Kirchentag „Mensch und Tier“: Eugen Drewermann wirbt für Mitleid und mahnt neue Ethik an

Eugen Drewermann während seines Vortrages in der Dortmunder Pauluskirche; Fotos: C.-D. Stille

Eugen Drewermann während seines Vortrages in der Dortmunder Pauluskirche; Fotos: C.-D. Stille

Der Theologe, suspendierte katholische Priester, Psychoanalytiker und Schriftsteller Eugen Drewermann kommt von hinten durchs Kirchenschiff der evangelischen Pauluskirche zu Dortmund. Er nimmt das vorbereitete Handmikrofon vom Rednerpult auf der „Bühne“.

Zum Soundcheck hatte er sich schon einmal kurz vorher eingefunden. Mikrofonabstand zum Mund, Tonhöhe gab er professionell vor. Spricht: „Westfälischer Dialekt dürfte keine Schwierigkeit sein, komme ja von hier.“ Die Technik korrigiert. Drewermann fragt das Publikum, ob alles in Ordnung ist. Es müsse ja in dessen eignen Interesse liegen, alles deutlich zu verstehen. Ein Zischen hört er. Es wird abgestellt.

Wie ausprobiert, hält Eugen Drewermann das Mikrofon. Seine Worte sind deutlich zu verstehen. Der gebürtige Bergkamener hat sich neben das Rednerpult gestellt. Hinter eine weiße Skulptur, welche einen sitzenden Hund darstellt. „Eigentlich“, so hebt Drewermann an, müsste ich jetzt über das Schreckliche reden, was in der Ukraine, in Gaza und anderswo passiert …“ Aber ja, gewiss: er ist da, um zum Thema „Ich bin Leben inmitten von Leben, das leben will“ (Albert Schweitzer) zu sprechen.

Lebewesen, viel stärker als der Mensch bringen sich gewissermaßen dem Menschen zum Opfer

Ideologen sähen ein Problem, in der Verbreitung des menschlichen Speisezettels von pflanzlicher zu tierischer Nahrung. In den hunderttausenden Jahren „der Eiszeit vor allem auf der Nordhalbkugel hätten wir keine Überlebenschance gehabt, ohne auf die Jagd zu gehen. Unter Lebensgefahr.“ Zur Erhaltung der Art habe da Fleisch gegessen werden müssen. Man verwertete die Knochen und anderes. Essentiell zum Leben. Fast religiös das Gefühl: „Lebewesen, gewissermaßen viel stärker als der Mensch bringen sich „gewissermaßen zum Opfer, damit die Menschen leben können.“

Drewermann spricht vom Bär. Der könne auf zwei Beinen gehen. Er wurde noch im 20. Jahrhundert von sibirischen Stämmen wie ein göttliches Wesen verehrt. „Wenn wir sie schon töten, dann nicht ohne sie an den Himmel zu setzen“: Das Sternbild Großer Bär. Göttliches zu töten, verursachte Schuldgefühle. Bei bestimmten Stämmen, etwa in Afrika, pflege man noch heute durch eigene Versöhnungsriten, wenn man Tiere hat töten müssen. „Man möge ihnen die Entnahme von Lebensnotwendigen nicht verargen.“

Hemingway: „Man kann einen Menschen vernichten oder ihn nicht mehr lieben“

Dann kommt Eugen Drewermann auf Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ zu sprechen. Nie hatte der alte Mann so einen mächtigen Fisch an der Leine, den er drillt, bis dieser sich aus dem Wasser heraus in die Sonne hebt. Der alte Mann fragt sich, welches Recht er habe, das zu tun.

Dann erlebe der Mann die Unbarmherzigkeit der Natur. Nachdem er den Fisch erlegt hat, sammeln sich die Haie. Fressen ihn bis aufs Skelett ab. So kommt der Mann mit der nach langer Fahrt mit der leeren Fracht im Hafen an. Die Formel Hemingways sei, so Drewermann: „Man kann einen Menschen vernichten oder nicht mehr lieben. Vom Kampf ums Dasein.“

Kulturen, die buchstäblich noch von der Jagd auf Tiere leben und leben müssen, brächten ein ungleich intensiveres, innigeres, sensibleres, respektvolleres Verhältnis zu den an unserer Seite lebenden Arten“ auf, als „wir Bewohner der Wohlstädte“. In späteren Zeiten – „seit 6000 Jahren, seit dem Beginn des Ackerbaus“ hätten wir zunehmend die Notwendigkeit zunehmend entbehren können, Tiere zu erlegen. Nur sie als Speise zu verwerten.“

Und Drewermann wirft die Frage in den Raum: „Was verbindet uns mit einem lebenden Tier?“

Gewiss sei es selbstverständlich, dass die Anwesenden für den Tierschutz eintreten. Wären sie sonst gekommen?

