Erdogan verliert mehr als nur Istanbul

Meşale Tolu zum Ausgang der OB-Wahl in Istanbul

Meşale Tolu

Die AKP verliert Istanbul. Auch bei der Neuauflage der Bürgermeisterwahl gewinnt Oppositionskandidat Imamoglu. Das wird Auswirkungen auf die gesamte Türkei haben.

Es war von Anfang an ein Risiko für die Regierungspartei AKP, die Bürgermeisterwahlen in Istanbul zu annullieren. Denn mit einer Wahlwiederholung machte sich Präsident Erdogan innerhalb der Bevölkerung und auch auf internationaler Ebene keine Freunde. Und gebracht hat sie nichts: Oppositionskandidat Ekrem Imamoglu, dessen erster Sieg nicht anerkannt und der nach 18-tägiger Amtszeit abgesetzt wurde, gewinnt auch die zweite Wahl gegen AKP-Mann Binali Yildirim.

Den monatelangen verbalen Angriffen, hinterhältigen Vorwürfen und nervenaufreibenden Anschuldigungen begegnete Imamoglu mit Gelassenheit, Vernunft und innerer Ruhe. Es war sicherlich eine immense Herausforderung, denn er trat nicht nur gegen den AKP-Bürgermeisterkandidat Binali Yildirim an, sondern auch gegen Erdogan persönlich. Der nahm diese Kommunalwahl so ernst, dass er dafür alles aufs Spiel setzte.

Nach der Ankündigung der Neuwahl brach die Lira weiter ein, die Lebensmittelpreise stiegen…

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37. Deutscher Evangelischer Kirchentag verabschiedete in Dortmund eine Resolution: „Schicken wir ein Schiff!“

Der Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Sven Giegold, schreibt in seinem jüngsten Newsletter:

Sven Giegold, MdEP für Bündnis 90/Grüne. Foto. Stille

Liebe Freundinnen und Freunde, Liebe Interessierte,


die Seenotrettung auf dem Mittelmeer ist weitgehend unterbunden worden. Die Rettungsboote der Staaten im Rahmen der Operation Sophia wurden abgezogen. Die meisten Rettungsschiffe der Nichtregierungsorganisationen können nicht mehr ausfahren. Die wenigen Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, die noch gerettet werden können, finden nur nach langem Elend Aufnahme in einem europäischen Land. Gerade jetzt harren noch 42 Flüchtlinge auf der Sea-Watch 3 aus. Die Flüchtlinge fahren daher immer längere Strecken und nehmen immer größere Risiken auf sich, um die europäischen Küsten zu erreichen. Trotz des Sterbens ist eine politische Lösung nicht in Sicht.


Auf dem derzeitigen Kirchentag in Dortmund war das Sterben auf dem Mittelmeer ein zentrales Thema. Auf einer Sonderveranstaltung mit dem

Leoluca Orlando, Bürgermeister von Palermo: „Niemand ist illegal.“ Archivbild: C. Stille

Bürgermeister Orlando aus Palermo und dem Ratsvorsitzenden der EKD Heinrich Bedford-Strohm wurden nachdrücklich und unter großem Applaus der Kirchentagsbesucher in der Westfalenhalle eine Wiederaufnahme der Seenotrettung und sichere Zugangswege für Flüchtlinge nach Europa gefordert.


Um den öffentlichen Druck weiter zu erhöhen, habe ich eine Resolution entworfen und gemeinsam mit weiteren Kirchentagsaktiven eingebracht. Unsere Resolution wurde mit riesiger Mehrheit beschlossen.

Unsere Forderung: Die Evangelische Kirche soll selbst ein Rettungsschiff ins Mittelmeer schicken. Es genügt nicht mehr, die Arbeit der NGOs bei der Seenotrettung finanziell zu unterstützen. Die EKD und ihre Gliedkirchen müssen selbst aktiv werden und im Mittelmeer Flagge zeigen. Ein Kirchenschiff wäre ungleich schwerer in Italien, Malta oder Spanien festzusetzen. Die Bundesregierung könnte die Aufnahme von Geretteten wohl kaum wochenlang verzögern.


