„Anhängerkupplung Gesucht!“ bei der ExtraSchicht 2014 erstmalig in deutscher Sprache

BildTjerk Ridder im Sommer 2010 auf dem Balkan; Foto: Peter Bijl

Ein bisschen verrückt oder zumindest tollkühn muss schon jemand sein, der mit einem Wohnwagen zu trampen beschließt. Einen Campinganhänger wohlbemerkt, ohne eigenes Zugfahrzeug! Ein Niederländer besaß diese Tollkühnheit. Ach so!, werden nun bestimmt einige unter den Leserinnen und Lesern denken und gelangweilt abwinken: Ein Holländer? Die sind doch berüchtigt wegen ihrer Wohnwägen! Gemach. Berüchtigt zu recht oder nicht, das sei mal dahingestellt: Was schon ist ein Holländer mit Wohnwagen, der ohne Zugmaschine wohin will? Nach Istanbul auch noch? Von Utrecht aus? Da sieht die Sache schon ganz anders aus.

Der Utrechter Theaterkünstler und Liedermacher Tjerk Ridder gebar die Idee zum Projekt „Trekhaak Gezocht!“ („Anhängerkupplung Gesucht!“) in einer Kneipe. Und gewiss spielte er bei dem ins Auge gefassten Projekt am Rande ein ein Stück weit damit, dass Niederländer und Wohnwagen für manche Menschen so eine Art Schreckgespenst darstellen, dem man auf den Straßen am liebsten nicht begegnen möchte. Beispielsweise als Deutscher (Ausnahmen bestätigen die Regel) auf deutschen Autobahnen. Weil ihnen die Wohnwagen hinter sich her schleppenden Holländer vermeintlich die so geliebte „Freie Fahrt für freie Bürger“ (es gibt sogar eine Facebook-Gruppe unter diesem Titel!)  nähmen. Wobei Behinderungen deutscher Autolenker und der von ihnen geforderten und fest für sich und auf ewig reklamierten „Freien Fahrt“ zwar in der Tat stattfinden, jedoch vielfältige Ursachen haben. Die allerwenigsten davon dürften bei Lichte betrachtet holländischen Campern ankzukreiden sein.

Ein Mann und sein Wohnwagen – Per Anhalter durch Europa

Wie dem auch sei, Tjerk Ridder ging es um etwas ganz anderes. Nämlich wollte er das Projekt „Anhängerkupplung Gesucht!“ als eine Metapher verstanden wissen, welche praktisch auf das Leben verweist: „Man braucht andere, um voranzukommen.“ Eine Schnapsidee? Allerdings mit dem Unterschied, das es bei selbiger nicht blieb.

Denn Tjerk Ridder trampte schlussendlich drei Monate lang durch Europa. Mit einem Wohnwagen der Marke „Eriba“. Ausgestattet mit einer Solaranlage zum Erzeugen von an Bord benötigter Elektroenergie. Jedoch ohne Auto. Ridders erstes Etappenziel dieser ungewöhnlichen Reise im Jahr 2010 war das UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Die Eröffnungsfeier für die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 erlebte Ridder bei bitterer Kälte. Dachs, der Hund des Niederländers und treuer Begleiter auf der Reise Utrecht – Istanbul war ebenso dabei.

Am Ende der Reise via eines Stopps in der zweiten europäischen Kulturhauptstadt, dem ungarischen Pécs und quer durch den Balkan stand wie geplant die Kulturhauptstadt Numero drei Istanbul. Dazwischen lagen etliche Abenteuer.

Mehr darüber erfahren sie in meinen Beiträgen dazu hier und hier.

Zurück im Pott

Im Juli 2010 kehrten Tjerk Ridder, Hundchen Dachs und Begleiter Peter Bijl glücklich zurück in den Ruhrpott, der ersten Station Anfang des Jahres 2010 nach dem Start in der Heimat Utrecht. Diesmal herrschte brütende Hitze. Mein Bericht darüber können Sie hier lesen.

Die Reise künstlerisch reflektiert

Während der Reise entstanden Videos, Notizen und Lieder, in denen Tjerk Ridder das Erlebte verarbeitete und reflektierte. Inzwischen gibt es auch ein zusammen mit dem Journalisten Peter Bijl verfasstes Buch, das über das große Abenteuer Auskunft gibt. Auf Englisch und Niederländisch. Und auch eine deutsche Ausgabe des Buches „Anhängerkupplung Gesucht!“ (darin eine DVD mit Liedern und Videos) ist bei Patmos erschienen. Auf Neopresse  wurde es u.a. vorgestellt.

