Dortmunder Jazzclub „domicil“ bekommt Ausstellung im MKK zum 50. Geburtstag

Von links Günter Maiß (domicil e.V.), MKK-Direktor Dr. Jens Stöcker, domicil-Geschäftsführer Waldo Riedl, Prof. Oliver Langbein (FH Dortmund), Ausstellungsmacher Cornelius Uerlichs und Udo Wagener (Vorstand domicil e.V.) vor der Kassettenwand. (Fotos: C. Stille)

Der Dortmunder Jazzclub domicil ist heute die erste Adresse für Jazz in der Region. Dessen Ursprünge liegen in einem Keller-Club. In diesem Jahr feiert das domicil in der Hansastraße seinen 50. Geburtstag. Das Museum- für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) widmet dem benachbarten Jazz-Club zum Jubiläum eigens eine Ausstellung. Das MKK präsentiert diese Exposition vom 5. September bis 27. Oktober 2019. Damit wird die Arbeit des international renommierten und von Musikern aus aller Welt geschätzten Jazzclubs. Der Eintritt ist frei.

Aus einem Keller wurde ein Jazzclub und für viele aus einem Traum Realität

Im Mittelpunkt steht der Jazzclub selbst: Ende 1968 wurde das domicil als gemeinnütziger Verein von Jazzmusikern und Enthusiasten dieses Genres gegründet und Anfang 1969 ins Vereinsregister eingetragen. Bereits am 14. März 1969 fand im Keller der Kindertagesstätte in der Leopoldstraße das erste Konzert statt. In bemerkenswert kurzer Zeit war es einer Handvoll ehrenamtlicher Aktiver mit wenig Geld, dafür aber mit unbändigen Willen und großen Anstrengungen gelungen aus einem Keller einen Jazzclub zu machen: das domicil. Damit bekam Dortmund erstmals eine feste Spielstätte für Jazzmusik. Für viele Jazzliebhaber war aus einem Traum Realität geworden.

Geschichte des Jazz in Dortmund

Bereits in den sogenannten Goldenen Zwanzigern (gemeint war etwa der Zeitabschnitt von 1924 bis 1929) war Dortmund nicht nur die Stadt der Montanindustrie, sondern auch eine Metropole des Jazz. In zahlreichen Lokalitäten vor allem des heutigen Brückstraßenviertels gehörte Jazz zum festen Bestandteil des Musikprogramms. Auch im Vergnügungspark Fredenbaum waren regelmäßig Jazzkonzerte – zu denen die Gäste auch tanzten – angesagt.

Die Nazis verboten den Jazz offiziell. Mit der Begründung Jazzmusik sei „entartet“. Jazzliebhaber fanden jedoch immer wieder Gelegenheit, ihre Musik trotz des Verbots zu hören.

Nur wenige Jahre brauchte es nach dem Ende des 2. Weltkrieges und Jazz wurde wieder salonfähig. Es war vor allem der 1949 gegründete Hot-Club Dortmund, der das Jazz-Leben der Stadt prägte. Er lockte viele nationale und internationale Stars nach Dortmund.

Dessen Schließung im Mai 1962 bedeutete eine Zäsur für den Jazz in Dortmund, keineswegs aber sein Ende. Doch der Wunsch nach einer festen Spielstätte wurde immer lauter.

Der domicil-Verein wurde 1968 gegründet und sein erster Vorsitzender Glen Buschmann

Es waren hauptsächlich der Journalist Werner Panke und der Lehrer Albert Schimanski, die die Interessen der Jazzmusiker und der Fans dieser Musikrichtung kanalisierten. Diese Bemühungen führten 1968 zur Gründung des domicil-Vereins. Erster Vorsitzender war Glen Buschmann, damals Dozent und später Leiter der Musikschule Dortmund.

Großformatiger Zeitstrahl visualisiert in der Ausstellung Anfänge und Entwicklung des domicil

In der am 5. September öffnenden Ausstellung im MKK wird ein großformatiger Zeitstrahl die Anfänge des domicils vom Kellerclub und dessen Entwicklung zu einer Spielstätte visualisieren, die heute über die Jazzmusik hinausgeht und in den vergangenen Jahren stets zu den Top-100-Jazzclubs weltweit gekürt wurde.

Dabei wird die Entwicklung des domicil mit lokalen, nationalen und internationalen Ereignissen verbunden.

