Gedenken am Antikriegstag in Dortmund. Zeitzeuge Willi Hoffmeister im Interview war Höhepunkt der Veranstaltung

Georg Deventer (links) und Willi Hoffmeister (rechts) knicken dem Panzer das Geschützrohr ab Es erscheint die Aufschrift Peace. Fotos: Stille.

In diesem Jahr jährt sich der Überfall Nazideutschlands auf Polen zum 80. Mal. Der 1. September 1939 markiert den Beginn des verheerenden 2. Weltkriegs, der mindestens 55 Millionen Menschen den Tod brachte – allein 26 Millionen Tote davon hatte die Sowjetunion zu beklagen.

Der Antikriegstag, der 1. September, wird von den Gewerkschaften schon immer zum Anlass genommen, der Opfer aller Kriege und des Nationalsozialismus zu gedenken. Höhepunkt der traditionellen Gedenkveranstaltung am vergangenen Sonntag im Hof der Mahn- Gedenkstätte Steinwache in Dortmund war der Auftritt des Zeitzeugen und unermüdlichen Friedensaktivisten Willi Hoffmeister.

DGB-Vorsitzende Jutta Reiter: Krieg zerstört Lebensgrundlagen. Atomverbotsvertrag unterschreiben. Nein zum Zwei-Prozent-Ziel der NATO

Was Krieg bedeutet, verdeutlichte die Vorsitzende des DGB-Hellweg Jutta Reiter: „Er zerstört unser Zusammenleben, er zerstört unsere Lebensgrundlagen, unsere Werte und bedroht unsere Zivilisation immer wieder aufs Neue“. Das sei in der Vergangenheit so gewesen und gelte nach wie vor. Allein die vielen in unser Land gekommen Geflüchteten zeugten mit ihren Schicksalen dafür. Dies gelte gerade jenen ins Bewusstsein zu rufen, die als Autokraten, autoritäre Regime und letztlich als Feinde unserer Demokratie sowie all jenen, die Nationalismus als Lösung für komplizierte Probleme predigen. Und jenen, „die populistische Antworten auf gefühlte Wahrheiten von Menschen geben, die aber nicht immer der Faktenlage entsprechen. All jene, die ihr eigenes Süppchen auf der Verunsicherung vieler kochen, um damit Feindbilder, Ausgrenzung und Rassismus zwischen Menschen und Nationen anzuheizen“.

DGB-Chefin Dortmund-Hellweg Jutta Reiter.

Gerade jetzt, so Jutta Reiter, erlebten wir wieder einen neuen Aufrüstungswahn, „der uns mit einer neuen nuklearen Bedrohung konfrontiert“. Die Gewerkschafterin skandalisierte, dass die Atommächte dabei seien ihre Nuklearwaffen zu modernisieren. Und die USA seien auch noch aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und hätten zusätzlich noch das Abkommen über nukleare Mittelstreckenraketen (INF) mit Russland gekündigt!

Reiter: „Dass, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist wie ein Tanz auf einer Rasierklinge!“ Auch die Bundesregierung halte sich „mehr als ambilvalent“. Den UN-Vertrag über das Verbot von Atomwaffen, welchem 130 Staaten bereits zugestimmt haben, habe Deutschland immer noch nicht unterschrieben. Starken Beifall erhielt Reiters folgender Satz: „Wir müssen diesem Wahnsinn ein Ende setzen!“ Unbedingt, betonte die Gewerkschaftschefin, müsse verhindert werden, dass der momentan 43 Milliarden Euro betragende deutsche Verteidigungsetat bis 2024 auf zwei Prozent des Bruttoninlandsproduktes steige. Das hieße dann nämlich 85 Milliarden Euro für Rüstung auszugeben. „Wir brauchen jeden Euro, um die soziale Spaltung in unserer Gesellschaft zu überwinden“, unterstrich Jutta Reiter. „Und zwar mit dem Ziel, Gerechtigkeit herzustellen.Weltweit.“Reiter beklagte, dass „wir mit unseren Forderungen“, obwohl wir wüssten, wie Kriege immer enden, vielfach ignoriert blieben. Der DGB sei Mitglied der Initiative „Abrüsten statt aufrüsten“ und gegen das Zwei-Prozent-Ziel der NATO, sagte sie. Sie freue sich deshalb sehr, Willi Hoffmeister, „das Gesicht des Ostermarsches Ruhr, der Treiber der Friedensbewegung hier und anderswo“ begrüßen zu können, damit er die Versammelten teilhaben lasse, an seinen Erfahrungen im Kampf für die Frieden.

Friedensaktivist Willi Hoffmeister im Interview: „Dieses Nie-wieder hat sich mir eingebläut“

Joyce Schröder von den BotschafterInnen der Erinnerung führte mit im Jahre 1933 im ländlichen Kreis Lübbecke geborenen Willi Hoffmeister ein Interview. Schon im Jahre 1938, erzählte Hoffmeister, habe er als Kind in Begleitung seines Vaters in der örtlichen Gastwirtschaft heftigen politischen Streit unter den Leuten erlebt. Seine Mutter habe damals schon gewarnt: „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg.“

Kurz vor seiner Einschulung im Jahr 1939 erlebte er während einer Kur, dass diese Einrichtung geräumt werden musste, weil sie als Lazarett gebraucht würde. Die Begründung: „Die Polen haben uns überfallen. Es wird Krieg geben.“ So habe Hoffmeister schon früh erlebt, dass es vor Kriegen stets die größten Lügen gebe. In ersten Schuljahr erlebte er Lehrer, die stramme Nazis waren. Das habe ihm schon früh die Sinne dafür geschärft, was der Nationalsozialismus für die Gesellschaft für Schaden mit sich bringe. Im Elternhaus habe er eine antifaschistische Erziehung genossen.

Ein Satz, der Hoffmeister mit auf den Weg gegeben wurde: „Junge tu‘ alles, damit es nicht wieder dazu kommt“

Friedensaktivist Willi Hoffmeister (links) wird von Joyce Schröder interviewt.

Nach dem Krieg bekam Hoffmeister mit, dass Nachbarn, die einige Zeit weg gewesen waren wieder auftauchten. Sie kamen aus Konzentrationslagern zurück. Die Erzählungen der Zurückgekehrten, darunter Sozialdemokraten, Kommunisten und auch Parteilose, prägten den nun Zwölfjährigen. Was sich ihm daraus besonders einprägte: „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ – der Schwur von Buchenwald. Dieses „Nie wieder!“, so Willi Hoffmeister, habe sich bei ihm „eingebläut“.

Ein Bruder seiner Mutter habe 11 Jahre im KZ verbracht. Der habe ihm eigentlich die Augen richtig geöffnet über den Nationalsozialismus. Und ihm mit auf den Weg gegeben: „Junge tu‘ alles, damit es nie wieder dazu kommt.“ Dieser Satz, sagte Hoffmeister, begleite ihn eigentlich sein ganzes Leben.

Hoffmeisters größte Hoffnung: Die in Büchel stationierten US-Atombomben wegzubekommen

So kämpfte er fortan gegen den wiedererstarkenden Nazismus und gegen alte Nazis in der jungen Bundesrepublik. Nach dem Abwurf der US-amerikanischen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki galt Willi Hoffmeisters Kampf auch diesen schrecklichen Waffen. Später ging er in die Gewerkschaft und begann bei Hoesch in Dortmund zu arbeiten, wo er eine unglaubliche Solidarität, sowie einen zuvor nie erlebten Zusammenhalt, wie er unter den Arbeitern auf der Westfalenhütte üblich war, erfuhr. Seit 1963 ist Hoffmeister beim Ostermarsch Ruhr hoch engagiert. Er war in der betrieblichen Friedensbewegung und ist nach wie vor beim Kasseler Friedensratschlag aktiv. Wichtig sei ihm stets die Einbindung der Gewerkschaften in die Friedensbewegung gewesen.

Seine größte Hoffnung, antwortete er auf eine betreffende Frage der Interviewerin, die noch in Büchel in stationierten US-Atombomben von deutschem Boden wegzubekommen. Ihn empöre, dass deren stattfindende Modernisierung auf keine Gegenwehr vor allem seitens der Bundesregierung stoße. Diese Empörung fand den zustimmenden Beifall der Anwesenden.

Hoffmeister hält die heutige Situation in der Frage der Atomwaffen für viel verheerender und noch gefährlicher als in 1980er Jahren

Was er den Menschen in diesen Zeiten mitgeben möchte, wollte Joyce Schröder von dem Friedenskämpfer wissen.

Er vermisse, antwortete Hoffmeister, mehr spürbares Engagement aus der Bevölkerung, um der Forderung nach Abrüstung entsprechend mehr Ausdruck zu verleihen. Gerade heute sei eben eine starke Friedensbewegung notwendiger denn je. Hoffmeister hält die heutige Situation in der Frage der Atomwaffen für viel verheerender und noch gefährlicher als in 1980er Jahren.

Erst kürzlich habe er mit anderen in Kassel darüber debattiert, wie man erreichen könne, dass die Bundesregierung dem Atomwaffenverbotsvertrag beitrete. Zu erleben, auf welch Desinteresse man an Infoständen in dieser Hinsicht bei manchen Leuten treffe, betrübe ihn.

An die Fridays-for-Future-Bewegung gerichtet: Die Friedensfrage mitdenken. „Abrüsten ist der größte Umweltschutz“

Was er sich für die Zukunft wünsche?

Hoffmeister sprach die derzeitige Bewegung Fridays for Future in Sachen Klima- und Umweltschutz an. Ein erfreuliches Aufbäumen der Jugend sei die, wie er es sich manchmal gewünscht hätte selbiges in der Friedensfrage zu erleben. Der Friedensaktivist regte an einmal darüber nachzudenken, was alleine nach dem 2. Weltkrieg an Hinterlassenschaften des 2. Weltkrieges – Munition und chemischen Waffen allein in Ost- und Nordsee versenkt worden ist. Welche Gefahren da schlummerten!

Wenn es gelänge, zum von Fridays For Future für den 20. September geplanten Klimastreik die Friedensfrage mit hinzudenken, wäre das großartig: „Aufrüstung und Krieg sind eine der größten Umweltverschmutzer auf der Erde. Wer das nicht kapiert und mitaufnimmt, der vergibt sich etwas im Erfolg dieser Sache. Wir sollten alles dafür tun: Und wenn sich jeder ein Schild malt mit der Aufschrift „Abrüsten ist der größte Umweltschutz.“

Sophie Niehaus (Jugendring): Stopp der Anwerbung von Minderjährigen durch die Bundeswehr! Gegen eine zunehmende Militarisierung Europas

Für Sophie Niehaus vom Jugendring Dortmund ist es unbegreiflich, dass wir 74 Jahre nach der Befreiung Deutschlands vom Faschismus anscheinend noch immer nicht aus denn Fehlern Vergangenheit gelernt haben: „Weiterhin werden Minderjährige bei der Bundeswehr zum Kriegführen ausgebildet.

Sophie Niehaus vom Jugendring Dortmund.

