KünstlerInneninitiative Unruhestiften.de: „Es gibt keine „guten“ und „schlechten“ Flüchtlinge. Nicht Flüchtlinge, sondern Fluchtursachen müssen bekämpft werden“

Über 50 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Über die Fluchtursachen wird so gut wie nicht gesprochen. Auch gestern beim Talk von Anne Will in der ARD  war aus dem Munde der  CSU-Politikerin Monika Hohlmeier darüber nichts zu hören. Allenthalben ist von Überforderung der Kommunen hinsichtlich der Unterbringung von Flüchtlingen die Rede. Dabei wäre die Aufnahmen von noch viel mehr Flüchtlingen in Deutschland gar kein Problem für unser so reiches Land. Der Fehler liegt im System. Man gewinnt bei dem Gerede einiger Politiker nicht nur hierzulande den Eindruck die Flüchtlinge – und eben nicht die Fluchtursachen – gehörten bekämpft. Jetzt werden beträchtliche Summen ausgeben um den Eurotunnel gegen den nicht versiegenden Strom von Flüchtlingen, die von Frankreich nach Großbritannien zu gelangen hoffen, dicht zu machen. Nähmen die Befürworter dieser Maßnahme die Realität zur Kenntnis, sie wüssten, dass das „Flüchtlingsproblem“ nur verdrängt würde. Vielleicht die Flüchtllinge  sogar nur für einige Zeit aufgehalten sein würden.  Auch hier ist anscheinend mit keinem Wort an die Fluchtursachen gedacht. Als existierten sie nicht und Europa hätte keinen Anteil daran!  Andere Länder – wie ausgerechnet Ungarn, das einst die Grenzen für DDR-Flüchtlinge unter dem Beifall der Weltöffentlichkeit  öffnete! – errichten nun ironischerweise Grenzzäune gegen den Flüchtlingsstrom. Solange aber die Fluchtursachen nicht beseitigt werden, wird man dagegen letztlich nur als Verlierer dastehen. Und eine nicht geringe Verantwortung dafür tragen, dass Flüchtlinge bei von purer Verzweifelung getrieben auf der Flucht  im Mittelmeer oder woanders den Tod finden.

Dringend nötig ist ein Paradigmenwechsel betreffs des Umgangs mit Flüchtlingen. Schon die Wortwahl ist da schon oft genug von Übel und führt in Irre. Nehmen wir doch nur den Begriff „Flüchtlingsproblematik“! Impliziert dieser doch: Flüchtlinge sind das Problem.

Heute erreichte meine Redaktionsstube eine Pressemitteilung der KünstlerInneninitiative www.unruhestiften.de, die ich gerne hier auf meinem Blog veröffentliche. Darin heißt es sehr richtig:

„Es gibt keine „guten“ und „schlechten“ Flüchtlinge. Nicht Flüchtlinge,
sondern Fluchtursachen müssen bekämpft werden. Das sind Kriege und eine
Weltwirtschaftsordnung, die maßlosen Reichtum auf der einen Seite, und
auf der anderen massenhaft Hunger und Elend produziert. Wir brauchen
eine andere Welt!“

Pressemitteilung 20150729

Flüchtlinge brauchen offene Grenzen –
wir alle brauchen eine andere Welt!

Im Mittelmeer und an den Landesgrenzen Europas spielen sich
unbeschreibliche Flüchtlingstragödien ab, von denen die Öffentlichkeit
in den Medien nur wenig erfährt. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht auch
hierzulande Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte oder tätliche Angriffe
auf Flüchtlinge erfolgen.
Es ist unerträglich, daß Flüchtlinge wie unerwünschte Personen behandelt
oder gar mit dem Tod bedroht werden!

Mit Abschottung, weiterer Verschärfung der Asylgesetzgebung und
Entrechtung von Flüchtlingen werden Menschenrechte verletzt – und
Rechtsextremisten der Boden bereitet.

Es gibt keine „guten“ und „schlechten“ Flüchtlinge. Nicht Flüchtlinge,
sondern Fluchtursachen müssen bekämpft werden. Das sind Kriege und eine
Weltwirtschaftsordnung, die maßlosen Reichtum auf der einen Seite, und
auf der anderen massenhaft Hunger und Elend produziert. Wir brauchen
eine andere Welt!

Eine gastfreundliche Aufnahme und menschenwürdige Versorgung, die
Schaffung von sozialen Kontakten und die Eröffnung von
Zukunftsperspektiven sind zentrale Aufgaben einer humanitären
Flüchtlingspolitik.

In vielen Gemeinden und Städten unseres Landes engagieren sich
Bürgerinnen und Bürger in der Flüchtlingsbetreuung. Ihre Arbeit ist von
unschätzbarem Wert für Menschen, die nach traumatisierenden
Kriegserlebnissen und Heimatverlust einen Neubeginn in der Fremde wagen
müssen.