Vom Pressegesprächs zur Ausstellung im MKK

Während eines Pressegesprächs am vergangenen Dienstag informierten die Organisatoren über die Ausstellung, die sich zu der Zeit im Studio des MKK noch im Aufbau befand, aber schon einmal in Augenschein genommen werden durfte. Der Kurator der Ausstellung, Prof. Oliver Langbein, gab sich erfreut, dass sie zustande gekommen ist. Ohnehin seien das domicil und das MKK Anlieger der selben Straße und fast unmittelbare Nachbarn, „die eigentlich schon immer freundschaftlich umeinander rumgeschlichen sind“.

Sehr praktisch hat Langbein die Zusammenarbeit mit den Studenten an diesem Projekt empfunden. Denn hier sei nicht nur einfach etwas entworfen worden: „Man kann viel entwerfen, wenn man das dann aber selber machen muss, hat das einen Lerneffekt.“ Hier wird eben auch angewendet. Und man sehe, ob funktioniere, was man sich ausgedacht habe. Hinzugenommen zum Projekt hat Prof. Langbein mit Bedacht Cornelius Uerlichs, seinen ehemaligen Studenten und Mitarbeiter, der ein guter Designer und der Musik verbunden sei.

Im Mittelpunkt der Ausstellung befindet sich eine kleine Bühne

Das große Schlagzeug und andere Instrumenten werden auf der Bühne platziert. Auf der Bühne kann auch etwas stattfinden. Um sie herum sind alle

Registrierkasse: Zu den Ausstellungsobjekten gehört die ehemalige Registrierkasse des domicils, die anfangs während der Konzerte lautstark klingelte. Von rechts: MKK-Direktor Dr. Jens Stöcker, Prof. Oliver Langbein (FH Dortmund), domicil-Geschäftsführer Waldo Riedl, Udo Wagener, Michael Kalthoff-Mahnke und Günter Maiß (domicil e.V.) und Ausstellungsmacher Cornelius Uerlichs.

für eine Show nötigen Dinge verteilt. Geöffnete die Cases stehen herum. In denen sich Technikequipment befunden haben können. Damit man sieht, was passiert hinter der Bühne, was passiert nebenher und vorher; ein paar Meter weiter im Ausstellungsraum: wie das Booking gehandhabt wurde, wie überhaupt Musiker engagiert wurden. Der ganze Kosmos dieses Musikgeschäftes, die Atmosphäre soll für die Museumsbesucher erfahrbar gemacht werden. Übrigens, war zu erfahren, dass das domicil bei vielen KünstlerInnen sehr beliebt ist. So kam es durchaus schon vor, dass KünstlerInnen dem domicil betreffs der Gage entgegenkamen, weil ihnen der Club so sympathisch ist. Bemerkenswert auch die Kassettenwand in der Ausstellung. Da sieht man Musikkassetten mit Demobändern, welche MusikerInnen ans domicil geschickt haben und womit sie sich um einen Auftritt dort bewarben. Nicht weniger interessant eine aus Flightcases gebaute Bar davor.

Denn eigentlich, gab domicil-Geschäftsführer Udo Wagener zu bedenken, ist ja das eigentliche Konzert letztlich der kleinste Teil ist. Musik auswählen, der Soundcheck, der Auf- und Abbau – all das dauere ja oft länger als das ganze Konzert. Wobei freilich das Konzert der eigentliche Höhepunkt ist. All das andere bekommen ja das Publikum zur Show gar nicht mit.

In 50 Jahren domicil haben sich 6700 Dokumente angesammelt

Als das domicil gegründet wurde, erzählte Vereinsvorsitzender Udo Wagener sei zwar nicht dabei, aber bereits in dem Alter gewesen, wo er sich für Musik interessiert habe.

Für die Ausstellung infrage kommende Dokumente habe man zuhauf in einem Archiv in der Güntherstraße finden können. Die mussten gesichtet und teilweise digitalisiert werden. 6700 Dokumente haben sich in 50 Jahren domicil angesammelt.

In mühevoller Kleinarbeit hätten viele Vereinsmitglieder die Materialien durchgesehen. Alles wurde geordnet und der Fachhochschule zur Verfügung gestellt, um aus den vorliegenden Materialien ein Konzept zu entwickeln, wie all das in der Ausstellung am Besten zu Präsentieren sei.