Fast zehn Prozent aller neu eingestellten Soldatinnen und Soldaten sind gerade erst siebzehn Jahre alt. Darauf gibt es nur eine Antwort sofortiger Stopp der Anwerbung von Minderjährigen durch die Bundeswehr!“ Die Pläne für eine gemeinsame europäische Armee lasse ein zunehmende Militarisierung Europas befürchten: „Wir sind auf dem Weg zu einem Europa der Generäle und Rüstungskonzerne.“ Darauf gebe es nur eine Antwort: „Eine gemeinsame europäische Abrüstung und den Stopp aller Waffenexporte aus Deutschland und Europa.“ Die bittere Saat der Bundestag sitzenden Rechtspopulisten von AfD gehe auf: Rassistische und antisemitische Übergriffe nähmen zu.

Die Falken mit einem Plädoyer für den Frieden

Charlotte Muche (der SJD – Die Falken) hielt im weiteren Verlaufe der Veranstaltung ein Plädoyer für den Frieden: „Frieden ist ein Welt ohne Faschismus, Rassismus und Sexismus. Frieden ist eine Welt ohne Hass. Frieden ist Freundschaft. Frieden ist Liebe. Frieden ist eine Welt wo die Bedürfnisse des einzelnen respektiert und geachtet werden. Frieden ist zusammenzuleben. Frieden ist Gleichberechtigung aller Menschen. Frieden ist Freiheit selbstbestimmt zu leben. Frieden ist die soziale Gleichberechtigung aller Menschen. Frieden ist, sich nicht über die Gemeinschaft zu stellen, Frieden ist Demokratie.“ (Auszug)

Frank Ahland erinnerte an das Homosexuellen geschehene Unrecht im Nazistaat und der BRD

Frank Ahland, Slado e.V. Dachverband der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen- und Transidentenvereine und -initativen in Dortmund) erinnerte in seiner Ansprache an die schwulenfeindliche Politik der Nazis und deren Folgen auch in Dortmund. Und auch daran, dass der betreffende damals von den Nazis verschärfte Paragraf 175 Strafgesetzbuch in dieser Form in der BRD sogar noch bis 1969 Bestand hatte. Vor 50 Jahren sei dann endlich die Strafbarkeit einvernehmlicher sexueller Handlungen zwischen erwachsenen aus dem Strafgesetzbuch getilgt worden. Ahland verwies abermals darauf,

Dr. Frank Ahland.

dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im vergangenen Jahr als erster ranghoher Politiker der BRD eine schlichte Wahrheit anerkannt hat. Nämlich die, dass die Verfolgung Homosexueller in der Bundesrepublik auf Grundlage des Paragrafen 175 von Anfang an dem Grundgesetz widersprach.

Nun habe auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Andreas Voßkuhle, reagiert. In einer Fernsehdiskussion zum 70-jährigen Jubiläum des Grundgesetzes, angesprochen auf die Entscheidung seines Gerichts im Jahre 1957 (der § 175 war da für vereinbar mit dem Grundgesetz erklärt worden) gesagt habe, man müsse sich schämen.

Wann bekennen auch Bundestagspräsident und Bundeskanzlerin, dass damals Unrecht vom Bundesverfassungsgericht gesprochen wurde?

Für wünschenswert hält es Frank Ahland, wenn auch der Bundestagspräsident und die Bundeskanzlerin sich endlich klar und deutlich dazu bekennen könnten, dass damals Unrecht gesprochen worden ist.

Es wäre schön, wenn die Universität an Wilhelm Bergmann erinnern würde, meint Dr. Ahland

Dortmund betreffend erinnerte Ahland an Wilhelm Bergmann, Regierungsinspektor a.D., der zwischen 1942 und 1954 acht Mal wegen Verstoß gegen § 175 verurteilt worden war. Deshalb verlor er 1947 seine Stellung an der Pädagogischen Akademie, der Keimzelle der heutigen Technischen Universität. Dr. Frank Ahland: „Es wäre schön, wenn die Universität an ihn erinnern würde.“

Im Anschluss an Ahlands Rede wurde zum Gedenken im Innenhof der Steinwache ein Kranz niedergelegt, der an die Opfer des Naziregime und das Unrecht, dass Homosexuelle auch in der Bundesrepublik erinnert. Des Weiteren sollte mit der Kranzniederlegung auch ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Hass gesetzt werden.

Martina Plum: Nächstes Jahr das Doppelte an Musik

Martina Plum von der Auslandsgesellschaft, die die Gäste an diesem Antikriegstag 2019 begrüßt hatte, verabschiedete diese auch wieder. Mit der Entschuldigung, dass der in der Einladung angekündigte musikalische Beitrag diesmal leider nicht stattfinden konnte. Sie versprach für die Veranstaltung im nächsten Jahr das Doppelte an Musik.

Es handelte sich um eine Veranstaltung des DGB in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, der Auslandsgesellschaft, dem „Förderverein Gedenkstätte Steinwache – Internationales Rombergpark-Komitee e.V.“, dem Jugendring Dortmund, „Slado e.V.“ sowie unterstützt durch den „Arbeitskreis Dortmund gegen Rechtsextremismus“.

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Armin Nassehi war zu Gast beim „Talk im DKH“ in Dortmund. Sein Thema: „Wie verändert die Digitalisierung die Gesellschaft?“

Wir müssen lernen Technologie, besser zu kritisieren und einzuordnen, meint der renommierte Soziologe Armin Nassehi. Letzten Freitag war der derzeit ob seines neuen Buches „Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft“ äußerst gefragte

Talk-Gast Prof. Armin Nassehi. Fotos: C. Stille.

Publizist Gast im „Talk im DKH“. Im Buch geht es Prof. Dr. Armin Nassehi darum zu erklären, warum die digitale Technologie in der Gesellschaft so erfolgreich ist. Seine These: Technologie kann sich nur durchsetzen, wenn sie den Nerv der Gesellschaft trifft. Beispiel: Ein Smartphone wird schlicht und einfach gekauft, weil es funktioniert In seinen Augen sei die Gesellschaft schon im 19. Jahrhundert eine moderne digitale gewesen. Diese habe sich durch eine steigende Komplexität und Urbanisierung entwickelt, was dazu führte, dass man sich auf vorherige, analoge Wahrnehmungsformen nicht mehr verlassen konnte. Der Titel dieses „Talk im DKH“ lautete: „Wie verändert die Digitalisierung die Gesellschaft?“

Der „Talk im DKH“ fand wieder im Freien statt. Stadtdirektor Jörg Stüdemann begrüßte die Gäste

Die erste Veranstaltung dieser Art nach der Sommerpause moderierten wieder Aladin El-Mafaalani und Özge Cakirbey. Bei wunderbarem Wetter fand der Talk ein weiteres Mal auf dem DKH-Gelände im Freien statt. Stadtdirektor und

Moderierten die Veranstaltung: Özge Cakirbey (links) und Aladin El-Mafaalani (rechts).

Kulturdezernent Jörg Stüdemann begrüßte an Stelle von Levent Arslan, Dietrich-Keuning-Haus-Direktor, die Gäste. Levent Arslan weilte im Park des Schlosses Bellevue in Berlin beim Bürgerfest des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Jörg Stüdemann: Die Akademie für Digitalität und Theater ist Gegenstück zum Medienkunstverein im Dortmunder U

Stüdemann sprach, passend zum Talk-Thema, über den Start der Akademie für Digitalität und Theater (angeregt vom nach dieser Spielzeit scheidenden Schauspieldirektor Kay Voges) und lobte die Unterstützung der Akademie mit fast vier Millionen Euro. Die ersten Studierenden – in diesem Falle Regisseurinnen und Regisseure – hätten ihre Stipendien aufgenommen. Die Akademie sei nun das Gegenstück zum Dortmunder U, wo der Medienkunstverein seinen Sitz habe. Dies sei der einzige Kunstverein in Deutschland, „der sich systematisch seit 1996 mit den Fragen Digitaler Kunst, ihrer kuratorischen Betreuung und mit Fragen zum digitalen Zeitalter und die Umsetzung für die Künste“ beschäftige. Die künftige Schauspieldirektorin Julia Wissert des Schauspiel Dortmund weilte am

Begrüßte die Gäste: Dortmunds Stadtdirektor Jörg Stüdemann.

Freitagabend im Publikum.

Gast Armin Nassehi ist auf Schalke aufgewachsen und nun mit einem Gelsenkirchener Abitur Inhaber eines der größten Lehrstühle für Soziologie an der LMU München

Jörg Stüdemann hatte dann für das Publikum noch folgenden (Warn-)Hinweis zum Gast: Über Prof. Nassehi gebe es auch etwas „Schlechtes“ zu sagen: Er sei auf Schalke, in Gelsenkirchen groß geworden. Gelächter, leise Buhrufe, aber auch Beifall für den Gast aus dem Publikum.

Moderator Aladin El-Mafaalani setzte noch eins drauf, als er süffisant anmerkte, dass Armin Nassehi auch sein Abitur in Gelsenkirchen gemacht habe: „Jetzt müsste man meinen, dass man mit einem so wertlosen Zettel nichts wird. Aber nein, er ist an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Professor für Soziologie und hat dort einen der größten Lehrstühle für Soziologie Deutschlands inne. Und das mit einem Gelsenkirchener Abitur. Dass man überhaupt bayerischer Beamter mit einem nordrhein-westfälischen Abitur werden kann!“

Beim Schüler-Talk am Mittag beeindruckten die Jugendlichen Armin Nassehi mit klugen Fragen

Am Mittag hatte es schon einen Schülertalk im Dortmunder Helmholtz-Gymnasium mit Jugendlichen gegeben. Armin Nassehi äußerte sich mit Anerkennung über die SchülerInnen. Für ihn habe es den Anschein gehabt, dass diese Jugendlichen „schon einmal von Rednern irgendwie beglückt worden sind. Dass heißt, die waren in der Lage dazusitzen und Benutzeroberflächen zu haben, die so aussahen, als würden sie mir zuhören“. Von ihnen seien sehr kluge und intelligente Fragen gestellt worden.

Armin Nassehi pflegt eine methodisch kontrollierte Frage zu stellen: „Für welches Problem ist die Digitalisierung eine Lösung?“

Wie sich die Digitalisierung auswirken werde, so Nassehi wisse man nicht. Auch wenn man sich die besten Studien darüber anschaue. Die einen konstatierten, dass achtzig Prozent aller Arbeitsplätze verschwinden könnten. In die andere Richtung schlüge das Pendel bis hin zu einem möglichen Jobwunder von dreihundert Prozent Arbeitsplätzen aus. Beides sei denkbar. Die Extreme dürften wohl nicht eintreten. Es werde sich dazwischen bewegen.

Er interessiere sich vor allem „zunächst einmal brav wissenschaftlich für eine methodisch kontrollierte Frage.