Jeden Tag werden auf der Erde etwa 150 Tier- und Pflanzenarten ausgerottet

Drewermann: „Es ist gar nicht mehr nötig, dass wir auf die Tiere Jagd machen.“ Die Jäger aber würden ihre Existenzberechtigung mit der Hege und Pflege des Tierbestandes beschwören, mit dem Artengleichgewicht. Natürliche Gegner existierten nicht, man müsse sie kurzhalten. Ihr Ersatz seien die Jäger. „Ob die Begründung zutrifft, stehe dahin.“

Für das Artengleichgewicht dürften sie von Nutzen sein und als Waldschützer notwendig. Stichwort: Verbiss durch Tiere. Aber das Töten dieser Tiere, so Drewermann, sei im Grund fast marginal im Gegensatz zu dem Schicksal, was wir allein durch die Tatsache, dass wir so existieren wie wir existieren den Tieren auferlegen. „Auch der heutige Tag wird nicht zu Ende gehen, ohne das im Durchschnitt etwa 150 Tier- und Pflanzenarten auf dieser Erde ausgerottet sein werden. Das geht seit etwa 30, 40 Jahren so.“

Das Zauberwort „Wachstum“ – „Der Druck, der dahintersteht ist die Bevölkerungsexplosion

All das interessiere so gut wie Niemanden. „Dass wir dabei sind, die uns am nächsten stehenden Artgenossen, biologische betrachtet: unsere Vettern auszurotten …“

All dies scheine den Regierenden egal zu sein. .„Der Druck, der dahintersteht ist die Bevölkerungsexplosion.“ Als Lösung für scheinbar alles fungiere stattdessen das uns gut bekannte, der wie ein Zauberwort Wort verwendet Begriff „Wachstum“. „Arbeitsplätze generieren, die Wirtschaftskrise lösen: Wachstum soll die Lösung sein. Für das Wachstum brauchen wir eine wachsende Zahl von Konsumenten.“

„Die Wirtschaft hat immer mehr an Wünschen.“

Zur Zeit seiner Geburt, 1940, sagt Drewermann, habe man noch bei 3,5 Millionen Erdbewohnern gestanden.

Fruchtbarkeit predigt die Kirche – Wir haben das kultiviert

Zu Jesus von Nazareths Zeiten – vor 2000 Jahren – leben auf der Welt 250.000 Millionen Menschen. Zu Luthers Zeit schon eine halbe Milliarde. In der Goethe-Zeit um 1800 leben

80 Prozent der Menschen auf dem Lande. Bis zu zwölf Kinder gebar eine Frau damals. „Die Hälfte starb vor der Zeit.“ Schreckensausblick: Im Jahre 2050 könnten 9 Milliarden Menschen unseren blauen Planeten bevölkern..

Diese Tatsache habe man kultiviert: Fruchtbar sein. Die katholische Kirche predigt das.

So habe Papst Johannes Paul II. noch vor Jahr und Tag in Nigeria erklären können, es sei „die Warnung vor der Bevölkerungsexplosion ein übertriebener Pessimismus“.

Ab welcher Größenordnung soll denn der reale Pessimismus einsetzen?“

„Eure Heiligkeit“, ruft Eugen Drewermann dem gewesenen Papst nach: „Es sterben auf der Welt jedes Jahr 50 Millionen Menschen. Das ist so viel wie im Zweiten Weltkrieg, in 6 Jahren. Absichtliche Vernichtung in Europa und Ostasien hat Menschenmassen gefressen. Krankheiten, Seuchen und Hunger lassen die Menschen heute sterben. Ja, auch Kriege. „Ab welcher Größenordnung. wann soll denn der reale Pessimismus einsetzen? Ab einer Milliarde Verhungernder? Ab 3 Milliarden Verhungernder? Die wir haben werden, wenn wir so weiter machen.“ Mit Blick auf den Menschen sollten wir das vermeiden können.

