Dortmund: „Sexuelle Übergriffe, keine Chance, laute Pfiffe“ – Demo gegen sexuelle Gewalt

Vertreterinnen eines breiten Dortmunder Bündnisses protetieren vor dem Rathaus der Stadt gegen sexuelle Gewalt und fordern eine Reformierung des § 177 des Strafgesetzbuches; Fotos: C.-D. Stille

Vertreterinnen eines breiten Dortmunder Bündnisses protestierten vor dem Rathaus der Stadt gegen sexuelle Gewalt und forderten eine Reformierung des § 177 des Strafgesetzbuches; Fotos: C.-D. Stille

Am Initiative der Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Frauenverbände fand am gestrigen Freitag in Dortmunder City eine Demonstration unter dem Motto „Da hört der Spaß auf! Nein zu sexueller Gewalt“ statt. Ein Breites Bündnis von mehr als 50 Dortmunder Organisationen (Frauenverbände, aber auch Beratungsstellen, Organisationen von Migrantinnen und Migranten, Hochschulen, Mitglieder von Parteien, Gewerkschaften sowie das Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund waren involviert) hatte dazu für den frühen Nachtmittag zum Dortmunder Rathaus gerufen. Etwa 200 Frauen waren gekommen, um gegen sexuelle Gewalt zu protestieren. Auch Männer unterstützten den Protest. Auf der Rathaustreppe wurde unter lautem Skandieren von „Nein heißt nein, nein heißt nein“ auf Töpfe und Topfdeckel getrommelt.

Frauenprotest als Warnung vor weiteren sexuellen Übergriffen bewusst in die Karvevalszeit getragen

Das Datum 5. Februar war bewusst gewählt worden. Immerhin befinden wir uns mitten in der Karnevalszeit. Der Rosenmontag steht vor der Tür. Vor dem Hintergrund sexueller Übergriffe in der Silvesternacht Köln, aber auch anderer Städte – darunter Dortmund – sollte der Frauenprotest eine Warnung vor weiteren sexuellen Übergriffen aussenden.
Justine Grollmann: Kein Fest darf für Männer als Anlass dienen, „übergriffig zu sein“. „Wir Frauen verlangen Respekt“

Zunächst richtete Justine Grollmann von der Arbeitsgemeinschaft der Dortmund Frauenverbände das Wort an die auf dem Friedensplatz versammelten Menschen. „Wir sind wütend“, rief Justine Grollmann ins Mikrofon und nannte als Grund die sexuellen Übergriffe in verschiedenen deutschen Großstädten in der vergangenen Silvester- und Neujahrsnacht: „dass sich so viele Männer, vermutlich sogar abgesprochen, sich zusammengetan haben, um die Feierstimmung auszunutzen, um die Frauen zu bedrängen, zu begrapschen und sexuell zu nötigen“. Grollmann machte unmissverständlich klar: „Da hört der Spaß für uns auf. Nein zu sexueller Gewalt!“ Kein Fest dürfe für Männer als Anlass dienen, „übergriffig zu sein“. „Wir Frauen verlangen Respekt“, fuhr sie fort. Grollmann stellte jedoch klar, selbst wenn Migranten oder Flüchtlinge unter den Tätern von Köln seien, keinem „Generalverdacht gegen Flüchtlinge“ das Wort reden zu wollen. Betroffen seien die Frauen darüber von Fachleuten hören zu müssen, „dass die allermeisten sexuellen Übergriffe nach derzeitigem deutschen Recht nicht strafbar sind“. Das deutsche Sexualstrafrecht, forderte Grollmann, „muss endlich reformiert und den internationalen EU-Standards angepasst werden“. Dabei geht es um den Paragraphen 177. Die Täter müssten ohne Ansehen der Person und Herkunft ermittelt und hart bestraft werden, so Justine Grollmann vor dem Dortmunder Rathaus. Opfer sexueller Straftaten sollten von den Sicherheitsbehörden „respektvoll behandelt“ werden. Ihre Forderung an die Politik: „Baut die Beratungsstellen und die Frauenhäuser aus, sichert deren Finanzierung!“

Der Demonstrationszug verläßt den Friedensplatz in Richtung Innenstadt.

