.

Millionen Kolonialsoldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien kämpften bei der Befreiung mit – vom Maghreb bis zum Kap, Inder und Pazifikinsulaner, Juden und Araber aus Palästina, Mexikaner und Brasilianer, Aborigines und Maoris, Afroamerikaner und Native Americans, Christen und Muslime. Zwangsrekrutiert und als Kanonenfutter an vorderster Front eingesetzt und wussten oft nicht, wofür sie kämpften. Ausgegrenzt, ausgetrickst, ausgebeutet und getötet, namenlos begraben. Undokumentiert und vergessen – wie vom Winde verweht!

Bei der Rekrutierung haben die Briten und Franzosen den Schwarzafrikanern z.B. erzählt, dass die Nazis alle Schwarzen töten und ihre Haut anschließend als Schuhleder verwenden wollten. Schwarzafrikanische Studenten in Frankreich hatten damals die Übersetzung des Buchs „Mein Führer“ gelesen und das Vorhaben der Nationalsozialisten verstanden. Viele meldeten sich deshalb freiwillig, um bei der Befreiung Europas mitzuhelfen. Vor allem weil der britische Premierminister Winston Churchill und der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt 1941 die berühmte Atlantikcharta unterzeichneten, die den Kolonialisierten das Selbstbestimmungsrecht nach dem Kriegsende versprach. Hier wurde jedoch getrickst, denn die meisten afrikanischen Staaten beispielweise wurden erst in den 1960ern „politisch unabhängig“! Solange brauchten die Kolonialherren Afrika noch. Um Kriegsschulden zu begleichen und den Marshallplan zu finanzieren, brauchten die Kriegsherren Divisen, die mit den Rohstoffen aus Afrika erwirtschaftet wurden.

Nach Kriegsende erhielten unzählige Kolonialsoldaten aus Afrika weder die versprochenen Kriegsprämien noch Kriegsrente. Die noch Lebenden erzählen, dass ihre Kriegsrente zwischen 12 und 15 Euro betragen – Almosen statt Rente!

Heute wissen wir, dass die Befreiung Europas ohne den Beitrag der „Dritten Welt!“ nicht möglich gewesen wäre. De Gaulles Befreiungsarmee des „Freien Frankreichs“ bestand bis zu 65 Prozent aus Afrikanern. Allein 2,5 Millionen Inder kämpften etwa auf der Seite Großbritanniens. Weite Teile der „Dritten Welt!“ dienten als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück. Es gab in der „Dritten Welt!“ keinen Marshall-Plan für den Wiederaufbau.

Die damaligen Kolonien lieferten Nahrungsmittel für die kämpfenden Truppen, Zwangsarbeiter*innen für die gesamte Kriegswirtschaft und Rohstoffe für die Rüstungsproduktion.

Den Afrikaner*innen beispielweise wurden außergewöhnliche Kriegsleistungen abverlangt. Auch wegen der Dimension des Beitrages und der Verluste bezeichnete der berühmte Historiker Joseph Ki-Zerbo aus Burkina Faso den Zweiten Weltkrieg als „größten historischen Einschnitt für Afrika seit dem Sklavenhandel und der Zerstückelung des afrikanischen Kontinentes bei der Berliner Kongo-Konferenz im Jahre 1884/1885“. Joseph Ki-Zerbo vertritt zudem die These, dass die Industrialisierung Europas durch die Gewinne der europäischen Handelsgesellschaften aus dem transatlantischen Sklavenhandel finanziert wurde. Einige afrikanische Historiker*innen sehen den Zweiten Weltkrieg sogar als „Zweiten Kolonialismus“.

Millionen afrikanische Kolonialsoldaten kämpften bei der Befreiung Europas und der Welt vom Faschismus mit. Das Prinzip des Einsatzes von afrikanischen Kolonialsoldaten war nicht neu. Sowohl im Deutsch-Französischen Krieg im Jahr 1870 als auch während des Ersten Weltkrieges wurden hunderttausende Afrikaner durch ihre jeweiligen Kolonialherren zwangsrekrutiert. Neu waren die Millionenzahl und die ungeheure Brutalität gegenüber den Zwangsrekrutierten während des Zweiten Weltkrieges.

Die heutigen Erkenntnisse zeigen, dass die Befreiung Europas und der Welt von der faschistischen Troika (Deutschland, Italien und Japan) ohne den Beitrag Afrikas nicht möglich gewesen wäre. De Gaulles Befreiungsarmee des Freien Frankreichs bestand beispielsweise bis zu 65 Prozent aus Afrikanern.

Überall in der Welt wurden afrikanische Kolonialsoldaten eingesetzt. Insgesamt waren rund 11 Millionen britische Soldaten im Zweiten Weltkrieg im Einsatz; fünf Millionen davon kamen aus den Kolonien der Briten. So kämpften viele afrikanische Kolonialsoldaten 1940/41 auf der britischen Seite gegen italienische Kolonialtruppen in Somali-Land und Äthiopien; 1940 bis 1943 gegen die deutsch-italienischen Verbände sowie gegen Rommels berühmt-berüchtigten Truppen im lybisch-ägyptischen Grenzgebiet in Nordafrika; 1942 gegen das faschistische Vichy-Regime in Madagaskar und 1944 gegen japanische Truppen in Burma, weil Afrikaner die Hitze und den Dschungel angeblich besser aushalten könne als die Europäer. In Indien kamen rund 100.000 afrikanische Kolonialsoldaten zur Abwehr japanischer Angriffe zum Einsatz. Die Zwangsrekrutierten aus Afrika kämpften auch auf der Seite der Franzosen, um unter anderem Dakar (Senegal), Libanon, Syrien sowie einige französische Städte und das faschistische Italien zu befreien.

Hunderttausende kämpften auf der Seite der Alliierten, um Europa vom Faschismus zu befreien. Unzählige kamen dabei ums Leben. Tausende gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft und genauso viele wurden in Konzentrationslagern ermordet. Ein Racheakt gegen das „verniggerte“ Frankreich, wie die Nationalsozialisten Frankreich nannten. So befahl der Stabschef der Panzergruppe „Guderian“, Oberst Walter Nehring: „Gegenüber eingeborenen Gefangenen ist jede Milde fehl am Platze“.