Drewermann erinnert: Eine Bevölkerungskontrollkommission und Konferenz hat zuletzt 1995 (!) in Kairo stattgefunden. „Der Vatikan, die Ayatollahs und der amerikanische Bibelgürtel hat Beschlüssen verhindert. Seit dem denkt niemand mehr daran.“ Wachstum muss als zentrales Problem begriffen werden.

Im Mittelmeer lassen wir jährlich 3000 Flüchtlinge ertrinken. Was wird erst für eine Rücksicht den Tieren gegenüber herrschen?

„Sollen wir Südgrenze Europas einfach absprengen“ Eugen Drewermann die Menschen im Kirchenschiff. „Aus dem Mittelmeer einfach ein Massengrab machen? 3000 Tote im Jahr. Frontex ist da, um „sie abzutreiben“. „Was wird erst für eine Rücksicht den Tieren gegenüber herrschen?“

Im Flächen zu gewinnen werde weiter Urwald gerodet, verbrannt. Die Menschen werden erst wach, wenn das Smog in Singapur auslöst. Tiere. Können Menschen wirklich auf sie Rücksicht nehmen? Wie mit dem Messer schneide man Straßen in die Natur. „Vom Wattenmeer bis zu den Hochalpen gibt es das, was man Natur nennt, gar nicht mehr. Renaturierung wird versucht.

Horrorvision für 2050

Der Referent spricht Stuttgart 21 an. Wir erinnern uns: ein seltener Käfer ist in Gefahr. „Was wird passieren?“ so Drewermann nüchtern, realistisch.

„Es gibt ein Moratorium. Aber kein Gericht wendet sich gegen die Interessen des Kapitals.“

„2050“, entwirft Eugen Drewermann eine Horrorvision, „werden wir nur noch das von der Natur sehen, was eigenen Überlebensinteressen dient. Was Unterhaltungswert besitzt. Parklandschaften. Krickenten in einem Teich.“

Die Menschheit vernichte heute Pflanzen, die wir nicht einmal kennen. „Vielleicht enthalten sie ein Pharmakon? „Helmut Kohl, als er noch regierte, konnte einmal sagen Man kann den Urwald ja wieder aufforsten.“ Gelächter. Drewermann gibt zu bedenken: Das ist ein so komplexes Ökosystem. Das kann man nicht nachbauen.

Und gesteht zu:

„Vieles geschieht aus Blindheit, ist nicht einmal böser Wille.“

Hintergrund unserer Ethik habe sehr viel – fast immer – mit Religiosität zu tun. Verantwortung aber müsse generell übernommen werden. Ein rechter Umgang mit Leben vermittelt werden. Doch es läuft anders: „Schützenswert sind im Zweifelsfall nicht die Tiere, einzig die Menschen. Das verstünde man unter Verantwortung.

Gegen Tiere immer. Gegen die heilige Kuh Auto nimmer

Nun werden die Anwesenden an die 1990er Jahre erinnert. Haben wir es schon vergessen? Die Krankheit BSE machte in Großbritannien und der ganzen Welt Schlagzeilen. In der Tat: Warum ging damals kein Aufschrei anderer Natur durch die Welt? Der alleinige Verdacht, dass durch den Verzehr von Rindfleisch auch menschliches Gehirn befallen könnte, reichte aus! Keinen einzigen Nachweis hatte es dafür gegeben. Es reichte, um die Gesundheitsminister Europas zu Krisensitzungen einzuberufen. Ganze Rinderbestände Großbritanniens beschloss man zu töten.

Viele Millionen Tiere töten und verbrennen. „Wenn Sie Holocaust einen wörtlichen Sinn geben: Die Ganzkörperverbrennung. Man hat die Tiere krankgemacht. Durch falsche Ernährung. Rinder sind Pflanzenfresser. Ihnen verabreichte man Tiermehl. So fraßen die Tiere Ihresgleichen. Warum? Weil es billiger ist, Tiere mit Tieren füttern.

„Der bloße Verdacht, ein unschuldiges Tier könnte Menschen krankmachen, reicht, es auszurotten“, klagt Eugen Drewermann an.