Die Frage sei für ihn nicht, welche Problem die Digitalisierung mache oder wie man diese Probleme lösen könne, bzw. wie wir das überwinden können. Nassehi pflegt vielmehr eine methodisch kontrollierte Frage zu stellen: „Für welches Problem ist die Digitalisierung eine Lösung?“ In der Wissenschaftstheorie nenne man das eine funktionalistische Frage. „Man fragt also. Man sieht etwas, das funktioniert. Und fragt sich, welches Problem mit dieser Funktion eigentlich gelöst wird.“

Schwer unter die Leute zu bringende These: Schon vor hundert Jahren war die Gesellschaft eine moderne digitale

Nassehi bekannte auf die These – die nicht so leicht unters Volk zu bringen sei – gekommen zu sein, dass die Gesellschaft schon hundert Jahre bevor der Computer erfunden wurde, eine moderne digitale war. Am Beispiel von Paris erklärte er das. Da habe man für damit angefangen. In einer so großen Stadt hätten sich zwar Gebäude und Menschen, aber keine Weizenfelder befunden. Aber Weizen wurde ja zur Herstellung von Baguettes benötigt. Man habe ungefähr berechnen müssen, wie viele Lieferanten von Weizen man für eine Stadt wie Paris bräuchte. Straßen mussten breit genug sein, um den Weizen in die Stadt hinein zu bringen. So sei das statistische Denken entstanden. „Es entstand ’ne kulturelle Form digital zu denken“, sagte Armin Nassehi. Die Digitalisierung mache heute sichtbar, was man vorher nicht habe sehen können.

Daten sind für unterschiedliche Institutionen von unterschiedlichem Interesse

Prof. Nassehi streifte auch das Thema der heute anfallenden Unmengen von Daten. Bis hin zu den auftretenden Datenmengen diverser sozialer Medien. Die Daten seien für unterschiedliche Institutionen von unterschiedlichem Interesse. Er sprach diesbezüglich von Markt- und Sozialforschung und von Strafverfolgungsbehörden, oder von Verwaltungsproblemen, bzw. von Medizinern, die das Verhalten Menschen hinsichtlich von Gesundheitsfragen untersuchen.

Armin Nassehi: Digitalisierung macht vieles möglich. Und die Menschen nutzen es, weil es funktioniert

Man müsse einfache Fragen stellen, um schwierige Antworten geben zu können, findet der Soziologe Armin Nassehi. Die einfache Frage sei, referierte er: „Welches Problem löst Technik? Die Technik löst vor allem das Problem des Konsenszwangs.“ Digitalisierung mache vieles möglich. Und die Menschen nutzten es, weil es funktioniert. Da könne man selbst Menschen von der Benutzung des Flugzeugs wegbringen: Wenn es eine funktionierende Alternative gebe, würden sie die nutzen.

Das Funktionieren korrumpiere uns aber auch. Die menschliche Intelligenz sei jedoch in einem endlichen Körper situiert – sie ist gewissermaßen leiblich und dadurch unvollständig“. Eine vollständige Form digitaler Intelligenz sei deshalb schon aus formallogischen Gründen nicht denkbar. Man müsse darüber nachdenken, was man mit dieser Technik eigentlich macht.

Mit Maschinen zu kommunizieren sei nicht möglich. Dann könne man vielleicht auch sehen, wie naiv das ist, Angst davor zu haben, dass diese Apparate einmal mächtiger werden als wir selbst. Dafür wäre dies aber wohl auch eher ein Hinweis darauf, schloss Armin Nassehi seinen interessanten Vortrag, „dass man darüber nachdenken sollte, dass wir mit der Auseinandersetzung dieser Art von Informationsverarbeitung sehr viel darüber lernen kann wie voraussetzungsreich und begrenzt unsere Form ist, mit einer Welt umzugehen, die wir auch selber nur in der Datenförmigkeit unseres eigenen Gehirns kennen“.

Technologie kann auch eine Bedrohung darstellen. Deshalb: Technologie kritisch begleiten, um sie besser einordnen zu können

Technologie müsse den Nerv der Gesellschaft treffen, ist eine These, die der Soziologe Armin Nassehi auf dem Podium im Gespräch mit Moderatorin und Moderator vertrat. Aber er gesteht durchaus auch zu, dass Technologie auch eine Bedrohung darstellen könne. Weshalb darauf geachtet werden müsse, Technologie kritisch zu begleiten, um sie besser einordnen zu können.

Interessante Fragen aus dem Publikum

Zuschauer stellten gegen Ende der Veranstaltung interessante Fragen. Etwa die, ob die Digitalisierung unsere Gesellschaft positiv beeinflussen könne. Armin Nassehi antwortete, es bringe natürlich positive und negative Folgen. Aber, gab er auch zu bedenken: „Problemlösungen produzieren immer neue Probleme.“ Als positiv schätzte er selbst ein, dass man teilweise übers Netz durchaus interessante Leute kennenlerne und auch spannende Diskussionen zustande kämen. Aber ebenso treffe ebenfalls das Gegenteil zu. Also: eine ambivalente Geschichte.

Die „Talk im DKH“-Gäste erlebten einen rhetorisch geschliffenen Vortrag, aufgelockert durch Bonmots

Dass Prof. Armin Nassehi ein grandioser Redner ist, war bereits eingangs der Veranstaltung angekündigt worden. Und Nassehi, einer gefragtesten Intellektuellen Deutschlands, hat das auch mitR Bravour und gründlich bis ins letzte Detail unter Beweis gestellt. Geschliffene Rhetorik, aufgelockert mit diesem oder jenem Bonmot oder während des Vortragens rasch noch verfertigten und zum Abschuss gebrachten kleinen Spitzen, bewahrte Nassehis Referat davor, dröge zu werden. Es wurde oft kurz aufgelacht im Publikum. Mehr oder weniger laut.

Nur, was nimmt man nun von diesem Abend für sich an Essenz mit? Dass wurde in etwa so auch aus dem Publikum gefragt. Eine gute Frage! Erst mal sacken lassen, dürften da viele gedacht werden, die mit mit jeder Menge Informationen prall gefüllten Kopf den Heimweg antraten. Womöglich „ploppt“ dann später mancher von Armin Nassehi geäußerter Gedanke auf und lässt der einen oder anderen Person dies oder jenes Licht aufgehen.

Armin Nassehis Buch konnte erworben werden und wurde auf Wunsch auch von ihm signiert

Nassehis Buch konnte vor Ort erworben werden und wurde auf Wunsch auch vom Autoren signiert.

Von Armin Nassehis (Mitte) Buch beeindruckt: Özge Cakirbey (links) und Aladin El-Mafaalani (rechts).

 

Diejenigen, die es bereits gelesen haben – wie Moderatorin Özge Cakirbey und Aladin El-Mafaalani – gaben sich beeindruckt. Özge Cakirbey, gestand, dass sei schon eine ganz schöne Portion „Arbeit“ gewesen das Buch zu lesen. Einige Begriffe daraus habe sie für sich mit Gewinn neu hinzugelernt. Und El-Mafaalani bestätigte, das solche Bücher eben durchaus Anstrengungen nötig machten.

Nächster Gast beim „Talk im DKH“: der Journalist Deniz Yücel

Gast beim nächsten „Talk im DKH“ am 29. November um 19 Uhr wird der Journalist Deniz Yücel sein.

 

 

Nassehi, Armin

Muster

Theorie der digitalen Gesellschaft

Sachbuch-Bestenliste für September 2019: Platz 9

Wir glauben, der Siegeszug der digitalen Technik habe innerhalb weniger Jahre alles revolutioniert:  unsere Beziehungen, unsere Arbeit und sogar die Funktionsweise demokratischer Wahlen.  In seiner neuen Gesellschaftstheorie dreht der Soziologe Armin Nassehi den Spieß um und zeigt jenseits von Panik und Verharmlosung, dass die Digitalisierung nur eine besonders ausgefeilte technische Lösung für ein Problem ist, das sich in modernen Gesellschaften sei…

100 Jahre Menschlichkeit: Die AWO feiert drei Tage lang eine Geburtstagsfeier in Dortmund – Höhepunkt ist ein Konzert mit Konstantin Wecker und Band

Die Arbeiterwohlfahrt wurde am 13. Dezember 1919 auf Initiative von Marie Juchacz gegründet. Im Jahr 2019 feiert die AWO ihr 100-jähriges Bestehen. Die AWO zählt zu den ältesten Wohlfahrtsverbänden in Deutschland. In Berlin findet am 13. Dezember 2019 der offizielle Festakt statt

Gefeiert wird aber schon jetzt. In der warmen Jahreszeit. In der Dortmunder Innenstadt steigt Ende kommender Woche – vom 30.8. bis 1.9.2019 – ein Fest für die ganze Familie mit Konzerten, kulinarischen Speisen, Kultur und Politik. Der Eintritt zu allen Programmpunkten ist frei!

Drei Tage Geburtstagsparty in Dortmund, der heimlichen „Hauptstadt der AWO“

Die Geburtstagsparty geht also in Dortmund, der heimlichen „Hauptstadt“ der AWO, über die Bühne. Drei Tage lang, vom 30. August bis zum 1. September 2019 (11 bis 23 Uhr), steht die Dortmunder City ganz im Zeichen des Wohlfahrtsverbandes.

Höhepunkt des Jubiläumsfestes: Konstantin Wecker und Band

Mit Konstantin Wecker konnte ein herausragend engagierter Künstler gewonnen werden, dessen Liedtexte mit der gesellschaftspolitischen Einstellung der AWO übereinstimmen. Sein Konzert auf dem Friedensplatz vorm dem Dortmunder Rathaus am Samstagabend wird der Höhepunkt des Jubiläumsfestes sein und Zeichen setzen.

Die AWO will sich als kompetenter und innovativer Wohlfahrtsverband präsentieren

Die Feier ist ein wesentlicher Bestandteil der bundesweiten Aktivitäten der AWO im Jubiläumsjahr 2ß19. „Wir werden uns als kompetenter und innovativer Wohlfahrtsverband präsentieren: politisch denkend und handelnd – für und gemeinsam mit den Menschen. Ein Ver­band für alle Generationen“, so Uwe Hildebrandt, Geschäftsführer des AWO Bezirk Westliches Westfalen. Der Bezirk ist Deutschlands größte AWO-Gliederung und hat seinen Hauptsitz in Dortmund.

Dort wird das Engagement von rund 20.000 Beschäftigen und 35.000 Mitgliedern koordiniert. Allein in Dortmund hat die AWO über 6.500 Mitglieder, die sich in 50 Ortsvereinen organisieren. Mit seinen ca. 1.500 Mitarbeitern spannt der Unterbezirk in der ganzen Stadt ein starkes Netz sozialer Angebote für Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren und Menschen mit Behinderungen. Das AWO-Herz gestaltet und prägt das Sozialleben der Stadt

Logo: via AWO

maßgeblich.

Es steht dafür, einer breiten Öffentlichkeit transparent aufzuzeigen, wie engagiert die AWO für Gemeinschaft und soziales Allgemeinwohl steht. Mit Informationen über: die Gründungsmotivation, die Werte, die vielfältigen Bereiche und Einrichtungen, die gesellschaftspolitische Bedeutung und die Unternehmenswerte. Vor allem auch darüber, wie die AWO die vor uns liegenden gesellschaftspolitischen Aufgaben angehen will.