Die afrikanischen Kolonialsoldaten hatten kaum eine militärische Ausbildung und wurden zudem im Gegensatz zu ihren „weißen Kameraden“ schlecht ausgerüstet. Sie bekamen für ihren Einsatz Macheten oder Waffen aus dem Bestand des Ersten Weltkrieges. Viele mussten barfuß im Dschungel kämpfen. Das erklärt die extrem hohen Verluste bei den afrikanischen Kolonialsoldaten. Faktisch waren sie Soldaten zweiter Klasse.

Kolonialsoldaten aus Afrika mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre „weißen Kameraden“ zufrieden geben. Selbst dieser geringere Sold sowie die versprochenen Prämien und Renten wurden oft nicht ausgezahlt, was wiederum zu Protesten der Soldaten bei ihrer Heimkehr führte. Viele wurden bei solchen Protesten massakriert und inhaftiert, wie etwa im Senegal 1944 und in Algerien 1945. Die Kolonialherren antworteten auf die zahlreichen Kriegsdienstverweigerungen, Proteste und Meutereien der Afrikaner*innen mit Prügel-, Haft- und Todesstrafen sowie außergerichtlichen Hinrichtungen.

Selbst an Kriegsfronten herrschte strengste Rassentrennung. Es gab de facto keine schwarzen Offiziere. Die Einheiten wurden nach Hautfarben gebildet. Die Einheiten der Schwarzen leiteten jedoch die Weißen, da die Schwarzen angeblich in vielerlei Hinsicht „den Geisteszustand von Kindern“ hätten, so die Begründung der Kolonialherren.

In einem Interview mit dem Kölner „Recherche International“ beschrieb ein ehemaliger Kolonialsoldat und Zeitzeuge aus dem Senegal die Rassentrennung an der Front so: „Weiße und afrikanische Soldaten waren schon in der Ausbildung strikt voneinander getrennt. In der Armee kochten französische Köche für die Franzosen; und Schwarze für die Tirailleurs. Die Weißen erhielten französisches Essen; alle anderen Maniok und Maisbrei mit Erdnusssoße. Noch auf dem Schlachtfeld waren wir Afrikaner benachteiligt. Ich weiß nicht mehr genau, wie hoch der Sold der europäischen Soldaten war. Unsere waren jedenfalls geringer. Und manchmal haben sie nicht einmal das ausgezahlt, was sie versprochen hatten“

Ein Weltkrieg und die damit verbundene Kriegswirtschaft verschlingen in der Regel unglaubliche Geldsummen aber auch Bodenschätze und menschliche Ressourcen. Neben den erzwungenen militärischen Einsätzen von afrikanischen Männern diente Afrika sowohl für die Alliierten als auch für die Achsenmächte als Rohstoffreservoir oder mit anderen Worten als Nachschub für die gesamte Kriegswirtschaft; zumal Südostasien als Rohstoffbasis für das britische Empire nach der Eroberung der Japaner wegfiel. Afrika blieb somit das einzige Rohstoffreservoir für die Briten.

Einige Beispiele:

Nach Großbritannien lieferte Westafrika Öl und Kakao. Sisal, Gold, Mais, Kaffee, Baumwolle, Tee etc. Rindfleisch kamen aus Ost- und Zentralafrika, Asbest, Kupfer und Erze aus Südrhodesien (Zimbabwe). In Nordrhodesien (Sambia) gab es Hirse, Zink, Kupfer, Kobalt und Vanadium, in Südafrika Gold, Platin und Kohle. Zudem wurde im südafrikanischen Dublin das größte Trockendock gebaut, das rund 400 Schiffskonvois und sechs Millionen Soldaten versorgte. In diesem Dock sowie in den Waffenfabriken in Südafrika arbeiteten überwiegend Schwarze, darunter unzählige Frauen. Sie wurden außergewöhnlich schlecht entlohnt. Die Fabriken stellten Waffen, Munition und Ersatzteile für die Alliierten her. Ebenso 32.000 Kraftwagen, 12 Millionen Stiefel und mehr als fünf Millionen Decken.

Die französischen Kolonien belieferten zunächst das faschistische Vichy-Regime und später die Truppen des Freien Frankreichs beispielweise mit Sisal und Baumwolle. Zentralafrika lieferte 1943 rund 70.000 Tonnen Lebensmittel wie Öl, Kakao, Zucker und Kaffee. Hauptlieferant des Freien Frankreichs war jedoch Kamerun. Aus dem Belgisch-Kongo stammte das Uran für den ersten Atomwaffeneinsatz in Japan.

Zudem wurden Hundertausende zwangsrekrutierte Hilfstruppen, sogenannte Pioneers, an den Kriegsfronten eingesetzt, die noch schlechter bezahlt wurden als die Kolonialsoldaten. Diese Hilfstruppen bildeten das Rückgrat für den Krieg. Sie wurden für den Transport für Kriegsmaterialien, den Bau von Straßen und Häfen u. a. eingesetzt.

Zwangsarbeiter*innen gab es in Afrika millionenfach. Obwohl Sklaverei offiziell abgeschafft wurde und trotz der Verabschiedung der Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gegen Zwangsarbeit im Jahr 1930, missachteten alle beteiligten Kriegsherren die Bestimmungen dieser Konvention. Statt von Zwangsarbeit sprachen die Kriegsherren von „Arbeitspflicht“, die die Einheimischen aus ihrer Apathie und der Barbarei herausführen sollte. Gegen den heftigen Protest der oppositionellen Labour Partei verabschiedete das britische Parlament ein Gesetz zur Zwangsarbeit von Einheimischen in den Kolonien. Afrikaner*innen wurden in Minen und Farmen verschickt und ließen ihre eigenen Felder im Stich. Dies markiert den Niedergang der Subsistenzwirtschaft in Afrika, mit verheerenden Folgen bis in die Gegenwart.