Das Ehrenamt hat eine hohe Bedeutung für das domicil

Günter Maiß (domicil e.V.) hob hervor, welch hohe Bedeutung das Ehrenamt für das domicil habe. In der Ausstellung würden die Locations des Jazzclubs und auch die vielen Flyer und die Designs ein Thema sein. Und Stühle aus drei Generationen werden auch zu sehen sein. Der hier schon erwähnte große Zeitstrahl soll auch einen Bezug zur Musikgeschichte herstellen. Mit Verweisen auf das neue FZW und das Konzerthaus. Damit werde verdeutlicht, „nicht nur das domicil hat sich verändert, sondern auch Musikstadt Dortmund hat andere Formen angenommen“, sagte Günter Maiß. Maiß erinnerte daran, dass der kleine Kellerclub Anfang der 1970er Jahre – „mit vielen Stunden von Ehrenamtlichen geschmissen wurde“- mit unglaublich vielen Veranstaltungen, „was heute wohl gar nicht mehr gestemmt werden könnte“. Im Jahre 1975 sei der Kellerclub quasi eingebrochen. „Die Power war zu Ende. Der Verein war fast bankrott.“ Mittlerweile habe sich das Musikgeschäft des domicil ziemlich professionalisiert. Ehrenamtliche arbeiteten zu. Der in der Ausstellung gezeigte Schreibtisch sei der, wo früher in Zeiten ohne Google das Booking stattgefunden habe mit Karteikästen, die die Kontaktdaten von Künstlern enthielten.

Eintauchen in die Welt des domicil

Einschneidende Ereignisse in der Geschichte des domicils waren die Aufnahme des Clubs in die institutionelle Förderung der Stadt Dortmund 1998 und der Umzug 2005 in ein ehemaliges Kino mitten in der City. Die finanzielle Unterstützung durch die Stadt bot erstmals eine wirtschaftliche Planungsgröße. Mit dem Umzug beendete das domicil sein „Kellerdasein“ und verschaffte sich neue räumliche und technische Möglichkeiten. Eindrucksvoll ist die zur zeitlichen Entwicklung laufende Aufzählung hunderter Musikerinnen und Musiker, die sich im domicil das Mikro in die Hand gaben. In Bildern und teils bislang unveröffentlichten Tondokumenten (Konzertmitschnitten, Interviews) erleben die Ausstellungsbesucher ein Stück Club- und Jazzgeschichte: Zu hören sind Chet Baker, Archie Shepp, Jimmy Giuffre, Arturo Sandoval, Joe Pass, Albert Mangelsdorff, Enrico Rava, Django Edwards, Elvin Jones, Bill Frisell, Joe Zawinul, David Murray, Robert Glasper, Kamasi Washington, Rolf & Joachim Kühn, Lizz Wright, Betty Carter, Pharoah Sanders, Vienna Art Orchestra, Hermeto Pasocal, Bill Evans, Airto, Udo Lindenberg, Allan Holdsworth, Götz Alzmann, Heinz Sauer und viele andere.

Die Ausstellung verdeutlicht, was auf der Bühne unsichtbar bleibt: Das domicil war und ist ein Verein, der getragen wird vom bürgerschaftlichen Engagement seiner ehrenamtlich tätigen Mitglieder. Zwar wurde für den Veranstaltungsbetrieb und den gastronomischen Bereich eine gemeinnützige GmbH geschaffen, das Ehrenamt bleibt aber eine tragende Säule des Clubs und prägt das bunte Vereinsleben der „domicil-Familie“. Ob der Umbau

Presseartikel aus den vergangenen 50 Jahren.

des Kellers an der Leopoldstraße, der Umzug in die City oder der Alltagsbetrieb im Club: Ohne Tausende Ehrenamtsstunden, ohne den Willen und die Tatkraft seiner Mitglieder wäre das domicil in seiner bekannten Form undenkbar. Dieser Aspekt wird durch Interviews mit Ehrenamtlichen gewürdigt.

Die Ausstellungsgestaltung nimmt Bezug auf das Kerngeschäft des domicils: die Konzerte und Veranstaltungen. So dienen eine Bühne sowie Flightcases (Transportkisten für Musikerequipment) als Gestaltungselemente. Abgerundet wird die Ausstellung durch einige Hör- und Videostationen mit Musikerportraits und Konzertmitschnitten. Ehrenamtler geben Auskunft über ihre Motivation und ihren Bezug zu dieser in NRW einmaligen Kulturinstitution.