Nicht so bei des Deutschen heiliger Kuh, dem Auto. Jeden Tag stürben auf deutschen Straßen „nur“ noch 10 Personen. Zirka 3500 im Jahresdurchschnitt. Glaubten wir denn, wenn die Verkehrspolizei an Weihnachten, auch auf Grund schlechter Wetterprognosen, Grund zur Annahme hätte, dass enorme Unfallraten drohten – mit mehreren 100 Toten -, dass man da Autos von den Straßen nähme, um Menschen zu schützen? „Autoindustrie und die Wirtschaft schrien wie am Spieße.“

Gegen Tiere ginge man ohne Skrupel unbedingt vor. Beispiel Vogelgrippe.

„Sofort mussten wir Millionen Tiere töten. Vergasen am Besten. Nur die Möglichkeit, die Krankheit könne sich auf den Menschen übertragen, langte. Man schießt die Vögel vom Himmel ab, wenn ihr Kot schädlich wäre für die Menschen. Rottet aus die Vögel, sobald sie gefährlich werden!“

Der Mensch soll herrschen über die Tiere.“ (Gen 1, 27)

Das ist unsere Ethik. Sie kann es nicht besser. Weil sie im Kreis eines selbst geschaffenen Gefängnisses, denke.

Richard Dawkins, ein atheistischer Biologe, erwähnt Drewermann. Dawkins, liebe es den amerikanischen Bibelgürtel mit seinen Vorträgen aufzumischen. Die Ethik eigene Art wende sich gegen den Rest der Welt. Der Vatikan sei gegen jegliche Vernunft dafür die Abtreibung zu verhüten.

Es stimmt: Wir brauchen ein andere Ethik!

Die eigene Religion wirkt stark fehlerhaft. „Wie verkehrt die ganze Einstellung der Bibel zu den Tieren ist. Keine einzige Stelle, die günstig gegenüber den Tieren wäre“, weiß Eugen Drewermann. Unter den zahlreichen mosaischen Gesetzen findet sich auch nichst. Nur wie man schlachten soll, steht dort. Erwähnt was unrein ist. Respekt, dahingehend, weil sie Tiere sind, finde man absolut nicht.

Dagegen lese man: „Der Mensch soll herrschen über die Tiere.“ (Gen 1, 27) Radah heiße herrschen auf Hebräisch. Das könne auch auf das Treten, keltern von Trauben passen. Und auf das Niederhalten eben auch von Menschen. Im neunten Kapitel Genesis (Sintflut) steht zu lesen: „Schrecken soll sein den Tieren vor den Menschen.“

Eugen Drewermann: Kurzsichtig und eng ist die Weltbetrachtung in der Bibel

Ein Bischof habe einmal gesagt: Tiere können keine Rechte haben, weil sie keine Pflichten haben. „Aber haben Vögel keine Pflichten?“, fragt der suspendierte Priester. „Nester bauen. Jungen großziehen endlos Futter suchen.“

Man brauchte es den Vögeln „nicht von außen auf steinernen Tafeln verkünden. Sie folgen eine innerem Antrieb.

Anders andere Kulturen. Indianerkulturen beispielsweise. Die Achtung vor Natur, ist ihnen eingeschrieben. Wir jedoch setzen unser Wissen um Tiere ein, um sie immer besser auszubeuten. Ja, man erinnert sich durch Drewermanns Worte: Wie lehrreich war damals die Radiosendung „Der Tierfreund erzählt“. Man erfuhr etwa, warum eine Katze den Nachwuchs erst einmal geheim hält, versteckt. Wir lernten mit den Tieren zu fühlen.

Tierfilme heute sind mit einer Spitzentechnik aufgenommen, die es damals nicht gab. Wir wissen von den Tieren mehr als je zuvor. Etwa, dass Wale über tausende Kilometermiteinander kommunizieren. Doch dann kam das Dampfschiff. Und deren Lärm. Heute schlimmer als je zuvor. Begehen Wale deswegen massenhaft Selbstmord? Ist es der Dauerlärm? Drewermann: „Es ist uns egal“.

Veterinär-Studium ohne Vermittlung von Verhaltenforschung

„Was machen Leute, die durch das eigne Studium mit Tieren beschäftigt sind? Zum Beispiel Tierärzte.“ Wie können sich manche von ihnen nur in den Dienst von der nicht artgerechten Massentierhaltung stellen und den Tieren mit Medikamenten vollpumpen.