Der Demonstrationszug verläßt den Friedensplatz in Richtung Innenstadt.

Der Dortmunder OB ist ebenfalls für die Reformierung des § 177. Der Dortmunder Rat werde ein dementsprechende Resolution an den Deutschen Bundestag vorbereiten

Zirka 200 Demonstrantinnen, unterstützt auch durch Männer, marschieren durch die Stadt.

Zirka 200 Demonstrantinnen, unterstützt auch durch Männer, marschieren durch die Stadt.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau unterstützte in seinem Redebeitrag eine Reformierung des § 177, wies jedoch gleichzeitig daraufhin, dass die entsprechende Rechtsetzung dem Deutschen Bundestag obliege. Dem Bundesjustizminister zufolge seien diesbezüglich wohl einige Anläufe genommen worden. Die hätten nur „im Bundestag keine Mehrheit gefunden“. Sierau: „Das sollte sich jetzt einmal ändern.“ Man werde aber im Dortmunder Rat „eine an den Bundestag gerichtete Resolution vorbereiten, um jetzt endlich mal zu einer veränderten Rechtslage beizutragen“. Der OB appellierte an den anwesenden Bundestagsabgeordneten Thorsten Hoffmann (CDU), zu einer Beförderung dessen beizutragen. Diese Übergriffe, unterstrich Ullrich Sierau, „sind kein Kavaliersdelikt“. Man dürfe auch nicht zulassen, dass die schlimmen Ereignisse der Kölner Silvesternacht für rechtsextreme oder rechtspopulistische Ansichten instrumentalisiert werden. Damit diese Kräfte „ihr politisches Süppchen darauf kochen“. Auch seien Politiker, die das jetzt täten, welche in der Vergangenheit nicht gerade damit aufgefallen seien, sich für Frauenrechte einzusetzen, nicht besonders glaubwürdig. „Darauf können wir verzichten!“, sagte Ullrich Sierau unter dem Beifall der Demonstranten.
Elaine Yousef (VMDO) trat für „Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit ein. Von der Tochter hat sie gelernt: „Mein Körper gehört mir“

Elaine Yousef für die Palästinensische Gemeinde Dortmund e.V. im VMDO (Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine DO e.V.) rief ins Bewusstsein, dass „sexuelle Gewalt, egal von wem begangen. tagtäglich in unserer Mitte“ stattfindet. „Eine Grenzverletzung, die von uns keinesfalls toleriert wird, die den Menschen in seiner Würde verletzt.“ Der VMDO lehne Gewalt in jeglicher Form ab, machte Elaine Yousef klar. „Wir treten für Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit ein!“ Sie verlieh ihrem Wunsch Hoffnung, „dass dieser Marsch zu einem Zeichen wird, für eine Abkehr von Gewalt und Ausgrenzung“. „Mein Körper gehört mir“, sagte Elaine Yousef, „dass habe ich von meiner Tochter gelernt, und die hat das vor Kurzem in der Schule gelernt“.

Durch die Dortmunder City zur Katharinentreppe

Der Dortmunder OB (schwarze Jacke und Mütze, Bildmitte) hat sich in den Demozug mit eingereiht.

Der Dortmunder OB Ullrich Sierau (schwarze Jacke und Mütze, Bildmitte) hat sich in den Demozug mit eingereiht.

„Sexuelle Übergriffe, keine Chance, laute Pfiffe“ skandierend zogen die zirka 200 Demonstrantinnen zur Abschlusskundgebung an die Katharinentreppe
Unmittelbar nach diesem letzten Redebeitrag am Rathaus setzte sich der Demonstrationszug der Zweihundert, angeführt von einem Streifenwagen der Polizei, durch die Dortmunder Innenstadt in Richtung Katharinentreppe gegenüber dem Hauptbahnhof in Bewegung. Dort fand die Abschlusskundgebung statt. Die Frauen verteilten unterwegs Flyer an Passanten. Die Demonstrantinnen skandierten: „Sexuelle Übergriffe, keine Chance, laute Pfiffe“. Der Dortmunder Oberbürgermeister lief in der zweiten Reihe mit.

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