Zudem organisierten Ansgar Gilster und ich gemeinsam mit den beiden Pfarrerinnen Lioba Diez (Berlin) und Christina Biere (Dortmund) ein politisches Nachtgebet in der Dortmunder Reinoldi-Kirche. In einer eindrücklichen Liturgie an diesem Donnerstagabend gedachten wir den inzwischen über 35.000 Toten an den europäischen Außengrenzen. Der Gottesdienst war genauso überfüllt wie die Veranstaltung mit Bürgermeister Orlando. Teil der Andacht war die Namen der 35.000 Toten auf große Banner zu schreiben. Diese Aktion gemeinsam mit dem Schauspiel Dortmund und der Seebrücke Dortmund wurde dann während des Kirchentags fortgesetzt. Die Banner hängen nun nach einem Trauermarsch am Kirchturm der Dortmunder Hauptkirche Reinoldi.


Meine Bitte ist nun diesen Aktivitäten Nachdruck zu verleihen und unsere Resolution zu unterstützen:

www.change.org/schiff


Ich lasse jedenfalls nicht locker.


Mit entschlossenen, aber herzlichen Grüßen aus Dortmund

Sven Giegold. Archivbild: C. Stille

Euer und Ihr Sven Giegold

P.S.: Selbstverständlich setzen wir Grünen uns im Europaparlament auch im Rahmen der laufenden Verhandlungen für eine pro-europäische Vereinbarung zum Arbeitsprogramm der neuen EU-Kommission für die Organisation der Seenotrettung durch die EU ein. Leider stimmen noch nicht alle pro-europäischen Fraktionen zu. Das Thema wird nächsten Dienstag durch die Fraktionschefs weiterverhandelt.


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37. Deutscher Evangelischer Kirchentag:

Resolution: “Schicken wir ein Schiff!”


Am Weltflüchtlingstag haben wir beim 37. Deutschen Ev. Kirchentag in Dortmund in der großen Westfalenhalle bei der Veranstaltung „Gemeinsam für offene Häfen in Europa“ Mattea Weihe von der Sea-Watch zur Situation auf dem Mittelmeer gehört: „Weil keine Rettungsschiffe durch die Gewässer fahren, die Rettungen durchführen, steigt die Todesrate weiter, wenn wir nicht jetzt handeln. Wir brauchen wieder Schiffe, die Sorge tragen können, dass der nächste Weltflüchtlingstag gebührend gefeiert werden kann. Wir als Sea-Watch wollen gemeinsam mit der Zivilgesellschaft, den Städten und Kommunen, der Kirche und euch allen ein Zeichen setzen und ein Schiff in das tödlichste Gewässer der Welt schicken.

Ein Schiff der Gemeinschaft, der Solidarität und Nächstenliebe. Ein Schiff von uns, von euch, von allen.“

Als Kirche dürfen wir dem Scheitern der europäischen Regierungen nicht zusehen. Kleine symbolische Schritte zur Aufnahme von Flüchtlingen sind wichtig, aber beenden das Sterben im Mittelmeer durch die fehlende Seenotrettung und die fehlenden sicheren Fluchtwege nicht.

Daher fordern wir die EKD und ihre Gliedkirchen auf, selbst mutig zu handeln: Schickt selbst ein Schiff in das tödlichste Gewässer der Welt. Ein Schiff der Gemeinschaft, der Solidarität und Nächstenliebe. Ein Schiff von uns, von euch, von allen.

Angenommen mit riesiger Mehrheit im Rahmen der Veranstaltung „Kein ich ohne Wir“ beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund. Eingebracht von:

Sven Giegold, Europaabgeordneter

Beatrice von Weizsäcker, Juristin und Publizistin

Joachim Lenz, Pfarrer und Direktor der Berliner Stadtmission

Christina Biere, Pfarrerin, Dortmund

Lioba Diez, Pfarrerin, Berlin

Resolution auf der Webseite des Deutschen Evangelischen Kirchentags.