Die Ausbeutung ging so weit, dass die Kriegsherren die wirklich verarmten Menschen in Afrika um „Spenden?!“ baten (vor allem Geld und Lebensmittel) sowohl für Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft, für die Anschaffung von Kriegsgeräten und Munition als auch für den Wiederaufbau zerstörter europäischer Städte. Messer, Gabeln, Teller, Gläser, Salz, Kleider, Betttücher, Altmetall etc. wurden gesammelt und „gespendet?!“. Es wurde für die Anschaffung von Kampfflugzeugen gesammelt, wie z.B. für das kleine britische Flugzeug „Spit-Fire“ (zu Deutsch etwa: Feuerspucker). Dafür wurden in zahlreichen afrikanischen Städten und Dörfern das sogenannte „Spendenbarometer“ eingerichtet. Erreichte eine Stadt oder ein Dorf bei diesen „Spendenaktionen?!“ den Anschaffungspreis (5.000 Britische Pfund) für ein Jagdflugzeug namens „Spit-Fire“, so wurde das Flugzeug nach diesem Ort benannt. Deshalb gab es solche „Spit-Fires“ mit dem Namen Mombasa, Gamba Mayu, Kalahari, Sierra Leone I, II und III, Sansibar I, II und III, Cape Town, um einige zu nennen. Zu Beginn jedes Schuljahres mussten Eltern rund fünf französische Franc zahlen – damals ein Vermögen! Das Geld wurde wiederum für die Anschaffung von „Spit-Fires“ verwendet. Außerdem „spendeten?!“ Staatsbedienstete einen halben Monatslohn und Bauern mussten 10 Kilo Kakao „spenden?!“. Die Massai in Kenia haben jährlich sechstausend Rinder abgeführt. Insgesamt sollen Afrikaner*innen sechs Millionen Britische Pfund für den Krieg und den Wiederaufbau in Europa bar „gespendet?!“ haben. Das sind umgerechnet 73,02 Millionen Reichsmark (Stand 1938: 1 Pfund = 12,17 Reichsmark). Zum Vergleich: Der Kredit der griechischen Zentralbank an der Reichsbank 1942 betrug 476 Millionen Reichsmark. Heute fordern die Griechen mehr als 300 Milliarden Euro zurück.

An den Befreiungsfeierlichkeiten 1944 in Paris durfte kein einziger Schwarzer teilnehmen, obwohl sie Europa vom Faschismus befreit hatten. Ihnen wurde jegliche Anerkennung für ihre Leistungen verwehrt. Die schwarzen Soldaten wurden in Transitlagern unter äußerst schlechten Bedingungen untergebracht und mussten sogar mehr als zwei Jahre warten, bis sie nachhause zurückkehren durften. Auch viele von Ihnen waren in Deutschland stationiert.

Eine verheerende Folge der Zwangsbewirtschaftung Afrikas durch die Kolonialmächte während des Zweiten Weltkrieges war die grundlegende Veränderung der afrikanischen Wirtschaftsstruktur und Gesellschaft. Die Subsistenzwirtschaft wurde durch Monokultur ersetzt. Monopole wurden gebildet, rigide Devisenkontrollen verhängt und der Konsum rationiert, indem Lebensmittelkarten eingeführt wurden. Alle wirtschaftlichen Tätigkeiten wurden auf die Kriegswirtschaft zugeschnitten. Oft hungerte deshalb die einheimische Bevölkerung. Die Kriegsherren hinterließen Kolonialstrukturen, die die Wirtschaft und Gesellschaft Afrikas bis dato prägen, und die die Ausplünderung der Bodenschätze und die Ausbeutung von Mensch und Natur weiter ungehindert ermöglichen; nach dem Motto: „Come Rain Or Shine, The Show Must Go On!“. Zur Realisierung dieses Zieles setzt man heute bewusst auf die Förderung des Prinzips „Schwache Staaten“.

Während die Kriegsverursacher Deutschland und Japan Wiederaufbauhilfen erhielten, den sog. Marshallplan, den Afrika wiederum mindestens finanzierte, gab es keinen Marshallplan für Afrika, obwohl weite Teile des Kontinents verwüstet und vermint zurückblieb; obwohl die Wirtschaftsstrukturen zerschlagen wurden.

Die Ereignisse in Afrika während des Zweiten Weltkrieges sind ein weiterer Beleg dafür, wie Afrika die Entwicklung Europas ermöglicht und angekurbelt hat. Sie haben den Wohlstand bis heute mitfinanziert, Europa wiederum hat Afrika in die wirtschaftliche „Unterwicklung“ getrieben. Eine traurige Bilanz über die bisherige Beziehung zwischen den beiden Nachbarkontinenten Afrika und Europa.

Im hiesigen Geschichtsdiskurs werden bis heute Fakten wie diese immer noch ignoriert. Im Vorwort des Buches: „Unsere Opfer zählen nicht. Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ kritisiert der kamerunische Geschichtsprofessor der Universität Jaunde, Prinz Kum’a Ndumbe III, die westlichen Historiker*innen scharf und wirft ihnen einen „stillen Rassismus“ vor:

„(…) Aber da dies in erster Linie im Interesse der betroffenen Länder der Peripherie liegt, die heute zwar unabhängig sind, sich jedoch aus wirtschaftlichen Gründen solche Forschungen und Publikationen nur selten leisten können, kommen Stimmen aus diesen Staaten nur selten zu Wort und fehlen so in der internationalen Diskussion. Die Forscher aus den wohlhabenden Staaten aber unterliegen bewusst oder unbewusst einem stillen Rassismus, der sie dazu führt, Geschehnisse außerhalb ihres eigenen „Wohlstandszentrums“ als wenig relevant für ihre Arbeit zu betrachten.
So entsteht eine Literatur über den Zweiten Weltkrieg, die sich hauptsächlich mit den reichen Nationen befasst. Wer die Mittel besitzt, bestimmt auch die Themen, Theorien und Richtungen der Forschung. Opfer aus der Peripherie zählen deshalb nicht. Und die Opfer selbst lesen und lernen die von den Zentren der Wohlhabenden veröffentlichte und weltweit verbreitete Literatur zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs und erkennen ihre eigene Geschichte darin nicht wieder. (…)“

An diesem historisch wichtigen Tag lade ich Euch daher nun ein, mitzudiskutieren:
Wer hat eigentlich Deutschland bzw. die Welt von der Schreckensherrschaft der faschistischen Troika (Deutschland, Italien und Japan) befreit?
Haben die Deutschen sich selbst befreit? Wollten die Deutschen überhaupt die Befreiung?
Wer hat den Marshallplan für den Wiederaufbau Europas und Japans finanziert?

Diese Diskussion ist insofern existentiell wichtig, wie immer mehr Deutschen meinen, die Geschichte des größten militärischen Konfliktes, den es je gab, sei längst aufgearbeitet. Von einem abgeschlossenen Aufarbeitungsprozess kann aber nicht die Rede sein, da mindestens die Hälfte seiner Geschichte und die der Befreiung Europas vom Faschismus noch nicht erzählt wurde.

