Gustav-Adolf „Täve“ Schur darf wieder nicht in die „Hall of Fame des deutschen Sports“

Zentralbild Illner 12.5.1955 – VIII. Internationale Friedensfahrt Prag-Berlin-Warschau 1955 – 8. Etappe von Leipzig nach Berlin über 200 km. UBz: Der strahlende Etappensieger in Leipzig, Schur (DDR). Via Wikipedia.

Die Jury der „Hall of Fame des deutschen Sports“ (HoF) hat vier neue Mitglieder gewählt, vermeldet sie: Heike Drechsler, Sven Hannawald, Franz Keller und Lothar Matthäus erhielten jeweils eine deutliche Stimmenmehrheit. Gustav-Adolf „Täve“ Schur“ heiß es, „verfehlte das Quorum von 50 Prozent der abgegebenen Stimmen“.

Die Radsportlegende wurde bereits das zweite Mal abgelehnt. Eine dritten Anlauf soll es nun nicht mehr geben.

Fortsetzung des Kalten Krieges?

Ist diese zweite Ablehnung des DDR-Sportidols, dem wir als Kinder bei der Internationalen Friedensfahrt mit „Täve, Täve!“-Rufen vom Straßenrand zujubelten und anfeuerten, eine Fortsetzung des Kalten Krieges aus Zeiten der Systemkonfrontation? Sport war immer auch politisch. Die DDR begriff es so und der Westen kritisierte das scharf. Auch das war politisch. Vielleicht heuchlerisch. War nun im Jahre 2017 (!) die Entscheidung gegen Gustav-Adolf Schur in der Hall of Fame auch wieder eine politische? Gewiss. Davon darf man ausgehen. Dieses Verhalten ist schoflig, wenn nicht gar schändlich zu nennen. Denn Täve als Sportler und Mensch war stets ein akzeptiertes Vorbild für viele Menschen. Und er ist es noch heute. Er wird nach wie vor hochgeachtet und oft geehrt. Sein Verhalten Sportsfreunden und selbst seinerzeit Rivalen auf der Rennstrecke gegenüber sowie auch im täglichen Leben ist bis heute von Kameradschaft und Mitmenschlichkeit geprägt.

Was wohl den Ausschlag für die abermalige Ablehnung von Täve Schur gab

Daran gab und gibt es nichts zu rütteln. Was aber wohl einigen in der Deutschen Sporthilfe und in der Jury der (HoF) nicht passte und sie offenbar partout nicht verknusen konnten oder wollte, war, dass Täve Schur nicht dazu bereit war, den DDR-Sport pauschal mit Schmutz zu bewerfen. Zuletzt in einem Interview mit dem neuen deutschland wollte er den DDR-Sport nicht als kriminell verteufelt wissen. Doping, meinte er, habe es auch im Westen – sogar mit Toten – gegeben. Das nd stellte Schur fragte:

„Die Dopingopferhilfe nennt Sie eine »zentrale Propagandafigur des kriminellen DDR-Sports«. Können Sie diese Sichtweise nachvollziehen?“

Täve Schur antwortete:

(lacht) „Das ist doch eine gezielte Provokation, muss ich sagen. Es steht für mich derzeit eher die große Frage, was wir denn noch vom Westdoping in Erfahrung bringen können. Was auf der Ostseite passiert ist, wissen wir. Was im Westen passiert ist, erfahren wir erst so langsam, jüngst zum Beispiel durch die Doktorarbeit eines Apothekers. Die deutsche Dopingvergangenheit muss insgesamt aufgeklärt werden, in Ost und West.“

Des Weiteren dürfte man Gustav-Adolf „Täve“ Schur immer noch übelnehmen, dass er als Abgeordneter in der DDR-Volkskammer und später für die PDS im Deutschen Bundestag gesessen hat.

Schändlich, wie bereits bemerkt, diesen bemerkenswerten Sportler nicht mit der Aufnahme in der Hall of Fame zu ehren. Manche Menschen können wohl nicht über ihren Schatten springen, weil sie glauben, den Kalten Krieg  fortzuführen müssen. Ein Sepp Herberger, der einst NSDAP-Mitglied war, ist in der Hall of Fame verewigt. Das, nur nebenbei bemerkt. Ein Kommentator des MDR sieht die abermalige Nichtaufnahme von Täve Schur ebenfalls kritisch.

An der Beliebtheit von Täve Schur wird diese Entscheidung nichts ändern. Die Menschen wissen, was sie an der 86-jährigen Sportskanone haben.