Quelle: Sven Giegold, MdEP

Beigegeben: Leoluca Orlando zur „Charta von Palermo

Aktion des Künstlers und Aktivisten Heinz Ratz im Dortmunder Hafen vor einigen Jahren. Archivbild: C.-D. Stille

Dortmund – Nordstadt: Problemviertel und Chancenraum. Dr. Sebastian Kurtenbach referierte in der neuen Galerie im Depot

Dr. Sebastian Kurtenbach referierte kundig und engagiert. Fotos (8): Claus Stille

Über die Dortmunder Nordstadt haben Viele eine Meinung. Selten eine gute. Dass ist sogar bei Menschen der Fall, die den 60.000 Einwohner beherbergenden Stadtteil selbst noch niemals betreten haben. Das dürfte in erster Linie mit der medialen Berichterstattung im Zusammenhang stehen. Erst kürzlich wieder machte eine an Pfingsten im Stadtbezirk stattgefundene Massenschlägerei Schlagzeilen. Die Kritiker mit festgefügtem negativen Meinungsbild fühlten sich wohl wieder einmal mehr bestätigt. Doch so einfach ist es nicht. Weshalb es zu differenzieren gilt. Die Nordstadt gehört zu den wohl bekanntesten Stadtteilen des Ruhrgebiets, wenn nicht sogar Deutschlands. Ihr Ruf basiert auf zahlreichen Widersprüchen, wie der besten Grundschule des Landes, hohen Kriminalitätsraten, Zuwanderung armutsbedrohter Menschen aus Südosteuropa oder jubelnde Menschen bei der Ankunft Geflüchteter als Sinnbild der Willkommenskultur 2015. Zweifellos ist die Nordstadt ein problematischer, aber gleichzeitig auch ein Chancenort. Man habe es mit einem Sowohl-als-auch zu tun, so die Quintessenz des Referats von Dr. Sebastian Kurtenbach.

Der Referent und sein Thema

Dr. Sebastian Kurtenbach ist ein Kenner der Dortmunder Nordstadt. Er ist aktuell Vertretungsprofessor für Politikwissenschaften/Sozialpolitik, an der Fachhochschule Münster (Schwerpunkt Kommunalpolitik und kommunale Sozialpolitik). Kürzlich hielt Dr. Kurtenbach im Rahmen von „Blickwechsel – die Nordstadt(blogger)-Ausstellung“ (noch bis 29. Juni) in der neuen Galerie im Depot einen gut ausdifferenzierten Vortrag unter dem Titel „Dortmund-Nordstadt: Problemviertel und Chancenraum“.

Zwei Zeitungsartikel im selben Blatt machten die Ambivalenz der Nordstadt deutlich

Für den Stadtsoziologen Kurtenbach offenbart die Nordstadt, in der fast zehn Prozent der Dortmunder Bevölkerung lebt und welcher der kinderreichste Bezirk vor allen anderen ist, „normativ gesehen problematische“ aber auch als positiv zu bezeichnende Aspekte. Diese Ambivalenz sei gerade wieder in den letzten Tagen betreffs der Berichterstattung über die erwähnte körperliche Auseinandersetzung an Pfingsten – sogar in ein und der derselben Zeitung – deutlich geworden. In den Ruhr Nachrichten nämlich waren innerhalb weniger Tage zwei Artikel (hier und hier) über die Nordstadt zweier verschiedener Redakteure mit zeitlichem Abstand erschienen, welche das aufscheinen ließen. In dem einen ist im Text von „Szenen wir im Krieg“ die Rede, in dem anderen lautet der Tenor: Es ist alles gar nicht so schlimm, so kriminell, schaut doch mal vorbei. Für beides, müsse anerkannt werden, so Dr. Sebastian Kurtenbach, gebe es unzweifelhaft Argumente und Nachweise.

Hohe Problemdichte in der Dortmunder Nordstadt und ein schlechtes Stigma

Fraglos, wurde klar, liegt die Problemdichte in der Nordstadt höher als in anderen Dortmunder Stadtteilen. Gesundheitsprobleme, nicht zuletzt aufgrund schlechter Luft durch hohe Verkehrsbelastung (die Feinstaubbelastung ist relativ hoch), erhöhte Armut und Kriminalitätsrate (vor allem im Bereich Jugendgewalt) seien Tatsachen. Ein Drittel aller Haushalte in der Nordstadt seien überschuldet, referierte Dr. Kurtenbach. Bei der Einschulungsuntersuchung von Kindern aus der Nordstadt werden im Vergleich zu Altersgenossen in anderen Stadtteilen besonders oft Defizite bei der Visuomotorik (Koordination von visueller Wahrnehmung und Bewegungsapparat) festgestellt. Auch an ausreichenden Deutschkenntnisse herrsche ein Mangel.