Ich freue mich auf neue Anregungen und Informationen. Vor allem freue ich auf eine konstruktive Diskussion auf Augenhöhe aber auch auf der Basis des respektvollen Umgangs.

Let the Debate begin!!!

Quelle: Peter Donatus via Facebook

Von Folter und Mord bedroht: Journalist Ismail Küpeli gibt seinen Abschied von Twitter und Facebook bekannt

Ismail Küpeli während des Vortrags in Dortmund. Foto: Stille

Ismail Küpeli während des Vortrags in Dortmund. Foto: Stille

Die Türkische Republik nach dem gescheiterten Putsch vom 17. Juli vergangenen Jahres lässt immer mehr Anzeichen für eine Entwicklung hin zu einer Autokratie mit diktatorischen Auswüchsen erkennen. Präsident Recep Tayyip Erdogan, der demnächst via Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei abstimmen lässt, was das Parlament quasi zu einem mehr oder weniger machtlosem Beiwerk machen würde, macht Tabula rasa. Alle von ihm und seiner AKP für schuldig am Putsch gehalten werden, werden verhaftet, aus ihren Arbeitsverhältnissen entlassen oder gar enteignet. Wer Kritik übt gilt gar als Terrorist. Beweise werden nicht geliefert. Zigtausende Existenzen wurden zerstört. Lehrer entlassen, Journalisten und TV-Moderatoren geschasst. „Über die Türkei wurde nach einem Putschversuch im Juli dieses Jahres der Ausnahmezustand verhängt. Das Land am Bosporus schwebt zwischen Terror und staatlicher Willkür“, schrieb ich hier an dieser Stelle am 3. Dezember 2016. Als Einleitung zu einem Bericht über einen Vortrag, welcher der Politikwissenschaftler und Journalist Ismail Küpeli am Schauspiel Dortmund über die Situation in der Türkei gehalten hatte.

Ismail Küpeli stellte stets eine nahezu unverzichtbare Quelle in Sachen Türkei dar

In seiner Eigenschaft als Journalist war Küpeli bis dato immer ein kritischer und verlässlicher Informant über die Situation in der Türkei und Ereignisse dort. Sowohl auf seinem Twitter- wie auf Facebookaccount. Und somit auch eine nahezu unverzichtbare Quelle. Gewiss auch für viele Türkinnen und Türken, welche der Entwicklung in der Türkei kritisch gegenüberstehen. Die türkischen Medien sind ja inzwischen größtenteils auf Erdogans Linie gebracht und dementsprechend eingenordet, Zeitungen geschlossen oder unter staatliche Kontrolle gestellt.

Küpeli informierte engagiert und unermüdlich in den Sozialen Medien, auf Vorträgen und in Rundfunk- und Fernsehinterviews über die Situation in der Türkei.

Was nicht ohne Reaktion blieb. Erdogans Arme reichen bis nach Europa. Was er in Österreich über entsprechende Machenschaften herausgefunden hat, gab der Nationratsabgeordnete Peter Pilz kürzlich auf einer Pressekonferenz (hier auf der Seite der Grünen) in Wien bekannt. In Deutschland dürfte es sich nicht wesentlich anders verhalten. Fakt im  Falle Ismail Küpeli ist: Regierungsanhänger aus der Türkei und wohl auch Fans der Erdogan-Partei AKP hierzulande feuerten aus allen Rohren auf ihn. Ob das von der Regierung in Ankara gesteuert ist oder spontan aus dem Kreise der Erdogan-Anhänger kommt, vermag Küpeli nicht zu sagen. Vorerst zwar ging es „nur“ übelst verbal hetzend zur Sache. Doch drohten man dem Journalisten bereits auch mit Folter und Mord. Wie lange hält das jemand aus? Kann man sich nicht vielleicht auch eine Art „Hornhaut“ zulegen, um weiterzumachen, wie Küpeli auf radioeins des RBB gefragt wurde.

Abschied“

Für Ismail Küpeli ist erst einmal Ende der Fahnenstange. Er verlässt Facebook und Twitter, kündigte er dieser Tage an. WDR 5 informierte in der Sendung Politikum. Der Grund: die Hetze in den Sozialen Netzwerken.

Ismail Küpeli auf Twitter.

Ismail Küpeli auf Twitter.

Küpeli auf Twitter mit der Überschrift „Abschied“: „Die ‚Qualität‘ und die Quantität des Hasses habe ich unterschätzt. Es ist kaum vorstellbar, mit welchem Elan und welcher Härte die Anhänger Erdogans missliebige Stimmen zum Verstummen bringen wollen. … Diese Auseinandersetzung mit Hetzern kostet mehr und mehr Zeit und Kraft, die dann woanders fehlt.“ Die Sozialen Medien seien in den letzten Jahren zunehmend zu einem Ort geworden, an dem Liberale von Totalitäristen niedergebrüllt und bedroht werden.

Ismail Küpeli bleibt der Öffentlichkeit erhalten

Ismail Küpeli wird uns jedoch dennoch erhalten bleiben. Er kündigte an, demnächst würden seine Texte und Vorträge auf seinem Blog verfügbar sein. Des Weiteren werde für Einladungen zur Vorträgen zur Verfügung stehen. Per Twitter verbreitete der Politikwissenschaftler: „Ich mache dann weiter bei @Ozguruz_org, @rosaluxstiftung, @ndaktuell und evtl. auch mit einem Vortrag in eurer Stadt. Bis dahin.“ Das Portal Özgürüz („Wir sind frei“) wurde vom ehemaligen Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet, Can Dündar gegründet, welcher im Exil in Deutschland lebt und nun Özgürüz als Chefredakteur vorsteht. Es kämpft für Pressefreiheit in der Türkei.

Bedauern aber auch Verständnis für Küpelis Rückzug aus den sozialen Medien

Viele Follower von Ismail Küpeli zeigten sich im Netz in teils bewegten Worten betrübt über dessen Rückzug aus den Sozialen Medien, äußerten aber durchaus Verständnism für dessen Schritt. Ob es ihm fürderhin gelinge, eine Hornhaut gegenüber den Anfeindungen und Morddrohungen zu entwickeln, äußerte Küpeli, müsse er sehen. Vielleicht, so möchte man dem Journalisten und Politikwissenschaftler empfehlen, möge er sich mit Lamya Kaddor ins Benehmen setzen, der es seit Jahren beinahe täglich so ergeht wie Küpeli. Sie hat jedenfalls bislang nicht aufgegeben ihren Weg erhobenen Kopfes weiter zu gehen.