Zwei Jahre Vorbereitung

Im Oktober 2017 trafen sich Vereinsmitglieder, um über Aktivitäten im Geburtstagsjahr 2019 zu beraten. Ein illustratives Buch zur Geschichte des domicils ist bereits im März dieses Jahres erschienen (bei Klartext, Preis 24,90 EUR). Seit Frühsommer tourt ein zur mobilen Jazzbühne umgebauter Sprinter der Fachhochschule Dortmund durch Dortmunder Stadtteile und Quartiere. Die Ausstellung ist ein weiterer Höhepunkt. Das Jubiläumsjahr

Günter Maiß am Schreibtisch für das Booking.

findet seinen krönenden Abschluss am 2. Weihnachtstag mit der traditionellen Jazzmatinee im Dortmunder Opernhaus.

Für die Ausstellung kooperieren die ehrenamtlichen Mitglieder des domicil e.V. mit Masterstudierenden im Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund unter der kuratorischen Leitung von Prof. Oliver Langbein und Cornelius Uerlichs. Die Texte in der Ausstellung stammen von Michael Kalthoff-Mahnke, Günter Maiß, Waldo Riedl. Die Fotos stammen von Kurt Rade, Oskar Neubauer, Mark Wohlrab, Werner Panke, Günter Maiß u.a.

Die Ausstellung „domicil – ein halbes Jahrhundert Forum Jazz und Creative Music in Dortmund“ wird am 5. September um 19 Uhr im Museum für Kunst und Kultur erröffnet

Die Ausstellung mit dem Titel „domicil – ein halbes Jahrhundert Forum Jazz und Creative Music in Dortmund“ wurde in Zusammenarbeit von Studierenden der Fachhochschule Dortmund/Fachbereich Design unter Leitung von Prof. Oliver Langbein und ehrenamtlichen Mitgliedern des domicil-Vereins entwickelt und realisiert. Die Ausstellung wird am 5. September 2019 um 19 Uhr im Museum für Kunst und Kultur Dortmund (MKK), Hansastraße 3, 44137 Dortmund, eröffnet.

Birgit Jörder, Bürgermeisterin der Stadt Dortmund, Udo Wagener, 1. Vorsitzender des domicil e. V., und Professor Oliver Langbein, FH Dortmund, werden die Gäste begrüßen. Im Anschluss daran können Sie sich bei einem Ausstellungsrundgang in die szenische Umsetzung des 50. domicil-Geburtstages eintauchen.

Die Ausstellung wird sorgfältig vorbereitet.

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Heiß, heißer, Fanfare Ciocârlia. Balkan-Brass-Band kündigte das 3. Roma-Kulturfestival DJELEM DEJLEM mit rasendem Tempo an

 

Fanfare Ciocârlia in Aktion; Fotos: C.-D. Stille

Fanfare Ciocârlia in Aktion; Fotos: C.-D. Stille

Offiziell beginnt das 3. Roma-Kulturfestival DJELEM DJELEM in Dortmund ja erst am 2. September.  Am gestrigen Sonntag allerdings fand das statt, was als eigentlicher  Startschuss des Festivals in Erinnerung bleiben wird: Der unvergessliche Gastaufritt der Balkan-Brass-Band „Fanfare Ciocârlia“ im Jazzclub domicil.

Leicht verspätet, dann aber dafür mit ein paar kräftigen Paukenschlägen begann das Konzert. Was dann folgte, war salopp ausgedrückt ein Gebläse vom Allerfeinsten. Die Hitze der vergangenen Tage hockte nicht nur noch draußen in der Stadt. Auch drinnen im domicil herrschten sommerliche Temperaturen. Die sich aber im Verlauf des Abends noch beträchtlich steigern sollten. Die Fanfare riss nämlich nahezu alle Zuhörer im unbestuhltem Saal mit. Und zwar von der ersten Sekunde an! Alt und jung, Kinder konnte nicht mehr still am Fleck bleiben. Die Musik der außergewöhnlichen Band geht ins Blut. Da kam selbst der ansonsten größte Tanzmuffel nicht umhin die Beine zu schwingen. Das war der Rythmus, der einen mitriss.  Die Körper der Besucher waren gleich wie ein Akkumulator von diesem aufgeladen. Erzeugt von den bis in die letzte Sehne mit gewaltig Puste hinein hoch  engagierten Musikern auf teuflisch-vibrierendender Bühne. Wer einmal eine Hochzeit auf dem Balkan erlebt hat, weiß: Die engagierten Musiker können das spielend über drei Tage hinweg durchhalten. Wenn Wikipedia schreibt,

In der Musikwelt gelten Fanfare Ciocărlia als Pioniere des Balkan Brass und der Balkan Beats. Mit ihrer Geschwindigkeit und Dynamik, ihrem Spielwitz und unverwechselbar osteuropäischem Sound haben sich Fanfare Ciocărlia seit dem Start ihrer internationalen Karriere im Jahr 1997 weltweite Anerkennung erspielt.

dann kann man jedes Wort davon unterschreiben. Für den Laien kaum vorstellbar, wie dieses rasante Tempo Brass-Band – noch dazu ohne schräge Töne – auf Dauer des Konzert bis hin zum Schluss und zuzuzüglich der Zugaben – durchzuhalten ist.