Betreffs der Stadt Essen z. B. habe eine Untersuchung eins Bochum Kollegen ergeben, dass es reiche zu wissen, wo die Wiege eines Kindes steht, um dessen Bildungskarriere mit einer Wahrscheinlichkeit von siebzig Prozent zu prognostizieren. Kurtenbach: „Das ist ein Skandal!“

Die Nordstadt hat ein schlechtes Stigma und eine „sehr schlechte territoriale Reputation“, merkte Dr. Kurtenbach an. Dies wollte der Referent indes nicht als Nordstadt-Bashing verstanden wissen: „Wir müssen die vorhandenen Probleme tatsächlich benennen, dann man kann auch etwas daran tun.“

Im Stadtteil seien „instabile kollektive Normen“ zu erkennen. Was auch mit der relative hohen Fluktuation in der Nordstadt in Zusammenhang stehe. Dadurch sei etwa die Nachbarschaftshilfe bei Problemen nicht sehr hoch. Dafür kenne man sich halt viel zu wenig. Konflikte würden nicht selten untereinander ausgehandelt.

Ein Fakt sei, dass die Nordstadt schon immer ein Ankunftsgebiet für Einwanderer gewesen sei. Sie orientierten sich bei den schon Ansässigen, integrierten sich und manche zögen dann wiederum fort in andere Stadtteile. Für andere wiederum werde die Nordstadt zu einer Sackgasse, weil deren Integration gescheitert sei.

Forschungsprojekt zur Jugendgewalt

Was die Jugendgewalt angehe, sagte Kurtenbach, habe er an der Universität Bielefeld unter Leitung von Prof. Wilhelm Heitmeyer zusammen mit Simon Howell, Abdul Rauf und Stefan Zdun ein internationales Forschungsprojekt durchgeführt. Und zwar in Deutschland Pakistan und Südafrika (Veröffentlicht unter dem Titel „The Codes of the Streets in Risky Neighborhoods“). In riskanten Stadtteilen seien männliche Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahren interviewt worden. Was die Nordstadt angeht, kam heraus, dass die Jugendlichen etwa im Vergleich zu Scharnhorst viel mehr darum bemüht seien, herauszufinden, wie man Konflikten ausweichen und Gewalt vermeiden könne. Dennoch sei die Brutalität bei Konflikten in der Nordstadt besonders noch gewesen.

Dennoch: Die Nordstadt – mit über 100 Jahren Aufnahmeerfahrung mit Zuwanderern – ist ein Chancenort

All die vorangehend genannten Tatsachen erforderten von Politik und Gesellschaft daran zu arbeiten. Dennoch, darauf beharrte Kurtenbach, sei die Nordstadt ein Chancenort. Und ging im zweiten Teil seines Vortrags darauf ein.

Anderen Dortmunder Stadtteilen habe die Nordstadt schon einmal eines voraus: Seit über einhundert Jahren habe sie Erfahrung in der Aufnahme von Menschen durch die Zuwanderung (dazu auch hier und hier) . Etwa seien Menschen u.a. aus der Ukraine in der westlichen Teil der Nordstadt gezogen. Davon zeugten noch heute manche Straßennamen. Viele von ihnen hätten rund um ein Kloake gewohnt, die man auch noch abfällig als das „Schwarze Meer“ bezeichnet habe. Damals habe man nachts die auf Bodenhöhe befindlichen Bahngleise abgesperrt, welche die Nordstadt vom anderen Teil Dortmunds trennten. Da schon ist das „Sicherheitsnarrativ“ aufgekommen: „In der Nordstadt da wohnen so viele Polen, da müssen wir unsere Innenstadt davor schützen.“

Der Konfliktverlauf in der Nordstadt steigt zwar an, verbleibt jedoch auf mittelmäßigem Niveau

Ihm würde zuweilen unterstellt er habe eine rosarote Brille auf, wenn er über die Nordstadt spreche, sagte Sebastian Kurtenbach. Was nicht so sei. Denn, nicht immer sei alles so friedlich verlaufen, was mit Zuwanderung zusammenhängt. Allerdings besteht er darauf: „Im Ergebnis klappt es ziemlich gut.“ Ein Konfliktverlauf müsste, wurde in einer projizierten Grafik dargestellt, eigentlich so sein, dass er ansteige, eskaliert und dann sich wieder abschwäche. Kurtenbach, auf die Nordstadt bezogen: „Wir argumentieren aber, dass der Konflikt zwar ansteigt aber nicht zum Eskalationspunkt kommt.“ Durch vielfältige Moderationsangebote verbleibe der Konfliktverlauf auf einem mittelmäßigen Niveau.