Niederländische Aufführung von "Trekhaak Gezocht!". Rechts im Bild Tjerk Ridder im Herman-van-Veen-artscenter auf De Paltz; Foto: Claus-D.Stille

Niederländische Aufführung von „Trekhaak Gezocht!“. Rechts im Bild Tjerk Ridder im Herman-van-Veen-artscenter auf De Paltz; Foto: Claus-D.Stille

Mit Fug und Recht firmiert „Anhängerkupplung Gesucht!“ längst als Multimedia-Projekt. Auch eine überzeugende Bühnenversion hat Tjerk Ridder auf die Beine gestellt. Begleitet wird der Utrechter auch da von Hundchen Dachs. Ridders hervorragender musikalischer Begleiter ist Matthijs Spek. Für die freitag-community-Leserinnen und Leser besuchte ich im Februar die niederländische Aufführung im Herman-van-Veen-Artscenter auf De Paltz in der Nähe von Utrecht. Mit diesen hier beschriebenen Eindrücken kehrte ich zurück nach Deutschland.

Deutschland-Premiere

Nun endlich hat das Warten für uns Deutsche ein Ende: Tjerk Ridder kommt mit seinem Theater-Multimediaprojekt nach Deutschland! Spielen wird er es erstmalig in deutscher Sprache am 28. Juni 2014 anlässlich der „ExtraSchicht 2014 – Die Nacht der Industriekultur“ auf Zeche Zollverein in Essen. Dieser Ort der Industriekultur hat sich Tjerk Ridder fest eingeschrieben. Wie und warum das so ist, davon erzählt Ridder in seiner für das Erzählprojekt verfassten „Mein Zollverein“-Geschichte „Tief be-ruhrt“.

„Vier Jahre später“, vermelden die Organisatoren,  „am 28. Juni 2014, kehrt der niederländische Theaterkünstler und Liedermacher Tjerk Ridder anlässlich der ExtraSchicht mit einem multimedialen Bühnenprogramm voller Reiseerfahrungen auf das ehemalige Industriegelände in Essen zurück. Erstmalig präsentiert er dort in Zusammenarbeit mit der Initiative „Welterbe Zollverein – Mittendrin“ das theatrale Roadmovie „Anhängerkupplung gesucht!“ auch in deutscher Sprache.“

Das Thema der diesjährigen ExtraSchicht ist „Europa“. Ridders „Anhängerkupplung Gesucht!“ passt bestens ins Programm. Und die Zeit! Europas Politiker sollten sich die damit transportierte Metapher zu Herzen nehmen und leben: Du brauchst andere, um voranzukommen. Zweifelsohne ist gerade „Anhängerkupplung gesucht!“ ein europäisches Kunstprojekt, das Menschen unterschiedlicher Herkunft zu verbinden imstande ist.

Mit mehr als 40 einzelnen Programmpunkten wird ein bunter Mix aus Ausstellungen, Musikbeiträgen, Licht- und Kunstinstallationen, Walk Acts und internationalen Straßentheater-Inszenierungen präsentiert. „Anhängerkupplung Gesucht!“ ist einer dieser Programmschwerpunkte.

In der Pressemitteilung zu seinem Aufritt heißt es: Tjerk Ridder erzählt in Liedern, Bildern und Videos von „seiner Reise von Utrecht aus durch acht Länder, unter anderem über die drei europäischen Kulturhauptstädte Essen, Pécs und Istanbul. 3700 Kilometer lang war seine außergewöhnliche Reise – ein Sprung ins Ungewisse, eine Begegnung mit eigenen und fremden Grenzen, eine einzigartige Suche nach Gastfreundschaft und Vertrauen im heutigen Europa. Insgesamt 53 Fahrer halfen dem Niederländer, sein Ziel am Bosporus zu erreichen.“ Und weiter: „Der Zuschauer erlebt, was möglich ist, wenn Menschen es wagen, sich für Unbekanntes zu öffnen.“

Tjerk Ridder, einfühlsam musikalisch begleitet von Matthis Spek, nimmt das Publikum mit „auf eine Reise durch Themen wie Heimat, Träume, Tatkraft, Einsamkeit, Gastfreundschaft, Vorurteile und Vertrauen.“

Wir dürfen gespannt auf die Begegnung mit Tjerk Ridder und seinem erstmalig am 28. Juni gleich dreimal auf Deutsch präsentierten Programm sein.

Informationen

Mehrsprachiger Trekhaak-Schutz; Foto: C.-D.Stille

Mehrsprachiger Trekhaak-Schutz; Foto: C.-D.Stille

Veranstaltung: Tjerk Ridder. Anhängerkupplung gesucht! Man braucht andere, um voranzukommen. Eine außergewöhnliche Reise durch Europa mit Bildern, Liedern und Geschichten

Termin: 28.6.2014, 20.00 | 22.00 | 24.00 Uhr

Veranstalter: „Welterbe Zollverein – Mittendrin“ im Rahmen der ExtraSchicht | Die Veranstaltung wird durch die RAG-Stiftung und das Königreich der Niederlande gefördert.

Ort: Areal A [Schacht XII], Halle 12, großer Saal

Eintritt: Für den Besuch des Programms ist ein ExtraSchicht-Ticket erforderlich, Tickets unter: http://www.extraschicht.de

Informationen unter: Anhängerkupplung Gesucht! und Zollverein.

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