Unterstützung leisten auch Kulturschaffende, Theater, Musikgruppen,
SchriftstellerInnen und bildende KünstlerInnen, die gemeinsam mit
Flüchtlingen Lesungen, Ausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen vor
Ort durchführen.
Wir brauchen eine Kultur der Begegnung, Freundschaft und Solidarität mit
Flüchtlingen – statt einer Unkultur der Feindschaft, des Hasses und der
Gewalt gegenüber Fremden.

2000 KünstlerInnen und Kulturschaffende, andere Persönlichkeiten und
Organisationen haben seit Sommer 2009 den bundesweiten Aufruf
http://www.unruhestiften.de unterzeichnet. Es ist ein Aufruf gegen rechts,
gegen die Abwälzung der Krisenfolgen und für die Umverteilung von oben
nach unten, gegen die Kriegspolitik der Bundesregierung – und für die
Förderung der kulturellen Vielfalt.

Für die KünstlerInneninitiative www.unruhestiften.de
c/o Werner Lutz
Kontaktmail: einheiztext@t-online.de

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ARD- und ZDF-Schmierenjournaille attackiert Jürgen Todenhöfer für mutigen Journalismus

Lesetipp!

Die Propagandaschau

Todenhöfer240Ob sich Jürgen Todenhöfer selbst primär als Journalist sieht, sei dahingestellt. Sein mutiges Engagement in den von westlichen Kriegen verheerten Regionen des Nahen und Mittleren Ostens ist von aufklärerischer Natur. Seine Bücher sind nicht nur humanistische Plädoyers, sondern höchst informativ. Todenhöfer sieht sich auf der Suche nach der Wahrheit. All das macht ihn – neben einem Bestsellerautor – auch zu einem Journalisten im besten Sinne des Wortes.

Dass er sich mit diesem Engagement in deutschen Medien nicht unbedingt Freunde macht, liegt auch daran, dass er mit seiner Arbeit ungewollt ihre Untätigkeit, Inkompetenz und politische Agenda kontrastiert und damit besonders deutlich macht.

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„Claus Kleber ist ja schon fast berüchtigt“ – KenFM im Gespräch mit Hermann Ploppa

Unbedingt empfohlen!

Die Propagandaschau

Ken Jebsen im Gespräch mit Hermann Ploppa, das ist ein Parforceritt durch 100 Jahre Herrschaftsgeschichte amerikanischer und deutscher Eliten, die die Massen dumm und unmündig halten, zum eigenen höheren Profit malochen lassen und bei Bedarf in Kriegen gegeneinander oder auf Dritte hetzen.

Ploppa zeigt sich dabei als Enzyklopädie deutscher, US-amerikanischer und transatlantischer Institute und Organisationen, die das Netzwerk bilden, das hinter einer Farce von Demokratie die maßgeblichen Strippen zieht und Weichen stellt. Das ist nicht einfach nur sehenswert, das muss man gesehen haben, wenn man nicht länger Schaf im Zoo der Mächtigen sein möchte.

Eine Stunde und vierzig Minuten vergehen wie im Flug, während sich Puzzlesteine reihenweise in historische Lücken fügen und Fragen beantwortet werden, die etwa Uwe Krüger oder Rainer Mausfeld aufgeworfen haben. Der Klick auf das Bild oben führt zu Ploppas Statements zu deutschen Journalisten der Atlantikbrücke und wie diese in deutschen Medien Meinung und Diskurs bestimmen. Natürlich…

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Griechenland-Talkshows im deutschen Staatsfunk: Völlige Einseitigkeit und ein nationaler Wir-Diskurs

Leseempfehlung!

Die Propagandaschau

tplogoMedienwissenschaftler Matthias Thiele über die Talkshows zur Griechenlandkrise

Gleichklang, hoch problematische Sprachbilder, anstelle von Unparteilichkeit ein Schulterschluss mit Gästen und Titel, in denen eine imaginäre Bedrohung zum Vorschein kommt: Die Medienwissenschaftler Matthias Thiele und Rainer Vowe haben die großen politischen Talkshows im deutschen Fernsehen zum Thema Griechenland analysiert und dabei gewaltige Schlagseiten festgestellt, die dem Selbstverständnis dieser Formate nicht gerecht werden. Im Interview mit Telepolis stellt Thiele die Analyseergebnisse vor.

„Die Talkshows zu Griechenland wurden nun, wie wir vorab vermutet und befürchtet hatten, vor allem von Polemiken, Ressentiments und einer arroganten Haltung gegenüber der neuen griechischen Regierung und den Griechen dominiert. Allerdings überraschte uns dann doch ein wenig, dass dies so vehement und flächendeckend ausfiel und vorzufinden war. Erstaunt waren wir vor allem über den Gleichklang der Talkshows. Die Sichtungen und Analysen der Sendungen ließen für uns nur einen Schluss zu: Talkshow heute schlägt alles mit Ähnlichkeit.

Uns überraschte…

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