Das Drei-Tages-Programm im Überblick:

Tagesbühne (30. Und  31.8.: Rund um die Reinoldikirche / 11 bis 19 Uhr): Auf der Tagesbühne werden sich die verschiedensten Musikstile wie Folk, Samba, Country und Kleinkunst in loser Reihenfolge abwechseln. Kurzweilige Gesprächsrunden werden über die Einrichtungen und Dienste der AWO informieren. Der Oberbürger­meister der Stadt Dortmund wird die Gäste begrüßen.

Kinderbühne (30. Und 31.8.: Kinderfest Reinoldikirche/Kampstraße / 11 bis 18 Uhr):

Ein Kinderfest lädt kleine und große Kinder zum Spielen, Spaß haben und Entdecken ein. Musik und Mitmachaktionen stehen im Zentrum des Programms auf der Kinderbühne.

Die AWO kennenlernen (30. und 31.8.: Kleppingstraße, Platz von Netanya, Katharinenplatz etc. / 11 bis 19 Uhr): Mehr als 100 Aussteller werden sich auf dem Fest präsentieren. Neben den Einrichtungen der AWO sind Geschäftspartner, befreundete Organisationen dabei. Alle Präsentationen stehen unter dem lebendigen Motto: „Nicht nur anschauen, sondern mitmachen“.

AWO unplugged (Teilbereich Alter Markt / Am Trissel / ca. 13 bis 19 Uhr): Eine kleine Pagodenstadt  dient als Info-und Aktionsbühne. Dort wird das Dortmunder Original, die Dixie-Band „Pilspickers“ an beiden Tagen aufspielen.

Abendbühne (30. Und 31.8.: Friedensplatz / jeweils von 19 bis ca. 23 Uhr): An beiden Abenden wird auf dem Friedensplatz ein Musik- und Kulturprogramm geboten. Der Freitag steht ganz im Zeichen des „Geierabends“.  Die „Komm Mit Mann!s“ regen stimmungsvoll zum Feiern, Mitsingen oder Tanzen an.

Konstantin Wecker und Band setzen am Samstagabend unter dem Motto „Poesie & Widerstand“ politische Zeichen

Konstantin Wecker. Foto: C. Stille (Archiv).

Der Samstagabend wird mit einem zweistündigem Konzert von Liedermacher Konstantin Wecker und Band unter dem Motto „Poesie & Widerstand“ politische Zeichen setzen. Hier geht es zum Internetauftritt von Konstantin Wecker.

Familien-Konzert am Sonntag mit den Bands „RADAU!“ und „RANDALE – Rockmusik für Kinder“

Ein großes Familien-Konzert mit den Bands „RADAU!“ und „RANDALE – Rockmusik für Kinder“ startet am Sonntag auf dem Friedensplatz. Mit über 300 Konzerten in ganz Deutschland zählt RADAU! Zu den bekannteste Bands für Kinder und Familien im deutschsprachigen Raum. „RANDALE“ lockt mit geradlinig gespielten Songs mit pfiffigen Texten. Ergänzt wird der Familientag durch interessante Acts, Infostände und andere spannende Spiel- und Aktionsangebote.

Kulinarik: AWO à la Carte“

Unter dem Motto „AWO à la Carte“ steht der kulinarische Teil des Festes. Neben zahlreichen Getränkeständen werden die Köchinnen und Köche der AWO Ein­richtungen ihr Können präsentieren. Fisch und Meeresfrüchte, mediterrane Köstlich­keiten, Gerichte aus aller Welt, aber auch Deftiges aus der Region werden geboten. Die AWO-Köche von MDS (integrativer Catering- und Partyservice aus Münster) präsentieren sich an allen Festplätzen. Foodtrucks werden im Bereich der Kinderbühne und auf dem Friedensplatz stationiert.

 

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Die AWO informiert:

„Die AWO wird 100. Wir blicken mit Stolz zurück auf 100 Jahre Einsatz für Solidarität, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Toleranz. Wir blicken aber vor allem auch nach vorne. Die AWO wird gebraucht: Damals wie Heute. Mit den Menschen und für die Menschen kämpfen wir für eine bessere Zukunft.

Und wir feiern. Kommen Sie nach Dortmund und feiern mit uns. 3 Tage lang.“

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei!

Lesen Sie bitte auch den Beitrag auf Nordstadtblogger: „2019 sieht Dortmund Rot: Der AWO-Bundesverband feiert seinen 100. Geburtstag in der City – 50.000 Gäste erwartet“

Gastbeitrag von Dr. Rolf Geffken: Trotz Putin? Russisches Arbeitsrecht scheut keinen Vergleich

Erste Ergebnisse eines Forschungsaufenthalts in Kaliningrad (von Dr. Rolf Geffken):

Die hiesige mediale Berichterstattung zu Rußland ist voller Vorurteile und Pauschalierungen. Schon das Wort „Putin“ löst bei den meisten Menschen negative Assoziationen aus. Wir wollen zum Abbau solcher Vorurteile beitragen. Der Autor des Buches „Umgang mit dem Arbeitsrecht“ Dr. Rolf Geffken, fasst im Folgenden die wesentlichen Ergebnisse eines soeben durchgeführten Forschungsaufenthaltes in Russland zum aktuellen russischen Arbeitsrecht (auch unter Berücksichtigung früherer Forschungsaufenthalte in China und den Philippinen) zusammen und hebt die Bedeutung von Rechtsvergleichen für den Rechtsfortschritt im Interesse der Arbeitnehmer hervor. In einem gesonderten Bericht wird er auf seine durchweg positiven menschlichen Erfahrungen bei seinem Besuch in Kaliningrad eingehen und dabei insbesondere die Forderung nach einer Wiederaufnahme der Eisenbahnverbindung von Berlin nach Kaliningrad, erheben.

Hierzulande haben sich die meisten Zeitgenossen an alle möglichen oder fast unmöglichen neoliberalen Deformationen des Arbeitsrechts gewöhnt. Ob es um die Reduzierung des Kündigungsschutzes, die Existenz der Leiharbeit, um die weitreichenden Möglichkeiten zur Versetzung eines Arbeitnehmers oder um die Anordnung von Überstunden geht: Die meisten haben sich an das „geltende Recht“ gewöhnt und ihre Berater und Prozessvertreter tun ein Übriges, um weiteren (politischen) Erkenntnisgewinn aus diesem Mangel zu vermeiden: „Das ist halt so. Da kann man nichts machen. Das ist Gesetz“. In dieser Situation ist es für jeden, der bereit ist, über den Tellerrand zu schauen, von Interesse, die jeweilige Rechtslage in einem anderen Land kennenzulernen. Rechtsvergleiche offenbaren schnell: Nichts ist in Stein gemeißelt. Nichts ist selbstverständlich. Nichts ist „gottgewollt“ so und nicht anders. Solche Erkenntnisse gewinnt man nicht nur, wenn man die Rechtslage in Deutschland mit der Lage etwa in Belgien oder Frankreich vergleicht sondern vor allem auch dann, wenn man sich quasi exotische Rechtsordnungen heraussucht, so zum Beispiel das Arbeitsrecht in Russland. Hier einige Beispiele, die dem Autor erst jünst wieder bei einem Besuch in Rußland begegneten:

1. Kündigungen sind in Russland nur unter den im Gesetz klar genannten Voraussetzungen möglich. Eine Kleinbetriebsklausel, die unbegrenzt Kündigungen für kleinere Betriebe ermöglicht, gibt es ebenso wenig wie Namenslisten, die die Entlassung von Beschäftigten pauschal erleichtern.

2. Versetzungen sind praktisch nur mit Zustimmung der Betroffenen möglich, während sie in Deutschland im Rahmen des Direktionsrechts des Arbeitgebers fast unbegrenzt möglich sind (es sei denn ein Betriebsrat verweigert die Zustimmung).

3. Auch Befristungen sind nach dem russischen Arbeitsrecht fast nur mit Zustimmung der Beschäftigten möglich. Zulässig sind sie nur in Ausnahmefällen, während in Deutschland in den letzten 40 Jahren zum einen die sog. Sachgründe für die Befristung erheblich erweitert wurden und sogar die sachgrundlose Befristung erleichtert wurde. Auch befristete Arbeitsverhältnisse müssen gekündigt werden. In Deutschland laufen Sie einfach aus.

4. Die Arbeitszeit ist einheitlich auf 40 Std wöchentlich festgelegt (Art. 91 Russ ArbGB). Es gibt einige wenige branchenbezogene Ausnahmen. Arbeitszeitkonten sind unbekannt. Überstunden können nur in gesetzlich vorgeschriebenen Ausnahmefällen angeordnet werden. Zudem sind sie stets mit dem 1,5 fachen des Normallohns zu vergüten, während es in Deutschland neben tarifvertraglichen Zuschlägen gesetzliche Zuschläge nur bei der Nachtarbeit, nicht aber bei einfachen Überstunden gibt.

5.“Freie Dienstverträge“ werden im Falle der Eingliederung der Betroffenen in den Betrieb unter geringen Voraussetzungen in Arbeitsverträge umgedeutet, so dass es zu einer erleichterten Anwendung des Arbeitsrechts kommt und zur Verhinderung von Scheinselbständigkeit.

6. Im ganzen russischen Arbeitsrecht – und nicht nur wie in Deutschland im Verhältnis zu Tarifverträgen – gilt das Günstigkeitsprinzip. Eine für den Arbeitnehmer günstigere Regelung g i l t, egal in welchem Bereich.

7. Das Gesetz verpflichtet den Arbeitgeber dem Arbeitnehmer spätestens drei Tage nach Arbeitsaufnahme einen schriftlichen Arbeitsvertrag auszustellen. Eine ähnliche Regelung gibt es in Deutschland zwar mit dem Nachweisgesetz. Hier muss aber der Arbeitnehmer initiativ werden, was er oft unterlässt und weder der Gesetzgeber noch die Rechtsprechung haben in Deutschland bislang eine Beweislastumkehr für den Arbeitnehmer geschaffen.

8. Die Gewerkschaften haben ein Initiativrecht im Rahmen der Gesetzgebung und können im nationalen Parlament wie auch in den Parlamenten der Regionen eigene Gesetzesvorschläge einbringen. Ein in Deutschland absolut unbekanntes Recht.

9. Es gibt zwar keine Betriebsräte, die Rechte der Gewerkschaften im Betrieb gehen aber wesentlich weiter als in Deutschland. So haben die Gewerkschaften eine öffentlichrechtliche Kontrollbefugnisse in Bezug auf zahlreiche Betriebsinterna, wie zum Beispiel auch in Bezug auf die Einhaltung von Arbeitsschutzbestimmungen. Den Vollzug dieses Informationsrechts können Sie selbst durchsetzen, was in Deutschland dem Betriebsrat verwehrt ist (in Deutschland müsste der Betriebsrat sein Informationsrecht mühsam über das Arbeitsgericht durchsetzen).

