Dortmund: „Stein mit Vollausstattung“

BildDer Kunstfelsen in Dormtund; Foto: C.-D.Stille Aus einige Entfernung betrachtet sieht dat Dingen – wie die Menschen im Ruhrpott zu sagen pflegen – zunächst einmal wie ein grauer Haufen aus, den jemand mitten auf Kreuzung Kampstraße/Hansastraße in Dortmunds Innenstadt gesetzt hat. Nicht zuletzt ist dieser Eindruck dem trüben Wetter mit bedecktem Himmel geschuldet. Welcher am Tag meines Ganges das Zentrum der Ruhrgebietsmetropole verdüsterte. Der Haufen hebt sich exakt an der Stelle vom Boden ab, wo vor Jahren noch die Straßenbahn entlangrumpelte und beim Einbiegen in die Kurve ein fieses Quietschen produzierte.

Die Strategie des Steines

Angekommen, davor stehend, wird rasch klar: Der Haufen ist ein Stein. Ist ein Stein. Ich muss unwillkürlich an Holm Friebes Buch „Die Stein-Strategie. Von der Kunst nicht zu handeln“ (erschienen beim Hanser Verlag) denken. Darin geht es darum, was wir von Steinen lernen könnten: nämlich warten können und wenig tun. Das Wenige dann aber mit durchschlagender Wirkung ins Werk setzen. Also: das Gegenteil von Aktionismus.

BildElekroanschluss im Stein; Foto: C.-D. Stille

Beim näheren Betrachten des Steines stellt sich heraus: Dieser hat blaue Steckdosen.  Auf deren, die Steckkontakte verdeckenden, Klappen pappt ein gelber Aufkleber: „max. 1200 W“. Ein Stein mit Elektroanschluss mitten in der Stadt? Ja. Genau!

Kunstfelsen mit Windrad und Solarpanelen

BildWind- und Sonnenenergie wird zur Stromerzeugung genutzt; Foto: Stille

Es handelt sich also um einen Stein der besonderen Art. Der Stein ist nicht einfach nur ein Stein, sondern „ein partizipatorisches Projekt für den öffentlichen Raum in Dortmunds Innenstadt“. So jedenfalls beschreiben es die Initiatoren. Zu dem Kunstfelsen gehört ein Mast mit Windrad und Solarpanelen. Schon ist eine Verbindung zu den blauen Steckdosen im Stein hergestellt.

Der Kunstfelsen trägt den Titel „Stein mit Vollausstattung“. Der Begriff „Vollausstattung“ kommt aus der Automobilbranche. Die über Windrad und Solarpanele gewonnene Elektroenergie speist nicht nur die blauen Steckdosen, sondern auch einen Router. Der Stein bietet nämlich offenes WLAN. Die Skulptur ist mit Gadgets  (technische Werkzeuge) ausgestattet. Diese sollen ein Angebot an deren Nutzer sein. Kreiert und entwickelt wurde diese außergewöhnliche Skulptur von den Künstlerduos Lutz-Rainer Müller/Stian Ådlandsvik sowie Mark Pepper und Thomas Woll. Und zwar auf Einladung des Dortmunder Kunstvereins.

Involviert in die Zusammenarbeit war und ist die Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik, insbesondere das Institut für Energieeffizienz der TU Dortmund. Dort wird weiter an den effizientesten Möglichkeiten der Energiegewinnung am angegebenen Standpunkt geforscht.

Die Skulptur wird gewiss auch die Diskussion über erneuerbare Energien befördern

Der Standort der Skulptur „Stein mit Vollausstattung“ ist gut gewählt. Liegt der doch inmitten des Dortmunder Zentrums und in Nachbarschaft zu Geschäftshäusern und den Fußgängerzonen der Stadt. Entsprechende Aufmerksamkeit dürfte dem Projekt sicher sein. Die Skulptur wird gewiss auch die Diskussion über erneuerbare Energien befördern. Ebenfalls wird sie wohl dazu anregen, über die kostenlose Nutzung des Internet für jedermann nachzudenken. Zweifelsohne wird der „Stein mit Vollausstattung“ quasi gleichermaßen als „Stein des Anstosses“ Wirkung entfalten. Wird der Dortmunder Stein bei den Menschen auch ein deutliches Bewusstsein für die alternative anstelle der konventionellen Art Stromerzeugung generieren? Es ist immerhin zu hoffen.

Interessant dat Dingen!

Allemal interessant dat Dingen. Und mehr als nur ein grauer Haufen, der da anscheinend mitten auf die Kreuzung Kampstraße/Hansastraße gesetzt wurde. Um noch einmal auf Holm Friebes Buch zurückzukommen: Vom Dortmunder „Stein mit Vollausstattung“ können wir sehr wohl etwas lernen. Das Kunstwerk regt dazu an zu Handeln. Nicht aktionistisch. Es ruft uns sozusagen zu: Tut das Wenige, aber mit Bedacht! Am Ende könnte (müsste!) die durchschlagende Wirkung stehen.

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