Viele Angebote und Austauschplattformen für die verschiedenen Zuwanderer in der Nordstadt

Dr. Kurtenbach: „Es werden immer wieder Mikrolösungen gefunden.“ Und die sprächen in Form von Veranstaltungen und Angeboten viele verschiedene Zuwanderer in der Nordstadt an. Dr. Kurtenbach nannte das Roma-Kulturfestival „Djelem Djelem“ – mittlerweile deutschlandweit bekannt (hier mehr). Es helfe sehr gut dabei mit, dass durch alte Vorurteile immer wieder beschädigte Image der größten europäischen Minderheit, der Roma, aufzubessern. Des Weiteren erwähnte der Referent den „Talk im DKH“, der erfolgreich als Austauschplattform fungiere und diskursiv funktioniere. Was gleichermaßen auf das „Speed-Dating der Kulturen“ in Kooperation von Planerladen und Dietrich-Keuning-Haus zutreffe. Miteinander reden, mehr vom Anderen wissen – darum gehe es.

Merkmale von Ankunftsgebieten

Auf Ankunftsgebiete, wie auch die Nordstadt eines sei, träfen bestimmte Merkmale zu. Sie sind schon länger armutsgeprägt, es existiere ein Dazwischen (Zuwanderer, die noch nicht ganz angekommen sind) – die aber als als Mittler für die Neuankömmlinge dienen (nicht immer ganz selbstlos, zuweilen auch ausbeuterisch handelnd) -, eine Konzentration von Western Union-Filialen und Internetcafés, Angebote von Gelegenheitsjobs (oft freilich Schwarzarbeit), um erst einmal über die Runden zu kommen.

Wer es geschafft habe, ziehe nach Bildungsaufstieg oder wegen eines festen Jobs wieder aus der Nordstadt weg und in andere Dortmunder Stadtbezirke. Das erkläre die konstant hohe Fluktuation.

Die öfters geäußerte Kritik an der sogenannten Armutszuwanderung (etwa aus Rumänien und Bulgarien) stellte Dr. Kurtenbach vom Kopf auf die Füße: Nur ein kleiner Teil der aus diesen Ländern stammenden Menschen litten an Armut. Viele seien von Sozialleistungen ausgeschlossen.

Mit Strategien und Hoffnungen werden soziokulturelle Veränderungen in der Nordstadt angestrebt

Sozialstrukturelle Veränderungen in der Nordstadt, erklärte Sebastian Kurtenbach, gehe man mit Strategien und Hoffnungen an. Der Stadt Dortmund billigte er zu, insgesamt sehr viel für den Stadtteil zu tun. Insgesamt liefen derzeit 250 Projekte mit 250 bis 300 Fach- und Ergänzungskräften.

Das Projekt der Grundschule „Kleine Kielstraße“ verlieh Kurtenbach das Prädikat „Champions League“. Die fingen praktisch schon ab der Geburt der Kinder mit den Familien und deren Sprösslingen zu arbeiten – lange bevor die überhaupt zur Schule kommen.

Auch die Sozialverbände engagierten sich sehr stark.

Ebenfalls gebe es die Initiative einer privaten Firma, welche in das das Wohnprojekt „Borsigplatz West“ investiert. Da ziele man auf eine finanzstärkere Mieterschaft, um eine bessere soziale Mischung hinzubekommen.

Kein Widerspruch: Ernüchterndes Ergebnis betreffs der sozialen Situation in der Nordstadt. Aber das investierte Geld „ist super angelegt“

Ist das Glas Wasser betreffs der Situation in der Nordstadt nun halb voll oder halb leer?