10. Schließlich und letztlich wird das gesamte Arbeitsrecht von staatlichen Arbeitsbehörden überwacht. In Deutschland gibt es allenfalls Ämter zur Kontrolle der Arbeitssicherheit und den Zoll zur Kontrolle des Mindestlohnes. Eine allgemeine Arbeitsinspektion wie etwa auch in Frankreich gibt es n i c h t. Anmerkung: Natürlich wäre es in Deutschland auch nicht denkbar, dass etwa die staatliche Arbeitsinspektion eigene Räume im örtlichen Gewerkschaftshaus (!) gemietet hat (wie der Autor bei seinem Besuch in Kaliningrad Anfang August 2019 feststellen konnte).

 

Natürlich kommt nun der Einwand: „Ja, aber wie sieht die Realität aus ?“ Ja, wie sieht die Realität aus ? Wie sieht sie in Deutschland aus ? Es wäre ja nicht verwunderlich, wenn das deutsche Arbeitsrecht angesichts einer vielfältigen neoliberalen Zerstörung wenigstens 1:1 vollzogen wäre. Zu viel verlangt wäre es sicher n i c h t. Aber weit gefehlt: Auch das arbeitgeberfreundliche deutsche Arbeitsrecht ist schlecht und mangelhaft vollzogen. Nehmen wir nur das Betriebsverfassungsgesetz, das für alle Betriebe von Beschäftigten gilt, aber tatsächlich nur in maximal 40 % der betriebsratsfähigen Betriebe vollzogen ist. Schon deshalb ist der o.g. Einwand mit der angeblich „anderen Wirklichkeit“ falsch und irreführend. Er ist meist nur dem Vorurteil geschuldet, dass man sich „das alles nicht vorstellen“ könne oder „nicht glaube“. Das mag sein und verwundert den Autor wenig, ist aber weder ein wissenschaftlicher noch ein politischer Einwand. Es geht deshalb auch tatsächlich um etwas anderes:

* Das Arbeitsrecht ist (nicht nur sein Vollzug) Ergebnis eines bestimmten Kräfteverhältnisses zwischen Arbeit und Kapital u n d zwischen den Gewerkschaften und dem jeweiligen Staat. Es drückt also unabhängig von seiner Wirksamkeit sehr viel zum Beispiel über die Stärke der Gewerkschaften zum Zeitpunkt seines Zustandekommens aus. So besteht etwa nach deutschem Arbeitsrecht k e i n Grundsatz, dass Arbeitsrechte „im Zweifel“ immer zugunsten der Arbeitnehmer auszulegen seien. Wohl aber exisitiert dieser nach dem philippinischen Arbeitsrecht. Die Vorsitzende der Verfassungskommission, die diesen Grundsatz festlegte, war eine Krankenschwester, die dort im Namen der Gewerkschaften dieses Prinzip im Nachgang zur sog. Aquino-Revolution verfocht. Das Recht war also unmittelbar Ergebnis einer politischen Revolution. Als die Koalitionsfreiheit im Grundgesetz in Deutschland verankert wurde, waren die Gewerkschaften noch eine schlagkräftige und kampffähige Massenorganisation. Umgekehrt: Das Arbeitsrecht von Hongkong spiegelt heute noch den neokolonialen Geist des englischen Zivilrechts und die Schwäche der Hongkonger Gewerkschaften wieder3. Trotz einer angeblichen „Demokratiebewegung“ spiegelt sich in ihm k e i n Kampf um bessere Arbeitsbedingungen wieder.

* Ein „nicht vollzogenes Arbeitsrecht“ drängt auf Umsetzung. Nicht etwa bloss begrifflich oder aufgrund irgendeines geheimen juristischen Automatismus sondern weil Arbeitnehmer ihre Rechte meist nicht einfach freiwillig aufgeben sondern ihre Durchsetzung verlangen. Als die chinesische Regierung nach langer öffentlicher Diskussion mehr Arbeitnehmerrechte im neuen Arbeitsvertragsgesetz von 2008 verankern ließ, hoffte sie, damit die umfangreiche Streikbewegung im Lande eindämmen zu können. Doch es kam anders: Da die staatlichen Kontrollbehörden gegen die Verletzungen der arbeitsrechtlichen Bestimmungen durch Arbeitgeber nicht konsequent genug einschritten, nahmen die Arbeiter ihre Rechte s e l b s t in die Hand und riefen Streiks aus, gerade u m ihr Recht durchzusetzen. Das nicht vollzogene Arbeitsrecht erwies sich also gerade als Motor des kollektiven Kampfes um bessere Arbeitsbedingungen und nicht etwa als deren Ersatz. Auch dies zeigt, dass es für irgendeine Art der Relativierung eines ungewöhnlichen Arbeitsrechts angesichts einer „anderen Realität“ keinen Grund gibt. Im Gegenteil: Jeder Rechtsfortschritt bringt die Arbeiterklasse weiter, egal ob in Russland, in China, in Belgien oder in Philippinen. Man muss aber diese Rechtsfortschritte zur Kenntnis nehmen und weiter verbreiten, gerade in einem Land wie Deutschland, in dem inzwischen nahezu jeder Rechtsfortschritt vom Mantel des Neoliberalismus zugedeckt wurde. Offensichtlich aus eben diesem Grund warnte auch die Unternehmensberatung Rödl und Partner davor, dass das Arbeitsrecht Russlands „immer noch z u formal“ und zu wenig flexibel sei, während die Europäische Handelskammer in die Debatte über das chinesische Arbeitsvertragsgesetz 2008 durch eine Intervention im Nationalen Volkskongress sich gegen angeblich zu hohe Abfindungszahlungen der Arbeitgeber im Falle von Kündigungen wehrte…

Man sieht also: Auch die Kapitalseite ist sich der „Gefahr“ eines eher an den Interessen der Beschäftigten orientierten Arbeitsrechts sehr wohl bewusst und zwar gänzlich unabhängig von der Frage, inwieweit es jeweils vollzogen und durchgesetzt ist. Deshalb ist die Relativierung weiterreichender Regelungen in anderen nationalen Rechtsordnungen töricht, unpolitisch und letztlich undialektisch. Gewerkschaften, Betroffene, Betriebsräte und Rechtsvertreter sollten sie vielmehr für ihren eigenen Kampf und ihre eigene Interessenvertretung nutzen.

 

Dr. Rolf Geffken 15.8.2019

Anmerkung Claus Stille: Mein Dank gilt Herrn Dr. Rolf Geffken für die freundliche Überlassung seines auf Rat&Tat veröffentlichten Textes.

 

Für Interessierte das ergänzende Video bei youtube. Dort kann man den Kanal des Verfassers übrigens kostenlos abbonnieren:

 

Dortmund: Schultenhof der AWO möchte „Generationenkarussell“ aufstellen. Sparkasse spendete 12.000 Euro. Weitere Spenden erwünscht

Bei der Überreichung es symbolischen Schecks der Sparkasse: Nadine Somer, Monika Mlynczak, Anne Hülsen (Schultenhof-Landwirtin), Gerda Kieninger, Gerd Mlynczak und Bernd Kompe (v.l.) Fotos: C. Stille

Der Schultenhof der AWO in Dortmund-Renninghausen beliebtes Ausflugsziel der DortmunderInnen. Es gibt einen Biohof, einen Hofgastladen, eine Metzgerei und ein Wohnhaus für Menschen mit Behinderung, von denen einige auch auf dem Hof arbeiten. Im Frühjahr 2020 wird der Schultenhof um eine Attraktion reicher sein. Die AWO-Einrichtung möchte ein Generationen-Karussell anschaffen. Das inklusive Spielgerät für Menschen jeden Alters soll 20.000 Euro kosten. Die Sparkasse Dortmund sicherte eine Spende von 12.000 Euro zu. Am vergangenen Freitag konnte Gerda Kieninger, Vorsitzende der AWO, Unterbezirks Dortmund, aus den Händen von Bernd Kompe, Kundenbetreuer der Sparkasse Dortmund, einen symbolischen, in Höhe dieser Summe ausgestellten, Scheck entgegennehmen. Weitere Spenden von Organisationen und Privatpersonen sind erwünscht. Die Hoffnung wird gehegt, dass der Gesamtbetrag bis zum traditionellen Hoffest am 15. September zusammenkommt.

Genrationen-Karussell als neue Attraktion für Jung und Alt, mit und ohne Beeinträchtigung

Bereits im letzten Jahr haben Bauernhof, Wohnhaus und Hofladen an Umgebungsqualität gewonnen. Der Spielplatz ist praktischer gestaltet worden. Wie man darauf kam, eine neue Attraktion auf dem Hof zu schaffen, erklärt Wohnhausleiterin Nadine Somer so: „Wir haben uns überlegt, was interessant sein könnte und wie wir alle Menschen mitnehmen, Jung und Alt, mit und ohne Beeinträchtigung.“ Klaus Hermansen, Leiter der Eingliederungshilfe, sieht das Karussel diesbezüglich bestens geeignet: „Es bietet Inklusion und Barrierefreiheit in verschiedener Hinsicht.“ Denn es wäre auch mit Rollstuhl oder Rollator – auch ohne Assistenz – nutzbar. Das Generationenkarussell ist ein ebenerdiges Spielgerät. Durch drei verschiedene Sitzhöhen finden kleinere und größere Menschen Platz darauf. Alle können mitmachen, sich drehen und Spaß haben. Nadine Somer: „Das passt zum Schultenhof.“

Ehrenamtliche SpielplatzexpertInnen: eine gute Ergänzung des viel und gern benutzten benachbarten Spielplatzes

Ins Gespräch gebracht hatten das Generationen-Karussell die SpielplatzexpertInnen Monika und Gerd Mlynczak. Das Ehepaar engagiert sich schon seit Jahren ehrenamtlich auf dem Schultenhof. Errichtet wird das Spielgerät auf dem Gelände des einstigen Streichelgeheges. Es wäre, findet das Ehepaar, eine gute Ergänzung des viel und gern benutzen benachbarten Spielplatzes.