Erst wenn Pharmaka über das Fleisch Menschen in Gefahr bringt, reagieren zuständige Stellen. Vor dem Vortrag hat Eugen Drewermann eine Tierärztin gesprochen. Sie wies ihn daraufhin, im gesamten Studium (!) nichts über Verhaltensforschung gelehrt bekommen zu haben.

Tierschützer sollen sich strategisch gegen Massentierhaltung wenden

Tierschützer kämpfen für viele einzelne Zielen. Das sei nicht grundsätzlich falsch, sagt Drewermann. „Doch wenn wir Interessen der Tiere schützen wollen müssen wir strategisch denken.“ Da könne man sogar einmal vom Militär lernen. Von Clausewitz: Werde an einem einzigen Punkt der Durchbruch erzielt wird, bewege sich alles andere. Konzentrisch von früh bis spät müsse demzufolge gegen die Massentierhaltung angegangen werden.

Nicht generell müsse man gegen Fleischgenuss sein. Grüne Landwirtschaft könne sein. Früher war Fleisch viel zu teuer. Einmal die Woche kam es in der Regel auf den Teller. „Als die Amerikaner mit ihrer neuen Kultur kamen“, sei das vorbei gewesen. Warum sollen wie die Trapper leben, die nach schwerer Arbeit abendlich Steaks verzehren? Eugen Drewermann: „Wir sind keine Trapper.“

Nicht auf der Basis eines gemachten schlechten Gewissens agieren

Nachdenken sei angesagt. Nahrungsgewohnheiten müssten geändert. Aber nicht auf Basis eines gemachten schlechten Gewissens. Da wird auf den Philosoph Schopenhauer verwiesen, der durchaus für jeden nachvollziehbar meinte: Man kann den Glauben so wenig erzwingen wie die Liebe. Wenn man es versucht, erzielt man Atheismus oder Hass.

Also dessen eingedenk: „Du bist ein schlechter Mensch. Ich hab dich ertappt, wie du eine Wurst ist. Das geht gar nicht. Das ist eine Schweinerei. Ich bin gut.“ So ist es nach Drewermann garantiert falsch.

Eine neue Ethik – auch nach Schopenhauer – gelte es aufzubauen.

Mitleid ist das Gegenteil von Herablassung

Eugen Drewermann fordert eindringlich Mitleid mit Mensch und Tier, sowie eine neue Ethik.

Eugen Drewermann fordert eindringlich Mitleid mit Mensch und Tier, sowie eine neue Ethik.

Tiere verstehen sofort. Die Katze tue das, egal ob man Deutsch oder Französisch redet. Es sei der Tonfall. Die Katze ist verführerisch. Nicht die Herrin herrscht über die Katze, sondern die über Herrin.

Unsere Gefühle müssten sich mit den Tieren verbinden. Vernunft allein reiche nicht. Starke Gefühle sind es, die nötig seien. Mitleid wäre entscheidend, nicht wie Viele meinen: Mitgefühl. Schließlich bedeute Sympathie im Griechischen genau das: Mitleid.

Schon Schopenhauer habe das betont: Mitleid sei das Gegenteil von Herablassung. Vielmehr sei es eine Identifikation mit anderen. Drewermann bringt als Beispiel das des auf der Straße sitzenden Bettlers. Dächten nicht wenige Zeitgenossen: Der ist selbst schuld. Hätte besser aufpassen sollen, in der Schule. Und nach Alkohol riecht er auch! „Um dann selbst im nächsten Kaufhaus verschwinden.“ Man kann allerdings auch sagen, begreifen. Aber das mir selber auch geschehen.

„Irgendetwas kann im nächsten Moment zwischen meinen beiden Schläfen passieren.“ Und dann: Krankheit, Hartz IV. „Wenn ich aus der Kirchentür rausgehe, kann es passieren“, gemahnt der Referent.

Mitgefühl heiße etwa mit anderen zu lachen. Mitleid ist etwas, das einem etwas kostet.

Auch die Tiere können leiden. Ihnen müssten wir beistehen. Wenn wir Zahnschmerzen bekämen, könnten wir Medizin einnehmen, den Schmerz bekämpfen, bis der Zahnarzt 9 Uhr montags öffnet. Eine Tier habe keine Ahnung wie lange ein Schmerz anhalten. Ob er jemals wieder verginge. „Das Tier weiß nichts und liegt still in der Ecke.

Angriffsziel müsse die Massentierhaltung sein. Noch einmal Schopenhauer: Was wir den Tieren antun, tun wir uns an.