3. Roma-Kulturfestival „Djelem Djelem“ in Dortmund. Balkan-Brass-Band Fanfare Ciocârlia heizt schon am Sonntag ordentlich ein

Logo via Kulturfestival Djelem Djelem.

Logo via Kulturfestival Djelem Djelem.

Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Das nun bereits dritte Roma-Kulturfestival „Djelem Djelem“ steht in Dortmund sozusagen in den Startlöchern. Das Festival ist ein Glücksfall für Dortmund. So sehen es inzwischen viele Menschen in der Ruhrgebietsmetropole und darüber hinaus. In der Stadt leben inzwischen zirka 8000 Roma. Das Festival bringt nicht nur hier und da ordentlich Leben in die Bude, sondern trägt auch von Mal zu Mal mehr dazu bei, die Roma und deren Kultur kennenzulernen und sich allmählich von Vorurteilen (Norbert Mappes-Niediek hat darüber geschrieben; dazu mein älterer Beitrag im Freitag) gegenüber dieser größten ethnischen Minderheit in Europa (zwischen 10 und 15 Millionen sollen es sein) zu verabschieden.

Viele unterschiedliche Menschen haben die vorangegangenen Festivals nun schon zusammengebracht. Die Dortmunder Politik lag mit der Unterstützung dieses Kulturfestivals goldrichtig. Inzwischen dächten sogar Städte wie Hagen, Gelsenkirchen und Duisburg darüber nach, sagte kürzlich Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann, das Konzept zu übernehmen und sich daran zu beteiligen.

„Djelem Djelem“ („Ich gehe“; Youtube via Boris Popovic) ist die Hymne der Roma allerorten.

Zum Festival:

Begeisterte zum Abschluss des 2. Roma-Kulturfestival in Dortmund: Esma Redzepova, die Köinigin der Roma-Musik; Foto: Claus Stille

Begeisterte zum Abschluss des 2. Roma-Kulturfestival in Dortmund: Esma Redzepova, die Köinigin der Roma-Musik; Foto: Claus Stille

Über den Ablauf und die Veranstaltungen des Roma-Kulturfestivals „Djelem Djelem“ schreibt mein Kollege Joachim vom Brocke von Nordstadtblogger.de, dessen Beitrag ich meinen Leserinnen und Lesern gern empfehle:

Podiumsdiskussion im letzten Jahr mit einer jungen Leuten. Von links nach rechts: Moderatorin Perjan Wirges, Behara Jasharaj und Jasar Dzemailovski; Fotos: C.-D. Stille

Podiumsdiskussion im letzten Jahr mit einer jungen Leuten. Von links nach rechts: Moderatorin Perjan Wirges, Behara Jasharaj und Jasar Dzemailovski; Fotos: C.-D. Stille

„Mit ganz viel Musik, aber auch mit Lesung, Diskussion, Filmabenden, einer Schauspielaufführung und etlichen Partys gibt es vom 28. August bis 11. September die dritte Auflage von „Djelem Djelem“, dem Roma-Kulturfestival in Dortmund. Zentrum des Veranstaltungsreigens ist die Nordstadt als Stadtteil, der am stärksten von Zuwanderung und kultureller Vielfalt geprägt ist.

Schon vor dem offiziellen Beginn am 2. September wird ins Programm gestartet. Im domicil an der Hansastraße ist am Sonntag, 28. August, 19 Uhr, die Balkan-Brass-Band ‚Fanfare Ciocârlia‚ zu Gast, die ‚wohl bekannteste Band aus Rumänien‘, wie Berthold Meyer“ (Theater im Depot Dortmund) versicherte“. (Links: Claus Stille)

„Nach fast 20 Jahren sind die zwölf Musiker wieder in Dortmund zu erleben, die bereits – damals noch unbekannt – das Microfestival bereicherten. Karten für 25 Euro, ermäßigt 12,50, gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.“

Zu den vorangegangen zwei Roma-Kulturfestivals „Djelem Dejlem“ lesen Sie, so Sie mögen, meine Beiträge hier und hier.

Sonntag 16 Uhr in Dortmund: „Eure Kriege führen wir nicht – Kein Bundeswehreinsatz in Syrien!“

Gesehen bei der Friedenstournee 2015 in Dortmund; Foto: Claus-Dieter Stille

Gesehen bei der Friedenstournee 2015 in Dortmund; Foto: Claus-Dieter Stille

Insgesamt 445 Mitglieder des Deutschen Bundestages haben bekanntlich am 4. Dezember 2015 für den Bundeswehr-Einsatz in Syrien gestimmt (siehe Abstimmungsverhalten via abgeordnetenwatch.de). Viele Menschen hierzulande wollen das nicht einfach so hinnehmen und zur Tagesordnung übergehen. Gegen die Ja-Stimmer im Bundestag (Regierungsmitglieder eingeschlossen) könnte ihr Abstimmungsverhalten ein juristisches Nachspiel zur Folge haben. Die Autoren Volker Bräutigam, Andreas Hauß und Uli Gellermann haben beim Generalbundesanwalt Anzeige wegen grundgesetzwidriger Vorbereitung eines Angriffkrieges gegen Syrien unter Bruch des Völkerrechts erstattet. Des Weiteren gibt es einen kritische Stellungnahme der evangelischen Landeskirche Baden („Frieden kann nicht mit Waffen gewonnen werden“) sowie einen Aufruf an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Andere Bürger haben Strafanzeige gegen Angela Merkel, Ursula von der Leyen und allen Abgeordneten, die mit JA zum Syrieneinsatz abgestimmt haben bei der Polizei (siehe auch das Video unter dem Beitrag) eingereicht (dazu ein Video von Lukas Puchalski via Facebook).

Sonntag Demo in Dortmund

Der Protest gegen diesen Kriegseinsatz wird aber auch auf die Straße getragen.