Bernd Kompe (Sparkasse Dortmund): „Solche besonderen Konzepte, die die Dortmunder Bürger zusammenbringen, unterstützen wir gerne“

Sparkassenkundenbetreuer Bernd Kompe hatte sich das Spielgerät zuvor erklären lassen und nun auch den dafür ausgewählten Standort in Augenschein genommen. Überzeugt erklärte er: „Solche besonderen Konzepte, die die Dortmunder Bürger zusammenbringen, unterstützen wir gerne. Durch sie wird unsere Stadt Tag für Tag noch ein Stück lebenswerter und wir tragen gerne unseren Teil dazu bei.“

AWO-Vorsitzende Gerda Kieninger sprach allen Beteiligten Dank für ihren Einsatz aus und hob hervor: „Ohne das Ehrenamt wäre die AWO nicht das, was sie überhaupt ist“

AWO-Vorsitzende Gerda Kieninger nahm den Pressetermin am vergangenen Freitag zum Anlass, allen Beteiligten am Projekt ihren Dank auszusprechen: „Ohne ihr Engagement und ihren Einsatz hätten wir dieses Projekt gar nicht. Sie hatten die Idee. Sie haben sich gekümmert. Sie kümmern sich noch.“ Sie hob hervor: „Und für diesen ehrenamtlichen Einsatz meinen allerherzlichsten Dank. Denn ohne das Ehrenamt wäre die AWO nicht das, was sie überhaupt ist. Ideen einbringen, mitmachen, um so das gemeinsame Leben, Solidarität und Gemeinsamkeit weiterzuleben, das braucht die Arbeiterwohlfahrt. Wir feiern nicht umsonst dieses Jahr hundert Jahre. Ich hoffe, die nächsten hundert Jahre läuft es auch mit Ehrenamt.“

Gerd Mlynczak wertschätzte die Tätigkeit von Klaus Hermansen und die Arbeit der festangestellten Profis vor Ort

Die Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit ehrenamtlicher Tätigkeit steht für Gerd Mlynczak ebenfalls außer Frage. Zusätzlich wertschätze er die Tätigkeit von Klaus Hermansen und betonte, wie wichtig es für die Ehrenamtlichen sei, mit festangestellten Profis vor Ort zusammenarbeiten zu können.

Klaus Hermansen sprach von Hilfe zur Selbsthilfe und einer Arbeit von Hand in Hand zum gemeinsamen Vorteil auch einer solidarischen Gesellschaft. Eben die Gemeinsamkeit im Sinne des urprünglichen Ansinnens der Arbeiterwohlfahrt, von der Gerda Kieninger zuvor gesprochen hatte.

Freude über die großzügige Spende der Sparkasse, verbunden mit der Hoffnung, dass die noch fehlende Summe für das Ins-Werk-Setzen des Projekts „Generationenkarussell“ bis zum Hoffest am 15. September zusammenkommt

Alle am Projekt „Generationenkarussel“ Beteiligten haben sich über die großzügige Spende der Sparkasse Dortmund für die Anschaffung und Montage des Spielgeräts außerordentlich gefreut. Nun hoffen sie, dass der noch fehlende Restbetrag von achttausend Euro bis zum Hoffest am 15. September durch Spenden von Organisationen und Privatpersonen zusammenkommt. Geht alles gut, wird der bei den DortmunderInnen wie bei auswärtigen Gästen ohnehin beliebte Schultenhof im Frühjahr 2020 um eine weitere Attraktion reicher sein.

Spendenkonto Stichwort Generationenkarussell

Sparkasse Dortmund

IBAN: DE03440501990001069691

BIC: DORTDE33XXX

Oltdtimer-Traktoren werden auch wieder zum Hofffest zu sehen sein. Foto: Stille (Archiv)

Hoffest am 15. September 2019 – der Schultenhof informiert:

Hier ein historischer Framo-Transporter vor der Kulisse des Landgasthauses; Fotos: C. – D. Stille (Archiv)

Am Sonntag, 15.09.2019, von 11 bis 18 Uhr findet das legendäre Hoffest statt. Wir bieten haustürnah mit Hofgastladen, Scheune und Hoftieren wie Hängebauchschweinen und Hühnern Freude am Naturerleben für die ganze Familie und vermittelt ganz nebenbei noch spannendes Wissen über Ökologie und Naturschutz.. Außerdem locken viele Mitmachaktionen. Der Verein QuerWaldEin e.V. informiert Wald- und Naturinteressierte aller Altersstufen über attraktive pädagogische Angebote. Grillspezialitäten und jede Menge Leckereien runden den Besuch ab. Treckerfahrten, Bio-Ferkel-Infostand, Strohburg und eine Ausstellung von Oldtimer-Traktoren u.v.m. Der Eintritt ist kostenfrei. (

Die AWO wird  100

Das große AWO-Jubiläumsfest findet vom 30. August bis zum 1. September in der Dortmunder Innenstadt statt. Eintritt frei.

Gedenken und Mahnung am Hiroshima-Tag in Dortmund

Künster Leo Lebendig (mit Hut) mit seinem purpurfarbenen Kranich (rechts). Fotos: C. Stille

Vor 74 Jahren warf die US-Luftwaffe eine Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima. Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit überhaupt, dass eine solch schreckliche Waffe auf bewohntes Gebiet abgeworfen wurde. Es war der 6. August 1945, morgens um 8.15 Uhr.

An diesem Tag starben in Hiroshima 140.000 Menschen. Noch heute sterben dort Menschen an den Spätfolgen nuklearer Verstrahlung. IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs – Ärzte in sozialer Verantwortung) und die Deutsch-Japanische Gesellschaft der Auslandsgesellschaft luden am 6. August zu einem Mahngang ein. Dieser führte am Platz von Hiroshima und führte zum Ginkgobaum am Dortmunder Rathaus. Es wurde der Opfer des Atombombenabwurfs mit einer Schweigeminute gedacht, auf die gegenwärtigen Gefahren hingewiesen und gefordert, den Vertrag zum Verbot von Atomwaffen zu unterschreiben.

Leo Lebendigs Papierkranich möchte Frieden und Glück bringen und die Liebe befördern

Die TeilnehmerInnen des diesjährigen Mahnganges hatten sich auf dem Platz von Hiroshima eingefunden. Unmittelbar dort, wo Anselm Treeses Kunstwerk „Mutter von Hiroshima“ steht. Dort war auch der pupurfarbene Papierkranich des Dortmunder Künstlers Leo Lebendig „gelandet“. Wie er sagte, um Frieden und Glück zu bringen sowie Liebe zu befördern. Der Kranich ist das japanische Symbol des Glücks und Zeichen der Friedensbewegung.

Dr. Inge Zeller bedauerte, dass Deutschland bislang den ICAN-Vertrag nicht unterzeichnet hat, lobte aber, dass Dortmund den ICAN-Städteappell signierte

Dr. Inge Zeller (IPPNW) sagte in ihrer kurzen Rede, die Opfer der Atombombenabwürfe (von Hiroshima und am 9. August 1945 auf Nagasaki)

Dr. Inge Zeller (IPPNW).

mahnten uns auch nach 74 Jahren „für eine Welt ohne Atomwaffen einzutreten.“ Sie gab zu bedenken: „Doch noch immer gibt es weltweit rund 15.000 Atomwaffen, von denen etwa 1800 in ständiger Alarmbereitschaft gehalten werden und der Menschheit innerhalb weniger Minuten ein Ende bereiten könnten. Die Schicksale der Menschen von Hiroshima und Nagasaki mahnen uns, wie wichtig das Engagement für eine atomwaffenfreie Welt ist.“ Dies verdeutlichten auch die aktuellen Spannungen zwischen den Atommächten. Der INF-Vertrag zwischen den USA und Russland sei gescheitert. Die Kriegsgefahr zwischen Pakistan und Indien weiterhin sehr hoch. Dazu käme, dass „alle Atommächte ihre Arsenale des Schreckens qualitativ aufrüsten“.

„Grund zu Hoffnung“, so Dr. Zeller, „weckt der im Juli 2017 verabschiedete Vertrag ICAN“, der inzwischen von 70 Staaten unterzeichnet und von zirka 30 Staaten ratifiziert worden sei. Neunzig Tage nach Ratifizierung seitens des 50. Staates würde der Vertrag in Kraft treten und eine völkerrechtliche Lücke schließen, um diese Massenvernichtungswaffen zu verbieten. Sie bedauerte, dass Deutschland den ICAN-Vertrag (Vertrag zum Verbot von Atomwaffen, verabschiedet 2017 bei der UNO, organisiert von der Internationalen Kampagne ICAN, die im gleichen Jahr den Friedensnobelpreis dafür erhielt) bislang nicht unterzeichnet hat. Obwohl eine große Mehrheit der Bundesbürger dafür ist. Inge Zeller informierte darüber, dass unterdessen mehrere internationale und deutsche Städte, darunter Dortmund, den ICAN-Städteappell unterzeichnet, womit sie ein Zeichen nach Forderung atomarer Abrüstung gesetzt haben.

Dem Vortrag des Gedichts „Hiroshima“ folgte eine Schweigeminute für die Opfer des US-amerikanischen Atombombenabwurfs

Nachdem das Gedicht „Hiroshima“ (1951) von Marie Luise Kaschnitz verlesen worden war, legten die Versammelten eine Schweigeminute ein. Dann begannen sich die zum Mahngang erschienenen Menschen mit ihren Transparenten und Schildern – der pupurne Kranich von Leo Lebendig „schwebte“ mit ihnen – in Bewegung zu setzen. Sie überquerten den Hansaplatz und passierten Friedenssäule und Rathaus, um dann an der Gedenkstätte am Ginkgobaum einen Halt einzulegen.

Der Ginkgobaum war eine Geschenk des zeitlebens unermüdlich für ein weltweites Atomwaffenverbot eintretenden Dr. Shuntaro Hida an Dortmund

Dieser Ginkgobaum erinnert an die Opfer des US-amerikanischen Atombombenabwurfs auf Hiroshima.

Heinz-Peter Schmidt (IPPNW) erinnerte daran, dass der japanische Arzt Dr. Shuntaro Hida bei einem Besuch in Dortmund den inzwischen prächtig gediehenen Ginkgobaum der Stadt damals geschenkt habe. Zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister Günter Samtlebe habe Schmidt diesen Baum seinerzeit eingepflanzt. Dr. Hida (im Alter von 100 Jahren 2017 gestorben) war ein Hibakusha (Überlebender des US-Atombombenabwurfes auf Hiroshima). Zeitlebens und unermüdlich habe sich Dr. Hida für die Hibakusha und ein weltweites Atomwaffenverbot eingesetzt, sagte Heinz-Peter Schmidt. Der Ginkgobaum gilt als Symbol des Überlebens nach dem Atombombenabwurf.

Dr. Inge Zeller, Johannes Koepchen, Dr, Schulz und Hans-Peter Schmidt am Ginkgobaum (vl.).

Die Flagge der „Mayors for Peace“ wehte an diesem Hiroshima-Tag

Am Dortmunder Rathaus war am Hiroshima-Tag die Flagge der „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden), damit ist auch ein verpflichtendes

Die Flagge „Bürgermeister für den Frieden“.

Eintreten dieser Bürgermeister gegen Atomwaffen verbunden, gehisst. Dortmund ist bereits seit einigen Jahren als eine der ersten Städte dieser Initiative beigetreten.

Johannes Koepchen „Ohne Atomindustrie sind keine Atomwaffen möglich“

Johannes Koepchen (IPPNW).

Vor dem Eingangsportal des Rathauses sprach Johannes Koepchen (IPPNW) über die Entstehung des INF-Vertrages – unterschrieben am 8. Dezember 1987 durch den sowjetischen Generalsekretär der KPdSU, Michael Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan -, der Mittelstreckenraketen in Europa verboten hatte und nun am 1. August dieses Jahres – zunächst von den USA, dann auch von Russland gekündigt – ausgelaufen ist.

