Opel Bochum wird geschlossen. Die Rüsselheimer Kollegen wähnten sich sicher. Nun geht von dort ein Hilfeschrei nach Bochum

BildNach 50 Jahren wird das Opel-Werk Bochum geschlossen werden. Auch das Zentrallager, das Händler in ganz Europa mit Ersatzteilen und Kotflügeln beliefert, wird dichtgemacht. Als „Strafe“ dafür, dass die Bochumer Beschäftigten nein zum Deutschland-Opel-Sanierungsplan sagten? Das Opel-Managment weist das weit von sich weist. Die Bochumer Opelaner hatten jedenfalls die Nase gestrichen voll. Seit Jahren leben sie nun schon in Unsicherheit betreffs der Zukunft ihrer Arbeitsplätze. Vielleicht wäre es ja noch bis 2016 gegangen. Vielleicht…

50 Jahre Opel Bochum

Der umtriebige und seit Jahren hoch engagierte Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel stimmte dem Opel-Deutschland-Plan von General Motors nicht zu. Und die Mitarbeiter standen hinter ihm.

Im vergangenem Jahr hätte Opel Bochum das 50-jährige Jubiläum feiern sollen. Offenbar aus Angst vor Protesten gab es auf dem Werksgelände keine Feierlichkeiten. Stattdessen organisierten Betriebsrat, IG Metall mit Unterstützung vieler Menschen ein großes Opel-Solidaritätsfest vor dem Bochumer Rathaus in der Innenstadt (Lesen Sie meinen Bericht auf Readers Edition). Rainer Einenkel kündigte dort an, man wolle kämpfen. Denn wer nicht kämpfe, habe bereits verloren. Die Bochum Opelaner erfuhren auf diesem Fest im Zentrum der Ruhrgebietsstadt von vielen Seiten Solidariät. Dazu ein Auszug aus meinem RE-Bericht:

„Auf der Bühne ging es zu wie in einem Taubenschlag. Die Solidaritätsbekundungen nehmen kein Ende. Regierungspräsident Gerd Bollermann ist da, Betriebsratsvertretungen von Opel-Eisenach und sogar eine Abordnung von Betriebsräten aus dem VW-Werk Osnabrück. Auch 30 IG-Metall-Vertrauensleute von Daimer Düsseldorf waren mit Kind und Kegel gekommen. Warum ist die Konkurrenz soldidarisch? Ganz einfach: Weil man auch dort weiß, wenn das Opel-Werk Bochum fällt, ist der Rubikon überschritten und weitere Werke könnten auf die Abschussliste der jeweiligen Managements kommen. Der von Mitgliedern des Schauspielhauses Bochum produzierte Opel-Rap “Herr Müller” (Nicola Mastroberardino/Andreas Eich) ging über die Bühne. Ebenso mitreißend ist der Aufritt der Schauspielhaus-Band.“

Einenkel vs. Adam Opel AG

Rainer Einenkel reichte Klage gegen die Adam Opel AG ein. Am 28.01.2014 wird darüber am Landgericht Darmstadt verhandelt. Zur Hintergrund der Klage:

„Die Entscheidung zur Verlagerung des Zafiras und somit Schließung von Bochum wurde im Aufsichtsrat getroffen. Die Klage gegen diese Entscheidung kann darum nur durch ein Mitglied des Aufsichtsrates geführt werden. Zur damaligen Zeit waren die beiden Bochumer Rainer Einenkel und Dirk Bresser im Aufsichtsrat. Obwohl die Klage vorher angekündigt war, klagt nur R. Einenkel gegen die Schließung. Warum D. Bresser sich nicht daran beteiligt sollte er selbst beantworten. Bisher schweigt er auf entsprechende Nachfragen.“ (via Website „WIR Gemeinsam“)

Rüsselheimer kamen nicht zum Soli-Fest nach Bochum. Nun da es ihnen an den eignen Kragen geht, schreiben sie einen Leserbrief dorthin

Auf dem Opel-Solidaritätsfest in Bochum – sogar Mitarbeiter von Konkurrenzbetrieben waren dort hingekommen – vermisste man Opelaner aus dem Werk Rüsselheim. Die hatten sich wohl vom Management einen vom Pferd erzählen lassen und gehofft mit heiler Haut davon zu kommen. Sie hatten dem Opel-Deutschland-Plan ihr Plazet gegeben und vielleicht sogar die Nase über die kämpferischen Bochumer Kollegen gerümpft. Nun wachen sie plötzlich unsanft auf und plärren auf der Facebook-Gruppenseite „Gegen die Schließung Opel Bochum“:

„Die Opel-Seite ‚WIR Gemeinsam‘ :

06.01.2014 – Nikodemus
Hallo Bochumer, ich bitte euch dringend, diesen Leserbrief zu veröffentlichen.

Im Frühjahr haben wir Rüsselsheimer dem TARIFVERTRAG zur Beschäftigungssicherung zugestimmt. In diesem Vertrag steht, dass bis Ende 2013 RECHTSVERBINDLICH mit unserem Betriebsrat und der IG Metall mindestens ZWEI NEUE MODELLE vereinbart werden. Aber nichts ist passiert. Das ist ein Verstoß gegen den Tarifvertrag. Das ist ein eindeutiger VERTRAGSBRUCH. Der Betriebsrat muss jetzt klagen. So stehts im Tarifvertrag.
Der Betriebsrat prüft wohl eine Klage, wurde von unserem Bereichsbetriebsrat erzählt. Aber man hört nichts genaues.
Nach der Entscheidung, den neuen Zafira in Frankreich zu bauen, geht hier die Angst rum.“

Von den Bochumern erntet dieser Hilfeschrei aus Rüsselsheim nun vorwiegend Häme. Muss man sich darüber wundern? Hier eine kleine Auswahl der Kommentare auf Facebook:

„ihr seid doch selbst schuld .die frechheit ist(finde ich ) noch zu besitzen die bochumer „dringend“ aufzufordern diesen brief zu veröffentlichen. uns hat auch keiner geholfen. jeder kehrt vor seiner haustür (…) Das stimmt hätten alle deutschen Werke zusammen Gehalten , dann hätte ich die mal sehen wollen was dann gekommen wären wenn keiner unterschrieben hätte , aber so ……selbst Schuld !!!!! (…) angst ????? wie fühlt sich das an??? wir wissen es. (…) Wach geworden……………………..? (…) Wir in Bochum hatten auch auf Hilfe von den Rüsselsheimern gehofft !!! „

Eigentlich ein alter Hut

Den Rüsselheimern war sehr wahrscheinlich das Hemd näher als die Hose gewesen. Verlieren sie bald beides? Eigentlich ist es doch ein ganz alter Hut: Ohne Solidarität untereinander lassen sich die Beschäftigten leicht auseinander dividierten. Und die Arbeitgeber nutzen das. Die Geschichte der Arbeit und er Arbeiterbewegung ist voll davon. Hat man in Rüsselheim noch nichts davon gehört? In Bochum, im Ruhrpott, da wird Solidarität noch groß geschrieben. Freilich könnte man jetzt provokant fragen: Und, was hat es euch genutzt, euer Werk wird nun doch zugemacht? Doch im Grunde ist das die falsche Frage. Die Rüsselheimer kommen vielleicht auch noch dahin zu erkennen, worauf es ankommt. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, wusste schon Gorbatschow …

Artikelfoto (Claus-D. Stille): Opel-Solidaritätsfest in Bochum im März 2013. Rainer Einenkel (Bild Mitte rechts).

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