Für den morgigen Sonntag ist in Dortmund für 16 Uhr unter dem Motto „Eure Kriege führen wir nicht – Kein Bundeswehreinsatz in Syrien!“ zu einer Demonstration an der Katharinentreppe (gegenüber dem Hauptbahnhof) aufgerufen worden. Das geht aus einer Pressemeldung von Attac Dortmund hervor. Unterstützt wird der Aufruf durch SDAJ, Linksjugend Solid, DIDF-Jugend, SAV Ruhrgebiet, Attac, DKP, DIDF, Dortmunder Friedensforum, und das Bündnis Dortmund gegen Rechts.

Der Aufruf (Wortlaut):

Aufruf zur morgigen Demo in Dortmund; via Attac Dortmund

Aufruf zur morgigen Demo in Dortmund; via Attac Dortmund

„Es ist beschlossen: Deutschland zieht in den nächsten Krieg! 1.200 deutsche Soldaten, eine Fregatte und mehrere Tornados werden nach Syrien entsandt. Auch dieser Krieg wird Jahre dauern. Auch dieser Krieg wird weitere Hundertausende Opfer fordern. 

Glaubt man der Regierung und den Medien, geht es bei dem Kriegseinsatz in Syrien um Solidarität mit Frankreich nach den Anschlägen von Paris und um die Bekämpfung des islamistischen Terrors. Ein Einsatz gegen den Terror also zu unserem Schutze?

Im Gegenteil: die jahrzehntelange Einmischung im Nahen Osten hat Versuche der politischen Selbstbestimmung auf der arabischen Halbinsel brutal verhindert und völlig kaputte Staaten hinterlassen. Diese sind Nährboden für den Vormarsch von Terrormilizen wie dem IS, der weiterhin aktiv von westlichen Staaten gefördert wird. Durch diese Politik haben die Regierenden auch uns zur Zielscheibe von Terroranschlägen gemacht.

Beim jetzigen Bundeswehreinsatz geht es darum, wieder in der Liga der imperialistischen Staaten mitzumachen und „Verantwortung zu übernehmen“. Er stellt eine Eskalation des Krieges in Nahost dar und bedeutet eine Verschärfung des Konflikts mit dem imperialistischen Russland. Und natürlich geht es am Ende um Rohstoffe, Ressourcen und Einflusssphären. 

Um unseren Schutz geht es hier nicht. In der Konsequenz zwingt dieser Kriegseinsatz Menschen zur Flucht nach Europa. Er bringt Tod, Verelendung, Perspektivlosigkeit, Verrohung, erstarkenden Fundamentalismus und Terror dort; und Angst, Bedrohung, Rassismus und Hetze hier.

Deshalb sagen wir: Kein Kriegseinsatz in unserem Namen! Keine Soldaten nach Syrien! 

Mach, was wirklich zählt, und demonstriere mit uns gegen den Kriegseinsatz in Syrien!“

Flüchtlinge – Anna Loos: „Helft und gebt! Nehmt die Politiker in die Pflicht“

Wann ist das Ende der Fahnenstange erreicht? Das Mittelmeer ist längst ein Massengrab. Für Menschen – ja: Menschen! – die vor Krieg, Elend und Aussichtslosigkeit aus ihren Heimatländern fliehen. Um ihr pures Leben und das ihrer Kinder zu retten. Fluchtursachen sind Kriege der USA, Großbritanniens und Frankreichs, im Afghanistan, Irak und Libyen und Dikatoren wie Syriens Assad und die Schlächter des sogenannten Islamischen Staates – welchen die USA sehenden Auges haben entstehen lassen, um ihn gegen Assad als blutiges Werkzeug zu benutzen. Zurück blieben kaputte Staatswesen und zerstörte Lebens- und Arbeitswelten der in diesen davon betroffenen Ländern lebenden Menschen.

Täter und Festung Europa

Aber auch „Friedensnobelpreisträger“ Europäische Union ist kein Unschuldslamm. Hehre Werte hin oder her. Welche haben noch Geltung? Die EU nimmt mit ihren Fangflotten den afrikanischen Fischern die Lebengrundlage und sorgt mit eigenen in afrikanische Staaten exportierte Waren (etwa Tomaten und Hähnchenteile) dafür, dass die heimischen Farmer mit den niedrigeren (!) Preisen der Europäer nicht mehr konkurieren können. Die Folge: auch sie verlieren ihre Existenzgrundlage. In ihrer Not wagen sie die gefährliche Überfahrt übers Mittelmeer nach Europa, um dort Arbeit zu suchen. Konnten sie früher noch per Flugzeug oder auf dem Landweg nach Europa gelangen, so ist das längst nicht mehr möglich. Dieselbe EU, die dazu beiträgt, dass ihre heimische Existenz zerstört wurde, hat sich gegen sie abgeschottet. Stichwort. Festung Europa. So vertrauen sich die Menschen Schleppern und klapprigen Booten an. Wenn sie Pech haben, ertrinken sie im nassen Grab Mittelmeer. Oder sie ersticken elendig in einem Transporter auf einer österreichischen Autobahn. Wie diese Woche geschehen. 71 Menschen – vermutlich Flüchtlinge aus Syrien – fanden so einen grausamen Tod im Laderaum eines Lastkraftwagens.

Statt die Schlepper Fluchtursachen bekämpfen!

Und nun schreien verantwortliche EU-Politiker Zeter und Mordio. Und betoffen sind sie. Klar! Dabei tragen auch sie Verantwortung für den Tod der Menschen. Die Schleuser seien die Bösen und schuldig, tönen sie unisono. Die müssten bekämpft werden. Warum nicht endlich die Fluchtursachen?!

Der Blogger Emran Feroz über die „todbringende europäische Flüchtlingspolitik“

Der Blogger Emran Feroz hat als Schuldige am „Flüchtlingsmassaker in Österreich“ nicht in erster Linie die Schlepper ausgemacht. Auf seinem Facebook-Account hat er aufgeschrieben, „warum nicht Schleuser die Hauptverantwortlichen für das Flüchtlingsmassaker in Österreich sind.“ Feroz zitiert aus seinem Artikel im „neuen deutschland“:

„In Österreich wurden zahlreiche Flüchtlinge tot in einem Lastwagen aufgefunden. Sie sind erstickt. Die Hauptschuld am Massaker tragen nicht Schleuser, sondern der fremdenfeindliche Status Quo in der Alpenrepublik sowie eine todbringende europäische Flüchtlingspolitik.“

Fremdenfeindlichkeit (neben zugegeben in Österreich wie in Deutschland auch vorhandener großer Hilfsbereitschaft den Flüchtlingen gegenüber) rülpst auch aus bundesdeutschen Menschenmündern. Und zwar aus jenen von als „besorgte Bürger“ oder „Asylkritiker“ bezeichnete Einwohner des sächsischen Ortes Heidenau, welche SPD-Chef Gabriel bei seinem kürzlichen Besusch dort als „Pack“ zu bezeichnen pflegte.