Als brisant schätzte Koepchen ein, dass in Büchel in der Eifel nach wie vor etwa 20 US-Atomwaffen stationiert sind. Koeppchen: „Deutschland hat Zugang zu Atomwaffen über die „Nukleare Teilhabe“. Heißt nichts anderes als das: Deutschland kann im Rahmen der „Nuklearen Teilhabe“ der NATO in die Bredouille kommen, die US-Atomwaffen mit Flugzeugen der deutschen Luftwaffe auszutragen.

Kritisch findet Johannes Koepchen: „Außenminister Maas erklärt zwar, er wolle auch eine atomwaffenfreie Welt; – aber die Atomwaffen in Büchel dürfen bleiben, und der Verbotsantrag der Atomwaffen wird von der Bundesregierung boykottiert.“

Und Koepchen rief in Erinnerung: „Weil die Lage so brisant ist und weil die große Mehrheit der Menschen keine Atomwaffen will, hat auch der Stadtrat in Dortmund im März mit großer Mehrheit eine Resolution verabschiedet, die diesen Verbotsantrag unterstützt und die Bundesregierung aufgefordert, sich mit ihm zu befassen.“

Unmissverständlich machte Koepchen deutlich, dass Atomindustrie und Atomwaffen zusammen gehörten: „Ohne Atomindustrie sind keine Atomwaffen möglich – das ist auch ein Grund, warum so viele Staaten an den Atomreaktoren festhalten“.

Äußerst bewegender Film im Rathaussaal „Westfalia“: „ Als die Sonne vom Himmel fiel“

Im Saal Westfalia des Dortmunder Rathauses wurde er äußerst bewegende Film „Als die Sonne vom Himmel fiel“ (Schweiz) von Aya Domenig vorgeführt. Zum Film: Auf den Spuren ihres verstorbenen Grossvaters, der nach dem Abwurf der Atombombe 1945 als junger Arzt im Rotkreuzspital von Hiroshima gearbeitet hat, begegnet die Regisseurin einem ehemaligen Arzt und einer Krankenschwester, die Ähnliches erlebt haben wie er. Zeit

Yoko Schlütermann.

seines Lebens hat ihr Grossvater nie über seine Erfahrungen gesprochen, doch durch die große Offenheit ihrer Protagonisten kommt sie ihm näher. Als sich am 11. März 2011 in Fukushima eine neue Atomkatastrophe ereignet, nimmt ihre Suche eine neue Wendung. Übrigens kommt im Film auch Dr. Shuntaro Hida vor, welcher Dortmund den Ginkgobaum geschenkt hatte.

Yoko Schlütermann skandalisierte, dass zur in Tokio stattfindenden Olympiade 2020 Wettkämpfe auch in der Präfektur Fukushima stattfinden sollen, wo der Atomunfall geschah: Strahlender Wahnsinn

Die Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft der Auslandsgesellschaft, Yoko Schlütermann, sprach davon, dass der Bürgermeister von Hiroshima sich bei der diesjährigen Zeremonie am Hiroshima-Tag von japanischen Regierung wünschte, dass sie den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichne und ratifiziere. Doch der japanische Premier Shinzo Abe habe lediglich zugesichert, über die Folgen der Atombombenabwürfe zu informieren und als Brücke zwischen Atommächten und Nichtatommächten vermittelnd dienen zu wollen. Über den Atomwaffenverbotsvertrag, so Yoko Schlütermann, habe er indes kein Wort verloren.

Äußerst bedenklich findet sie, dass die japanische Regierung, die den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Spiele 2020 (24. Juli bis zum 9. August 2020) in Tokio bekommen hat, diese Spiele als „Wiederaufbauolympiade“ deklariert habe. Einen Teil der Wettkämpfe sollen nämlich sogar in der Präfektur Fukushima – also dort wo der AKW-Unfall geschah! – stattfinden.

Damit werde der Welt vorgetäuscht, dass das Fukushima-Desaster bereits unter Kontrolle sei.

Vor diesem Hintergrund werde die Deutsch-Japanische Gesellschaft eine zweitägige Konferenz (14. und 15. September 2019) mit dem Thema „Für eine Olympiade in Tokio, die die Gefahren von Fukushima nicht verschweigt“ veranstalten. Unter anderen wird daran als Referent auch Eiichi Kido (Professor für Politik, Universität

Die Trommlergruppe „Senryoko“.

Osaka/Bochum) teilnehmen, der zur Veranstaltung am 6. August im Rathaus anwesend war.

Zu einem wahren Höhepunkt gestaltete sich der Auftritt der Trommler-Gruppe „Senryoko“ mit ihrer Taiko-Darbietung vorm Dortmunder Rathaus.

Erklärung der NaturwissenschaftlerInnen-Initiative zum 74. Jahrestag des Atombombenanwurfes seitens der USA auf Hiroshima

Der 74. Jahrestag der verbrecherischen und verheerenden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki ist Anlass, die Kernaussage zu erneuern: Entweder die Menschheit schafft die Atombombe ab oder die Atombombe die Menschheit.

Wenige Tage nachdem der INF-Vertrag zur Abrüstung von Mittelstreckenraketen beendet wurde, wird das nukleare Wettrüsten verschärft.  Es geht um milliardenteure Modernisierungsprogramme in allen Atomwaffenstaaten, die Entwicklung neuer (Mini-)Atomwaffen in den USA und die vielfältigen Gefahren der weiteren Verbreitung von Atomwaffen, angeheizt durch Spekulationen über Atomwaffenprogramme Irans und Saudi Arabiens.

Daher fordert die NaturwissenschaftlerInnen-Initiative:

  • Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention zur Abschaffung aller Atomwaffen und als ersten Schritt die Unterzeichnung des Vertrages zum Verbot von Atomwaffen auch durch die Bundesregierung.

Die Aussage der Bundesregierung für eine Welt ohne Atomwaffen – zuletzt erneuert durch den Außenminister Maas – ist unglaubwürdig und dient der Weißwaschung eigener Aufrüstungspolitik solange die Bundesregierung

  • nicht den Abzug der US-Atomwaffen aus Büchel fordert und das entsprechende Abkommen mit der US-Regierung kündigt;

  • die nukleare Teilhabe nicht sofort beendet, stattdessen sogar neue Flugzeuge für diese völkerrechtswidrige Teilhabe an Atomwaffen beschaffen will;

  • den Ersteinsatz von Atomwaffen in der NATO-Doktrin nicht beenden will;

  • sich weiter gegen den UN-Vertrag zum Atomwaffenverbot ausspricht;

  • nicht ausschließt, gemeinsam mit der französischen Regierung perspektivisch über eine europäische Atombombe (mit) zu verfügen.

Wir sagen: Nukleare Abrüstung sieht anders aus! Wir fordern eine eigenständige Politik zur Abrüstung und Abschaffung aller Atomwaffen durch

  • den Verzicht auf die nukleare Teilhabe und die Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrages;

  • das Einbringen einer Resolution in die Vereinten Nationen, die alle Atomwaffenstaaten auffordert, auf die atomare Modernisierung zu verzichten und das Geld für die Realisierung der globalen Nachhaltigkeitsziele zur Verfügung zu stellen.

Die NaturwissenschaftlerInnen-Initiative wird sich in diesem Sinne gemeinsam mit allen Initiativen und Organisationen weiterhin aktiv und konkret für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen. Unser Ziel bleibt: Zum 75. Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki 2020 müssen die Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention beginnen, die alle Atomwaffen verbietet und abschafft.

Für meine LeserInnen in Dortmund:

74 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki

17:00 Uhr: Treffpunkt am Hiroshimaplatz (Musik und Redebeitrag), anschließend Mahngang durch die Stadt bis zur Ginkgobaum-Gedenkstätte

17:45 Uhr: Trommelspiel von Senryoku Daiko vor dem Rathaus auf dem Friedensplatz

18:00 Uhr: Filmaufführung „Als die Sonne vom Himmel fiel“ von Aya Domenig im Rathaus (Eintritt frei)

Zum Film: Auf den Spuren ihres verstorbenen Großvaters, der als junger Arzt nach dem Abwurf der Atombombe im Rotkreuzspital von Hiroshima gearbeitet hat, begegnet die Regisseurin einem ehemaligen Arzt und einer Krankenschwester, die Ähnliches erlebt haben wie er. Zeit seines Lebens hat ihr Großvater nie über seine Erfahrungen gesprochen, doch durch die große Offenheit ihrer Protagonisten kommt sie ihm näher. Die Menschen, die in diesem Film porträtiert werden, treten seit ihrer einschneidenden Erfahrungen im atomar verwüsteten Hiroshima unermüdlich gegen das große gesellschaftliche Schweigen an, das bis heute über die wahren gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen der Atombombenabwürfe herrscht.

Veranstalter: Deutsch-Japanische Gesellschaft Dortmund in der Auslandsgesellschaft.de e.V., IPPNW Dortmund

Fridays-for-Future Sommerkongress mit 1700 TeilnehmerInnen tagte fünf Tage in Dortmund. Erfahrungen wurden ausgetauscht und Vernetzungen untereinander ausgeweitet. Nächster wichtiger Termin: der Klimastreik am 20. September

Die Fridays-For-Future-Bewegung läuft und läuft. Wenn da Menschen dachten, sie werde sich totlaufen, so haben sie sich schwer getäuscht. Immerhin liefen die Klimastreiks bereits seit Dezember 2018 jeden Freitag weltweit für eine Zukunft auf einem lebenswerten Planeten.

Doch so sicher, dass man auf lange Sicht durchhalten würde, waren nicht einmal manche ihrer AktivistInnen. Und jetzt gab es sogar den ersten Fridays-For-Future-Sommerkongress im Dortmunder Revierpark Wischlingen!

Aktion vor dem Opernhaus Dortmund. Fotos: C. Stille

Vom 31. Juli bis zum 4. August 2019 fand er unter großer Beteiligung von KlimaaktivistInnen aus fast allen Fridays-for-Future-Ortsgruppen in Deutschland im Dortmunder Revierpark Wischlingen statt. Seit vergangenen Mittwoch tauschten sich KlimaaktivistInen auf diesem Sommerkongress aus. Insgesamt standen rund 200 Veranstaltungen – darunter Seminare, Podiumsgespräche und auch Auftritte von KünstlerInnen – auf dem Programm. Am Freitag strömten die Teilnehmer in die Dortmunder Innenstadt und demonstrierten dort an mehreren Orten sowie vor Unternehmen für besseren Klimaschutz. Die FFF-AktivistInnen legen Wert darauf unabhängig zu sein. Von Parteien wollen sie sich nicht für deren Zwecke instrumentalisieren lassen. Der Klimaschutz, sagen sie, ist für sie „unbedingt etwas, das überparteilich ist“. Auch gab es einen Schulstreik und ein Die-in. Nach Angaben der Veranstalter kamen insgesamt rund 1700 Menschen zu der Tagung.

Der Kongress wurde zu achtzig Prozent aus Spenden, Teilnehmerbeiträgen und durch Crowdfunding sowie zu zwanzig Prozent durch Stiftungen und NGOs finanziert worden. Hier die Website des FFF-Sommerkongresses. Sowie das Interview des Fernsehsenders phoenix mit Helena Marschall (Mitorganisatorin des FFF-Sommerkongresses).