Und noch einmal aus dem Wikipedia-Eintrag:

Alle Mitglieder der Band sind Roma und die Formation gilt als eine der erfolgreichsten Roma-Ensembles Europas. Fanfare Ciocărlia sind bekannt für ihr schnelles und energetisches Spiel, komplexe Rhythmen und die temporeichen Soli von Klarinette, Saxophon und Trompete bei bis zu 200 beats per minute.

Fanfare Ciocărlias energiegeladene Live-Auftritte fallen dank ihres Esprits und Sinn für kontrolliertes Chaos aus dem üblichen Rahmen. Bei den Konzerten kommen zum Großteil alte und zerbeulte Blasinstrumente zum Einsatz. Partituren oder Notenblätter werden bei der ausschließlich mündlich tradierten Musik nicht verwendet. Die Band hat ihr traditionelles Repertoire um eigene Arrangements bekannter Evergreens erweitert (Born To Be Wild, James Bond Theme, Caravan, Summertime) und diesen Songs ihren eigenen Stempel aufgedrückt.

Seit ihrem internationalen Durchbruch hat Fanfare Ciocărlia mehr als 2.000 Konzerte in über 70 Ländern gespielt. 2016 feiert die Band ihren 20. Geburtstag mit einer Welttournee.

20160828_202909Die Fanfare hatte das Publikum von Anfang an in ihren Bann gezogen. Und die Akteure auf der Bühne genossen das sichtlich. Der Funke zum Publikum war zackig übergeschlagen. Und die Stimmung blieb durchweg fantastisch und ausgelassen. Die Musik erfasste einen. Der Alltag war für die Zeit des Konzertes ausgeblendet. Und das war gut so. An den heranrückenden Montagmorgen dachte wohl niemand. Es blieb völlig egal, ob man nun ein großer Tänzer ist oder nicht: Die vom Sound erzeugten Gefühle waren die 20160828_193929Hauptsache. Und die setzten sich in Bewegungsenergie um. Fast Derwischen gleich – wie in Trance versetzt – packte es manche Frauen. Sie flogen förmlich übers Parkett. Und Sandalen und Schuhe in die Ecke: Barfuss tanzte es sich besser. Doch auch die Herren der Schöpfung ließen sich nicht lumpen und legten eine flotte Sohle aufs Parkett. Natürlich waren diejenigen Gäste mit Balkan-Hintergrund klar im Vorteil: Ihnen steckt diese Musik gewissermaßen im Blut. Aber auch Biodeutsche hielten ordentlich mit. Dazu hat nicht zuletzt dieses Festival in den zwei vergangene Jahren beigetragen. Stocksteif sind viele von ihnen längst nicht mehr. Fremde Kulturen sind vielfach – manchem gar nicht bewußt – in unsere eingegangen und vermögen diese zu bereichern. Heiß, heiß, heiß ging es zur Sache.  Und auch Kulturdezernent Jörg Stüdemann ging in der Pause ordentlich erhitzt aus dem Saal, um Kühlung zu suchen. Nur wo an diesem doppelt heißen SonDer zweite Teil des Konzerts gestaltete sich nicht minder ausgelassen.

Gegen Ende der tollen Show hielt es einige Damen nicht mehr: sie sprangen energiegeladen auf die Bühne, umtanzten Musiker – diese mit ihren Instrumenten um die Frauen. Die Instrumentalisten fühlten sich regelrecht angefeuert! Und noch einmal steigerte sich das Tempo. Apropos Feuer: Feurig-balkanisch raste, tobte der Saal im domicil. Auf der Bühne wie Unten: Der Schweiß floss in Strömen.

Als die Ausnahmeband dann Born To Be Wild intonierte, gab es kein Halten mehr. Da sang der Saal aus voller Kehle mit. Teufelskerle sind das, die Jungs von „Fanfare Ciocârlia„! Brava! Kommt bald wieder. Dortmund, wo ihr nun zum zweiten Male gastiertet, war begeistert.  Es gibt eine Steigerung von heißer: Fanfare Ciocărlia.