Aber auch übliche Verdächtige unter den Politikern, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann können ihr rechtspopulistisch gefärbtes Wasser zuweilen nicht halten. Als Sascha Lobo in der Illner-Talkshow kürzlich den Journalisten Mario Sixtus und dessen Tweet „Im Übrigen sollten wir nicht mehr von Flüchtlingen sprechen, sondern von Vertriebenen. Das bringt die Konservativen völlig durcheinander.“ zitierte, kam der stramme CSUler Joachim Herrmann tatsächlich in Wallung. Sind doch die Vertriebene eine nicht zu unterschätzende CSU-Wählergruppe mit viel Einfluss. Herrmann sprach süffisant von einer „Beleidigung der Vertriebenen“. Lobo warf dem bayrischen Innenminister daraufhin Rassismus vor.

Das Ende der Fahnenstange ist längst erreicht!

Um auf den Anfang zurückzukommen: Das Ende der Fahnenstange ist längst erreicht! Wenn es der Fall der erstickten Flüchtlinge in LKW nicht ist, was dann?

Mit Stephané Hessel muss es jetzt nicht nur „Empört euch!“ heißen, sondern mit Rainer Kahni auch „Wehrt euch!“ Nicht zuletzt müssen wir dem Ruf „Solidarisiert euch!“ von Andreas Ehrholdt folgen. Wenngleich alle drei Schriften nicht explizit die Flüchtlingsproblematik zum Inhalt haben, beschäftigen sie sich immerhin mit gesellschaftlichen Missständen, die auch Flüchtlingselend und Armut bewirken.

Wir müssen uns dringend um ein anderes geistiges Klima in der Gesellschaft bemühen. Was auch hieße, den Flüchtlingen gegenüber anders zu begegnen. Schließlich können wir alle zu Flüchtlingen werden. Auch ich war 1989 einer. Und der damaligen ungarischen Regierung dankbar, dass sie den Stacheldraht zerschnitt und uns DDR-Flüchtlinge die Grenze zu Österreich passieren ließ. Um so finsterer, dass die nunmehrige Regierung unter dem Rechtspopulisten Viktor Orban wieder Stacheldraht an der Grenze auslegt, um die Flüchtlinge abzuwehren!

Gestern stieß auf einen klugen und von Herzen kommenden Willkommensruf der Schauspielerin und Sängerin der Gruppe Silly, Anna Loos an die Adresse der Flüchtlinge. Mit Genehmigung der Autorin veröffentliche ich ihn hier und lege den Text meinen Leserinnen und Lesern wärmstens ans Herz:

Refugees Welcome! (von Anna Loos via Facebook)

Vor vielen Jahren bin ich als junges Mädchen über die Tschechoslowakei nach Ungarn geflohen, von dort aus ging es weiter über Österreich nach Deutschland.

Ich kam aus keinem Kriegsgebiet und musste keinen Hunger leiden. Ich bin aus einer Diktatur geflohen die für mich unerträglich war und in der ich für mein Leben keine Zukunft sah.

Ich habe meine Familie, meine Freunde und meine Heimat verlassen um mein Leben in einem freien und friedlichen Land in die Hand zu nehmen und daraus grenzenlos, ohne Einschränkung und Reglementierung, das zu machen wovon ich als Kind träumte.
In der kleinen, neuen, fremden Welt, in der ich ankam, galt ich als „Deutsche“. Ich beherrschte die Sprache, bekam Hilfe und die Chance mir mein Leben aufzubauen. Wie viel schwieriger muss es für all die Menschen sein welche, traumatisiert von den Erlebnissen in ihrer Heimat, in Länder flüchten in denen sie erst einmal die Sprache lernen müssen. Am Ende müssen sie erleben wie sie Gruppen gegenüberstehen, die Ihnen voller Hass Parolen entgegen brüllen, die sie nicht willkommen heißen.

Meine Eltern stammen beide aus Familien die auf der Flucht waren. Meine Mutter aus Polen und mein Vater aus Ostpreußen. Für meine Großeltern und Ihre Familie war die Zeit der Flucht und des Wiederaufbaus, der Leben Ihrer Familien fern der Heimat, eine unendlich schwere Zeit. Auch sie waren nicht immer willkommen, wurden angefeindet und teilweise an den Rand der Gesellschaft gedrückt. Nie habe ich meine Großeltern jammern gehört. Sie haben Ihr ganzes Leben hart gearbeitet, sich integriert und Werte geschaffen. Sie haben Bildung und Moral gepflegt und die nächste Generation mit all Ihrer Kraft genährt.

Wenn Menschen Hilfe brauchen, dann ist der Stärkere nicht nur in der Lage, sondern auch verpflichtet diesen Menschen zu helfen.

Einige der Ursachen, weshalb Menschen heute auf der Flucht sind, haben auch wir mit zu verantworten. Ich fordere die Politiker Europas auf, dass Sie sich neben der aktuellen Flüchtlingsproblematik auch darum kümmern, dass die Ursachen, welche zu den katastrophalen Zuständen in den Ursprungsländern führen, bekämpft werden.

Diese globale Welt wird immer kleiner und wir können es nur gemeinsam schaffen.

Denkt nach und benutzt, das was uns vom Tier unterscheidet und hört auf mit der Entmenschlichung in alle Richtungen.

Überwindet Eure Ängste. Schaut nicht auf anonyme Zahlen sondern schaut Euch die Menschen, welche in unser Land kommen, an und begegnet Ihnen. Eure neuen Kindergärtner, Krankenpfleger, Lehrer, Ärzte, Reinigungskräfte, Maurer, Taxifahrer, Gärtner oder Wissenschaftler.
Helft und gebt! Nehmt die Politiker in die Pflicht.

Dann werden alle gewinnen.