Eugen Drewermann ruft die Atomversuche der Amerikaner auf: 40 000 Tiere nimmt man damals mit. Herauszufinden, wann Trommelfelle platzen. Was effizient zum Tode führt.Mitleid kommt da nicht vor

„Glauben Sie man könnte den Gazastreifen bombardieren wie in dieser Stunde, wenn es ein Mitleid mit den Menschen die da getötet und verkrüppelt werden, gäbe?

Tiere erhalten, schon aus eigenen Gründen. Wunden in der Landschaft an anderer Stelle wieder schließen

Indianer feierten eine Zeremonie ähnlich dem Erntedankfest. „Sie wissen, dass man den Tieren nichts wegnehmen kann ohne einen Diebstahl an ihnen zu begehen.“ Ein Stamm mache sich die Bohnenmaus zunutze. Er bete zu ihnen, um ihnen Weisheit zu geben. „Man muss erhalten schon aus eigenen Gründen. Die kleinen Tierchen lagern Bohnen ein. Die Indianer entnehmen Bohnen aus deren Lagern. Aber eben nur so viel wie sie brauchen. Wir vergasen die Hamster, Weizen sammeln. Wir haben riesige Überproduktion. Aber die Hamster müssen wir als Schädlinge ausrotten.“

Dass Tiere eine Seele haben, wird immer noch bezweifelt. Wer so etwas sagt zeige eigentlich nur, dass er selber keine hätte.

Sähen wir die Tiere von innen her, könnten wir durch eine Schule der Weisheit gehen.

Gleichgewicht zwischen Natur und Kultur ist dringend herzustellen.

Und wenn wie mit dem Messer Straßen in die Landschaft geschnitten sein, müsse dem Minister gesagt werden: „Das muss du wieder ersetzen. Die Wunden wieder schließen an anderer Stelle.“

In 30 Jahren könne es durchaus so sein, dass wir Vögel nur noch in den Lautsprechern der Kaufhäusern zwitschern hören, wir ins Museum gehen, um die Schönheit eines Kolibris zu betrachten …

Und noch einmal ernstlich zu Bedenkendes. Man habe gehört, Obama wolle die IS ausrotten wie eine Geschwulst. „Das Böse töten. Dann ist die Welt besser? Können dann nicht auch die Hungernden töten, dann ist sie satter vielleicht. Oder die Traurigen töten?

Fazit des interessanten Abend mit Eugen Drewermann:

Mitleid verdienen die Menschen. Die Tiere ebenso. Ein anderes Menschenbild ist vonnöten, eine andere Verantwortung gefragt. Es gilt unsere eigene Liebe zu retten.

Schaden, den wir der Natur zufügen wird linear unmittelbar uns schaden. Dies muss uns im Hinterkopf sein. Es bedarf unbedingt einer neuen Ethik.

Eugen Drewermann blickt auf seine Armbanduhr. Anderthalb Stunden hat er geredet. Davon ist einem fast alles fest im Sinn. Sein ganz besonderer Sprachduktus macht es möglich. Es ist zu spät für eine Teilnahme an der nachfolgend geplanten Podiumsdiskussion geworden. Mit einer leichten Kopfbewegung signalisiert Eugen Drewermann dies Pfarrer Friedrich Laker, der den Kirchenkritiker herzlich dankt. Langer, verdient Applaus für den Referenten. Ein Vortrag, von dem gewiss viel hängen bleibt in den Köpfen der Leute. Womöglich nicht nur bei denen, die ohnehin für Tierschutz erwärmt sind.

Durch die Kirchentür Richtung Paderborn

Dann geht Eugen Drewermann mit seiner Aktentasche durch die Kirchentür hinaus auf die Dortmunder Schützenstraße. Möge lange nichts zwischen seinen beiden Schläfen geschehen, dass diesen großen Geist beeinträchtigt. Wir brauchen ihn noch lange. Zielstrebig, gewiss die frische Abendluft genießend, schritt er Richtung Hauptbahnhof. Wohl um den Zug nach Paderborn,  wo der Schriftsteller, Psychoanalytiker und suspendierte Priester Eugen Drewermann lebt und arbeitet, zu erreichen.

Lesen Sie zum Kirchentag „Mensch & Tier“  in Dortmund auch diesen Beitrag.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s