Logo via Kulturfestival Djelem Djelem.

Logo via Kulturfestival Djelem Djelem.

Also nicht vergessen: Am 2. September beginnt  DJELEM DJELEM und hält jede Menge Höhepunkte bereit. Möge man zahlreich nach Dortmund strömen.

 

 

 

 

3. Roma-Kulturfestival „Djelem Djelem“ in Dortmund. Balkan-Brass-Band Fanfare Ciocârlia heizt schon am Sonntag ordentlich ein

Logo via Kulturfestival Djelem Djelem.

Logo via Kulturfestival Djelem Djelem.

Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Das nun bereits dritte Roma-Kulturfestival „Djelem Djelem“ steht in Dortmund sozusagen in den Startlöchern. Das Festival ist ein Glücksfall für Dortmund. So sehen es inzwischen viele Menschen in der Ruhrgebietsmetropole und darüber hinaus. In der Stadt leben inzwischen zirka 8000 Roma. Das Festival bringt nicht nur hier und da ordentlich Leben in die Bude, sondern trägt auch von Mal zu Mal mehr dazu bei, die Roma und deren Kultur kennenzulernen und sich allmählich von Vorurteilen (Norbert Mappes-Niediek hat darüber geschrieben; dazu mein älterer Beitrag im Freitag) gegenüber dieser größten ethnischen Minderheit in Europa (zwischen 10 und 15 Millionen sollen es sein) zu verabschieden.

Viele unterschiedliche Menschen haben die vorangegangenen Festivals nun schon zusammengebracht. Die Dortmunder Politik lag mit der Unterstützung dieses Kulturfestivals goldrichtig. Inzwischen dächten sogar Städte wie Hagen, Gelsenkirchen und Duisburg darüber nach, sagte kürzlich Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann, das Konzept zu übernehmen und sich daran zu beteiligen.

„Djelem Djelem“ („Ich gehe“; Youtube via Boris Popovic) ist die Hymne der Roma allerorten.

Zum Festival:

Begeisterte zum Abschluss des 2. Roma-Kulturfestival in Dortmund: Esma Redzepova, die Köinigin der Roma-Musik; Foto: Claus Stille

Begeisterte zum Abschluss des 2. Roma-Kulturfestival in Dortmund: Esma Redzepova, die Köinigin der Roma-Musik; Foto: Claus Stille

Über den Ablauf und die Veranstaltungen des Roma-Kulturfestivals „Djelem Djelem“ schreibt mein Kollege Joachim vom Brocke von Nordstadtblogger.de, dessen Beitrag ich meinen Leserinnen und Lesern gern empfehle:

Podiumsdiskussion im letzten Jahr mit einer jungen Leuten. Von links nach rechts: Moderatorin Perjan Wirges, Behara Jasharaj und Jasar Dzemailovski; Fotos: C.-D. Stille

Podiumsdiskussion im letzten Jahr mit einer jungen Leuten. Von links nach rechts: Moderatorin Perjan Wirges, Behara Jasharaj und Jasar Dzemailovski; Fotos: C.-D. Stille

„Mit ganz viel Musik, aber auch mit Lesung, Diskussion, Filmabenden, einer Schauspielaufführung und etlichen Partys gibt es vom 28. August bis 11. September die dritte Auflage von „Djelem Djelem“, dem Roma-Kulturfestival in Dortmund. Zentrum des Veranstaltungsreigens ist die Nordstadt als Stadtteil, der am stärksten von Zuwanderung und kultureller Vielfalt geprägt ist.

Schon vor dem offiziellen Beginn am 2. September wird ins Programm gestartet. Im domicil an der Hansastraße ist am Sonntag, 28. August, 19 Uhr, die Balkan-Brass-Band ‚Fanfare Ciocârlia‚ zu Gast, die ‚wohl bekannteste Band aus Rumänien‘, wie Berthold Meyer“ (Theater im Depot Dortmund) versicherte“. (Links: Claus Stille)

„Nach fast 20 Jahren sind die zwölf Musiker wieder in Dortmund zu erleben, die bereits – damals noch unbekannt – das Microfestival bereicherten. Karten für 25 Euro, ermäßigt 12,50, gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.“

Zu den vorangegangen zwei Roma-Kulturfestivals „Djelem Dejlem“ lesen Sie, so Sie mögen, meine Beiträge hier und hier.