„Rechtspopulismus und Angst vor dem Islam“ – Veranstaltung in Dortmund mit dem Soziologen Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer

Foto: C. Stille

Foto: C. Stille

Gewiss ist es nicht falsch, eine verstärkte Ablehnung des Islam in der Bevölkerung mit den Anschlägen von 9/11 in Zusammenhang zu bringen. Zuvor dürfte dieser Religion aber auch nicht gerade mit großem Wohlwollen begegnet worden sein. Der Islam wurde hierzulande eher mit Desinteresse bedacht. Selbst Türkinnen und Türken sind kaum bewusst als Muslime wahrgenommen worden. Das änderte sich nach den Anschlägen von New York schlagartig, welche von muslimischen Attentätern verübt worden sind. Der Islam wurde danach meist mit Terrorismus assoziiert. Und Islamismus mit dem Islam gleichgesetzt. Muslime weltweit – auch in Deutschland – standen quasi unter Generalverdacht. Auch wenn das von offizieller Seite so nie so vertreten worden war: es fehlte an differenzierenden Darstellungen, den Islam und die Muslime betreffend. Weshalb der Eindruck, Islam gleich Islamismus und Terror – vor allem aufgrund der unsäglichen Politik der USA unter Präsident George W. Bush und seinem „Krieg gegen den Terror“ (der doch nur immer neuen Terror und neue Terroristen gebar) – der frühere Feind Kommunismus ward durch denen neuen, den Islam abgelöst – zusätzlich noch durch bestimmte Medien auf fahrlässige Weise verstärkt und so im Unterbewusstsein der Menschen befördert worden ist. Entstanden ist auf diese Weise über einen längeren Zeitraum ein vergiftetes gesellschaftliches Klima. Rechtspopulisten und Ausländerfeinde nutzen es für ihre Zwecke.

„Die Ablehnung des Islam ist in der Bevölkerung weit verbreitet.Dazu kommt, dass jetzt viele Flüchtlinge vor allem aus muslimischen Ländern im Nahen Osten und aus Afrika nach Deutschland gekommen sind. Die Migrationsbewegung stellt die deutsche Gesellschaft vor große Herausforderungen. In dieser Situation greifen rechtspopulistische Gruppierungen antimuslimische und ausländerfeindliche Klischees auf und instrumentalisieren sie. Die Veranstaltung geht der Frage nach, was getan werden kann und muss, um Rechtspopulismus und Islamfeindlichkeit zu begegnen – mit offenem Blick für aktuelle Problemstellungen im Miteinander der Religionen und Kulturen“, schreibt das Christlich-Islamische Forum NRW in seiner Einladung zu einer interessanten Veranstaltung am Mittwochabend in Dortmund.

Der bekannte Soziologe Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer wird zum Thema „Rechtspopulismus und Islamfeindlichkeit in einer entsicherten Zeit“ referieren. Anschließend stehen er und Vertreter der Landtagsfraktionen bzw. Parteien zum Gespräch bereit.

Mit dabei sind Andrea Asch (MdL, Die Grünen), Marc Herter (MdL, SPD), Christian Leye (Die Linke, Landessprecher) und Ahmad Aweimer (Dialog- und Kirchenbeauftragter des Zentralrats der Muslime in Deutschland). Angefragt sind Henning Rehbaum (MdL, CDU) und Dr. Joachim Stamp (MdL, FDP).

Zugegen sein werden ebenfalls Pfarrer Ralf Lange-Sonntag (Referent der Evangelischen Kirche von Westfalen für Fragen des christlich-islamischen Dialogs) und Pfarrer Friedrich Stiller (Referatsleiter im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund).