Landesparteitag DIE LINKE NRW: Sahra Wagenknecht umriss die Positionen ihrer Partei – Landessprecher Ralf Michalowsksy voll des Lobes; dann ein Abendmahl beim Griechen

Sahra Wagenknecht (hier bei einer früheren Wahlkampfveranstaltung in Essen) umriss heute beim Landesparteitag der Partei DIE LINKE die Positionen ihrer Partei; Foto: Claus Stimme

Sahra Wagenknecht (Bildmitte; hier bei einer früheren Wahlkampfveranstaltung in Essen) umriss heute beim Landesparteitag der Partei DIE LINKE in Dortmund die Positionen ihrer Partei; Foto: Claus Stimme

Am Sonnabend fand in Dortmund der Landesparteitag der Partei DIE LINKE statt. Prominenteste  Rednerin dort dürfte die Erste Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Sahra Wagenknecht, gewesen sein. In einer engagiert vorgetragenen Ansprache an die Landesparteitagsdelegierten umriss Wagenknecht einmal mehr die Positionen ihrer Partei. Sie vergaß dabei nicht rote Linien aufzuzeigen, die die LINKE ihrer Meinung nach keinesfalls und zu keinem Preis überschreiten dürfe. Wobei sie  gleichzeitig auch etwaigen Überlegungen in Teilen ihrer Partei, die vielleicht mit einer Regierungsbeteiligung im Bund 2017 oder später liebäugeln, Schranken setzte. Aber hören Sie sich die Rede selbst an. Quelle: DIE LINKE NRW (Die ersten Minuten der Rede fehlen leider.)

Landessprecher Ralf Michalowsky zeigte sich via Facebook volllauf zufrieden mit dem Parteitag:

Superguter Landesparteitag DIE LINKE. NRW heute in Dortmund. Geschlossener Landesverband. Einvernehmen in allen Sachfragen. Kein Streit um des Kaisers Bart. Ich liebe diese Partei. So kann es gern weitergehen. Hab mir gerade vor Freude ein Abendmahl beim Griechen gegönnt. Das muss drin sein

Denkfunk vs. Mainstream-Medien

 

Zu einem für viele inzwischen unentbehrlichem Gegengewicht – im Sinne der vierten Gewalt – zu den Mainstream-Medien und die von denen betriebene „Meinungsmache“ (Albrecht Müller, Herausgeber der NachDenkSeiten) sind die NachDenkSeiten geworden. Ein Wermutstropfen: Auch die NachDenkSeiten können qua ihrer Mittel und Möglichkeiten nur ein David sein, der gegen die Medien-Goliaths anrennt. Mehr davon täte also mit Sicherheit und der Demokratie zuliebe Not. Und NachDenken, respektive Denken überhaupt kann nie schaden. Nur so ist gegen Desinformation und Meinungsmache (etwas) Boden zu gewinnen.

Denkfunk als neue Informationsquelle

Dass seit Dezember 2014 nun neben den NachDenkSeiten auch der denkfunk als eine neue Informationsquelle und Austauschplattform auf den Plan getreten ist, ist nur begrüßen. Warum, dass schreiben die Macher des denkfunk auf ihrer Seite:

„In Zeiten, in denen Print und Fernsehen weniger Vertrauen genießen, auch weil sie an Qualität und Seriosität nachgelassen haben, suchen viele Menschen Alternativen im Netz. Mit dem denkfunk möchten wir eine solche bieten und produzieren Videos, die Anstoß für einen intensiven, inhaltlichen und meinungsbildenden Austausch geben.

Wir sind Personen aus Wissenschaft, Journalismus, Kunst und Kultur und möchten hier unsere Ansichten zu aktuellen gesellschaftlichen Themen mit Euch teilen.

Sobald ein Video online ist, können die Clubmitglieder – und nur diese – das Video kommentieren und mit dem SBI bewerten. Mit der Maßeinheit SBI (Social-Benefit-Index) sagst Du aus, wie sehr ein Video Dich inspiriert, informiert und unterhalten hat.

Wir glauben, zu jeder Haltung gehört eine Person. Deswegen soll sich jedes Mitglied mit Klarnamen anmelden, damit der Leser weiß, dass reale Menschen und keine Fake-Accounts hinter den Aussagen stehen und diese auch in der Offline-Welt so vertreten würden.

Als Clubmitglied gibt es auch ein Begrüßungsgeschenk für Dich. Aus über 75 verschiedenen Willkommensgeschenken kannst du Deinen persönlichen Favoriten auswählen. So warten z.B. CDs von Max Uthoff oder von Christoph Sieber auf Dich. Wer lieber eine DVD, etwa Claus von Wagners „Theorie der feinen Menschen“ möchte, meldet sich als Silbermitglied an.

Zusätzlich wirst Du zu unseren Veranstaltungen eingeladen, die einzig und allein für Clubmitglieder ausgerichtet werden. So wird zum Beispiel am 28.11.2015 in Nürnberg das denkfunk.Festival stattfinden. Mit Max Uthoff, Claus von Wagner, Christoph Sieber, Tobias Mann und dem Duo Zweiraumwohnung als musikalische Begleitung erwartet Dich dort ein Tag voller Kabarett und Austausch untereinander.“

Freude und Kritik

Die beinahe täglich gegenüber den immer schlechter werden deutschen Medien hart zubeißende „Propagandaschau“ begrüßt den „denkfunk“ freudig als „Primärwaffe im Kampf gegen den gleichgeschalteten Meinungsbrei der Hofberichterstatter in den Mainstreammedien“ Und lobt „gelungene Beiträge von Chin Meyer oder “Spiegelfechter” Jörg Wellbrock“ sowie „ernsthafte und informative Beiträge (…) im Portefeuille der neuen Plattform, wie etwa ein Beitrag von Dirk Müller über den Stopp der South-Stream-Pipeline durch Russland“. Kritik indes übt die „Propagandaschau“ an der Klarnamenpflicht betreffs der Denkfunk-Club-Mitgliedschaft.

Persönlich finde ich die Klarnamenpflicht aber richtig.

Kindermund tut Wahrheit kund

NachDenken ist unbedingt von Nöten. Und Denken überhaupt wäre eine tolle Funktion, die uns uns das menschliche Gehirn zur Verfügung als eine von vielen Möglichkeiten zur Verfügung stellt. Warum also zu den NachDenkSeiten nicht noch einen „Denkfunk“?! Mehr davon! Aber man bedenke: „Das Gehirn ist ein sehr empfindliches Organ“ und wird außerdem „für Kopfschmerz gebraucht“ (Kindermund tut via Facebook Wahrheit kund)