Sinn und Zweck dieses FFF-Sommerkongresses war es, mit vielen Gleichgesinnten zusammenzukommen und sich auszutauschen damit die Bewegung noch größer, bunter und weltbewegender werden kann. Es ging freilich auch darum, sich gut zu vernetzen, Erlebnisse und Erfahrungen teilen, sowie in Workshops voneinander und bei Diskussionsrunden von WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen Neues lernen. Was die KlimaaktivistInnen empört: „Obwohl wir uns mitten in der Klimakrise befinden, erleben wir in der Politik nur Stillstand. Deswegen vernetzen wir uns, tauschen uns aus, lernen Neues, probieren uns aus und nehmen unsere Zukunft selbst in die Hand.“

Die Organisatoren am Ende des Sommerkongresses auf Twitter: „Diese Bewegung macht uns stolz! 5 Tage Sommerkongress sind seit heute Nachmittag vorbei. Danke an alle, die teilgenommen haben – #FridaysForFuture wird nach 7,5 Monaten nicht leiser, seid euch sicher!“

Der nächste große Termin für alle, die etwas fürs Klima tun wollen ist der bundesweite Klimastreik am 20. September. Ein junge Aktivistin, die ich auf der Terrasse des Opernhauses Dortmund während einer Aktion am vergangenen Freitag treffe, bittet mich freundlich, möglichst viele Menschen zu motivieren, an diesem Tag fürs Klima auf die Straße zu gehen. Wer arbeiten muss, sagt sie, könne ja die Mittagspause dafür nutzen. Alt und jung mögen bitte auf die Straße gehen und die FFF-AktivistInnen unterstützen.

Schauen Sie mein kurzes Video auf Facebook von der Aktion auf dem Platz der Alten Synagoge vor dem Opernhaus Dortmund am vergangenen Freitag.

Der 20. September als Termin für den Klimastreik ist bewusst gewählt: Am 20. September will das sogenannte „Klimakabinett“ der Bundesregierung ein Paket mit konkreten Klimaschutzmaßnahmen beschließen.

Sehen Sie, lieber LeserInnen, bitte auch das Interview (oben), welches mein Nordstadtblogger-Kollege Karsten Wickern auf dem Gelände des Revierpark Wischlingen mit einer Aktivistin geführt hat. (Quelle Video:

Nordstadtblogger/You Tube. Autor: Karsten Wickern Kamera: Marvin Finger). Auch seinen heute auf Nordstadtblogger.de erschienenen Abschlussbericht empfehle ich zu lesen.

Geflüchtete Väter engagierten sich mit ihren Kindern gesellschaftlich beim Bau von Insektenhotels auf dem Hauptfriedhof Dortmund

Vorm Insektenhotel. Ella Mönch, Nahid Farshi, Rebecca Dettling, Essam Alkuwaifi, Marwa Alkuwaifi, Abdullah Aldali, Ghazi Aldali, Farah Alkuwaifi, Tammam Aldali und Jendrik Herdemann (v.l.). Fotos: C. Stille

Geflüchtete, die sich gerne gesellschaftlich engagieren wollten, nutzten mit Freuden Möglichkeiten, die das Integrationsnetzwerk „lokal willkommen“ in Brackel/Aplerbeck anbot. In Kooperation mit dem Dortmunder Hauptfriedhof initiierte das Netzwerk das partizipative Angebot zum Bau von Insektenhotels. Diese Woche nun wurden die zwei Insektenhotels in Anwesenheit der beteiligten kleinen und großen BaumeisterInnen der Presse vorgestellt. Die Herbergen sind bereits zum Teil von Gästen bezogen worden. Die Insektenhotels sind Bestandteil der laufenden Bewerbung um das Label „StadtGrün naturnah“, um das sich die Stadt Dortmund beworben hat. Noch in diesem Jahr wird in Kooperation mit dem Referat Ökumene der evangelischen Kirche ein Gemeinschaftsgarten mit Hochbeeten im Meylantviertel in Dortmund-Wickede errichtet, der als Treffpunkt für alle Anwohnerinnen und Anwohner dienen und zudem die ökologische Vielfalt stärken soll. Die am Bau der Insektenhotels auf dem Hauptfriedhof beteiligten Kinder aus den Familien der Geflüchteten haben sich bereits jetzt auch für dieses Projekt vormerken lassen.

Das Projekt stieß von Anfang an auf begeistertes Interesse bei den aus Syrien geflüchteten Vätern sowie ihren Kindern

Die aus Syrien geflüchteten Väter Essam Alkuwaifi (Agraringenieur) und Tammam Aldali (Fliesenleger) zeigten sich von Anfang an begeistert von dem Projekt. Ihnen war schon des Längeren danach, sich mit gesellschaftlicher Arbeit nützlich zu machen. Erst recht freuten sich deren Kinder, hatten sie doch schon an ihren

Die Kinder zeigen auf ihre Namen.

jeweiligen Grundschulen Erfahrungen im Bau von Insektenhotels gesammelt. Von daher war den zwei Jungen und zwei Mädchen auch bekannt, für welche Tiere die unterschiedlichen zu verwendenden Materialien dienen können.

In knapp fünf Stunden waren zwei große Insektenhotels fertiggestellt

Gebaut wurden die zwei Insektenhotels in den Osterferien. Die Kinder und deren handwerklich begabte Väter waren von jetzt auf gleich engagiert bei der Arbeit. Innerhalb von nur knapp fünf Stunden waren zwei große Insektenhotels fertiggestellt. Die fachmännische Leitung hatte Jendrik Herdemann, der bereits diverse Insektenhotels baute, zusammen mit Bernd Fröse, dem Schreiner des Hauptfriedhofs, übernommen.

Nun stehen die beiden Insektenherbergen fest an Metallstangen verschraubt und am Boden an ihren zwei Standorten verankert und warten auf Gäste

Beide Insektenanflugstellen befinden sich auf der ökologisch angelegten Wildblumenwiese auf dem Dortmunder Hauptfriedhof

Farah mit Papa Essam Alkuwaifi zeigen dorthin, wo schon Insekten eingezogen sind.

Am Donnerstag nun standen die beiden Mädchen Marwa und Farah und die beiden Jungen Abdullah und Ghazi mit leuchtenden Augen zunächst vor dem ersten Insektenhotel. Voller Freude stellten sie nämlich fest, dass bereits die ersten Hotelgäste eingezogen waren. Lob für die gemeinsame Arbeit zollten ihnen sowie ihren Vätern Nahid Farshi, Ella Mönch (Caritas) und Rebecca Dettling, die zusammen für „lokal willkommen“ erschienen waren.

Zum Standort mitten im Grünen hatte die Erbauer und die Pressevertreter Uli Heynen (Friedhöfe Dortmund) geleitet. Beide Anflugstellen für Hummeln, Schmetterlinge und Bienen befinden sich – ideal gelegen – auf der ökologisch angelegten Wildblumenwiese. Mangeln an weiteren Hotelgästen aus dem Reich der Insekten dürfte es insofern nicht. Denn die Wildblumenwiese ist eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele nützliche Insekten, wie Hummeln, Schmetterlinge und Bienen.

Insektenhotels sind künstliche geschaffene Nist- und Überwinterungshilfen für Insekten

Jendrik Herdemann erklärte vor dem ersten Insektenhotel, dass man für die Behausungen der Insekten unbedingt Laubholz benutzen müsse. Ein Insektenhotel ist eine künstlich geschaffene Nist- und Überwinterungshilfe für Insekten.

Für unterschiedliche große Insekten habe man, so Herdemann, in den im Kasten eingesetzten Holzblöcken Bohrungen von 5,6,8 und 10 Zentimeter Durchmesser gesetzt.

Für uns Menschen sind Wildbienen extrem überlebenswichtig. Eine Wildbiene bestäubt pro Tag bis zu 5000 Pflanzen

In die großen Bohrungen gehen hauptsächlich rote, gehörnte Mauerbienen hinein, war von Jedndrik Herdemann zu erfahren. Die Wildbienen legen ihre Eier in den Bohrungen der Hartholzblöcke ab, sie sammeln Nektar und Pollen – als Verpflegung für den Winter – und verschließen dann die einzelnen Brutzellen in den gebohrten Röhren mit Lehm und ihrem Speichel. Für uns Menschen sind die Wildbienen extrem überlebenswichtig. Im Frühjahr schlüpfen dann die neuen

Am zweiten Insektenhotel.

Wildbienen. Und fliegen aus. In Deutschland gibt es ungefähr 500 Arten von Wildbienen. Nach ein paar Wochen im Frühling sterben die Tiere dann auch schon wieder. Doch immerhin, heißt es, bestäubt eine Wildbiene an einem Tag bis zu 5000 Blüten. Die Pflanzen könnten sich ohne diese Bienen gar nicht vermehren. Hinzu kommt, dass die unterschiedlichen Wildbienen eine Symbiose mit jeweils unterschiedlichen Pflanzen eingehen und ausschließlich nur diese bestäuben. Stirbt diese Bienenart aus, stirbt unweigerlich auch die ihr entsprechende Pflanze.

Auch Faltenwespen können dieses Insektenhotel nutzen. Das eingefüllte Stroh im Kasten ist für Nutzung durch Schmetterlinge gedacht. Drahtgitter an der Insektenhotelfront dienen dem Schutz vor Vögeln. Der Bau und die „Eröffnung“ der zwei Insektenhotels sind ein Einsatz für die Umwelt und gegen das Insektensterben.

Bewerbung um das Label „StadtGrün naturnah“

Die Insektenhotels sind nun Bestandteil der laufenden Bewerbung um das Label „StadtGrün naturnah“, um das sich die Stadt Dortmund beworben hat. Das Label „StadtGrün naturnah“ unterstützt Kommunen dabei, ihre Grünflächen ökologisch aufzuwerten, um attraktive Lebensräume für Mensch und Natur zu schaffen. Gefördert wurde das Projekt von „KOMM-AN NRW“, ein Programm des Landes NRW zur Förderung der Integration und Partizipation von Flüchtlingen in den Kommunen.

Nächstes Projekt in Dortmund: Gemeinschaftsgarten mit Hochbeeten im Meylantviertel in Wickede

Das Integrationsnetzwerk „lokal willkommen“ Brackel/Aplerbeck beteiligt sich mit zwei Projekten an dem Labelingverfahren „StadtGrün naturnah“, informierte Ella Mönch am Rande der Pressebegehung. Neben dem Bau von Insektenhotels wird in Kooperation mit dem Referat Ökumene der evangelischen Kirche ein Gemeinschaftsgarten mit Hochbeeten im Meylantviertel in Dortmund-Wickede errichtet, der als Treffpunkt für alle Anwohnerinnen und Anwohner dienen und zudem die ökologische Vielfalt stärken soll. Zur Eröffnung im nächsten Monat ist ein gemeinsamer Barbecue – Nachmittag geplant.