Angesichts der heutigen Welt und des Rechtsrucks bekommt die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano Angst. Sie hat den Aufstieg der Nazis erlebt und erkennt gewisse Parallelen zum Erstarken rechter Kräfte heute. Foto: C. Stille

Angesichts der heutigen Welt und des Rechtsrucks bekommt die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano Angst. Sie hat den Aufstieg der Nazis erlebt und erkennt gewisse Parallelen zum Erstarken rechter Kräfte heute. Foto: C. Stille

Friedrich Stiller: „Die anhaltende Ablehnung des Islam in der Mehrheit der Bevölkerung ist seit langem ein gesellschaftliches Problem. Wenn das jetzt von Populisten in Stimmen umgesetzt wird, bekommen wir ein noch größeres Problem.“

„Wir müssen engagiert auf die Probleme aufmerksam machen und für den Dialog werben nüchtern und in aller Offenheit“, fügte der evangelische Pfarrer hinzu.

Der Vortrags- und Gesprächsabend „Rechtspopulismus und Angst vor dem Islam“ mit Vertretern der NRW-Fraktionen und Parteien findet am Mittwoch, den 8. Februar, ab 18.30 Uhr in der Abu-Bakr-Moschee, Carl-Holtschneider-Str. 8.a in Dortmund. Der Eintritt ist frei.

Update vom 17. Februar 2017

Hier finden Sie einen Bericht über die Veranstaltung meines Nordstadtblogger-Kollegen Clemens Schröer.

 

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Ein Kommentar zu “„Rechtspopulismus und Angst vor dem Islam“ – Veranstaltung in Dortmund mit dem Soziologen Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer

  1. Hilfloser Antifaschismus
    Als Mensch, der nicht nur in Berlin lebt, sondern auch als Dozent in Kursen arbeitet, die zu 90 % mit Muslimas belegt sind, mag ich solche Veranstaltungsankündigungen bzw. -berichte nicht mehr gerne lesen. Es gab mal Buch mit dem Titel „Der hilflose Antifaschismus“. Zu den Bemühungen von Heitmeyer und Co. könnte man ein ähnliches Werk verfassen. Der Grund für die Wirkungslosigkeit liegt meines Erachtens in der halsstarrigen Weigerung, sich auf das Ganze der Wirklichkeit einzulassen (was auch der Grund dafür ist, dass man außer den ohnehin schon Bekehrten niemanden erreicht).

    Das wäre an sich schon schlimm genug, wenn es nicht zur Folge haben könnte, dass die von Heitmeyer (und bis zu einem gewissen Grade auch von mir) vertretenen Ideale (und irgendwann dann auch deren Vertreter) buchstäblich an die Wand gedrückt werden. Das Fatale an der von Heitmeyer und Co. vertretenen Betrachtungsweise liegt darin, dass sie ausschließlich bestimmte Teile der deutschen Mehrheitsgesellschaft zutreffend als autoritäre Persönlichkeiten mit den entsprechenden Reaktionsmustern identifizieren und kritisieren, während die Muslime en bloc außen vor bleiben. Das ist wie der Versuch, eine Gleichung zu lösen, indem man die Hälfte der Variablen einfach weglässt. Da kann auch nichts Gescheites bei herauskommen. Man sollte also in Betracht ziehen, dass die Muslime in einem weit höheren Maße als die Deutschen autoritär geprägt sind, ungefähr vergleichbar der Mentalität deutscher Großeltern der sechziger Jahre (die waren an den Verbrechen der SS genauso wenig beteiligt wie Mehrheitsmuslime an den Verbrechen des sog. Islamischen Staates e tutti quanti, teilten aber sehr wohl wie jene deren wertemäßiges Grundgerüst. Und dass sich dieser Zustand auf die Schnelle nicht ändern wird, dafür sorgen die bekannten Disziplinierungsmethoden der islamischen Umma (regelmäßige Ermordung von AbweichlerInnen).

    Es geht also darum, für das zivilisatorisch Erreichte (vor allem imho gewaltfreier Umgang mit Kindern, weltanschauliche Neutralität von KindergärtnerInnen, LehrerInnen Richterinnen etc.) einzutreten und es in lang anhaltenden ideologischen Auseinandersetzungen gegen die deutschen und die muslimischen Protofaschisten zu verteidigen. Anderenfalls werden Liberale und Linke einmal mehr die Auseinandersetzung verlieren.

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