Dr. Sebastian Kurtenbach kommt trotz der vielen Anstrengungen in Sachen Nordstadt („Hier fließt richtig was rein.“) zu einem ernüchternden Ergebnis. An der sozialen Situation in der Nordstadt habe sich wenig getan. Kein Widerspruch: Aber das investierte Geld, da teilt Kurtenbach zusammen mit Aladin El-Mafaalani eine Hypothese, „ist super angelegt“. Das Problem sei nur, das es den einzelnen Personen zugute kommt, aber nicht dem Stadtteil an sich. Es schafften mehr Leute aus der Misere herauszukommen. Die steigenden Anmeldungen von SchülerInnen am Gymnasium sei ein Indiz dafür, dass es ziemlich gut klappe in der Nordstadt. Verstärkte Zuwanderung bei gleichzeitig mehr an Anmeldungen am Gymnasium – dies sei kein schlechtes Zeichen. So müsse weiter verfahren werden. Weshalb die Dortmunder Nordstadt eben nicht (nur) als Problemort sondern durchaus als Chancenraum betrachtet werden müsse. Diese Entwicklung könne durchaus zum Bleiben von Menschen in der Nordstadt und somit zur Stabilisierung von Nachbarschaft beitragen, was wiederum zur Ausbildung von kollektiven Normen führen kann. Andererseits könne die Nordstadt auch eine „Durchlauffunktion“ erfüllen, die für die Gesamtstadt und selbst das Ruhrgebiet insgesamt positive Effekte zeitigen kann.

Interessante Ergänzungen aus dem Publikum, Zustimmung, aber auch ein kontroverser Einwand

Die anschließende Frage- und Diskussionsrunde erbrachte interessante Ergänzungen und es wurden auch neue Fragen aufgeworfen. Die im vollbesetzten Auditorium anwesende SPD-Landtagsabgeordnete Anja Butschkau sagte, ihr habe der Vortrag von Dr. Kurtenbach gezeigt, dass man auf einem guten Weg sei. Als Erkenntnis nehme sie nach diesem Abend mit, dass die vom Referenten aufgestellte These, dass das eingesetzte Geld insofern gut investiert ist, weil es in die Menschen investiert, die dann den Stadtteil verlassen. Für den Stadtteil müsse man sich dann noch einmal etwas überlegen.

Eine andere Dame aus dem Publikum, die an einer Schule tätig und in der Flüchtlingsarbeit engagiert ist, fand, dass sie nicht sehe, dass die Zuwanderer die Nordstadt so freiwillig wählten, wie ihr der Vortrags vermittelt hätte. Die Zuwanderer gingen wohl hauptsächlich wegen der relativ geringen Mieten dorthin, für deren Kosten auch schon einmal das Sozialamt aufkäme. Für sie ist das Problem ein Problem der gesamten Stadt. Der soziale Wohnungsbau werde abgebaut. Es brauche überall mehr bezahlbarer Wohnungsraum. Dr. Sebastian Kurtenbach bestätigte dieses Manko betreffs des sozialen Wohnungsbaus.

Dortmund: 10. Afro Ruhr Festival vom 28. bis 30. Juni 2019 feiert die Vielfalt der Kulturen – Viele Höhepunkte bei freiem Eintritt!

Patience Atanga Ngwecalar (Jugendamt), Sigrid Yanara P. Castillo (Mangrovo Culture), Veye Tatah (Africa Positive e.V.), Levent Arslan (Direktor DKH), Maria Schanda und Caroline Duenas (Tanzgruppe Etnia y Folclor) vorm Dietrich-Keuning-Haus  (v.li.) Foto: C. Stille

Im vergangenen Jahr konnte der Verein Africa Positive e.V. sein zwanzigjähriges Bestehen feiern. Gegenwärtig laufen die letzten Vorbereitungen für das vom Verein inspirierte Afro Ruhr Festival auf Hochtouren. Das im Ruhrgebiet wohl größte interkulturelle Festival findet nunmehr bereits zum zehnten Mal in Dortmund statt. Und zwar vom 28. bis 30 Juni im Dietrich-Keuning-Haus (Leopoldstr. 50 bis 58, U-Bahnstation Leopoldstraße). Während eines Pressegesprächs diese Woche im Dietrich-Keuning-Haus (DKH) erinnerte dessen Direktor Levent Arslan an die ersten Festivalauflagen im Dortmunder Fredenbaumpark. Damals wäre immer wenigstens ein Festivaltag ins Wasser gefallen. Weshalb das Afro Ruhr Festival nun seit fünf Jahren im DKH zusammen mit dem Kulturbüro der Stadt Dortmund veranstaltet werde. Neben anderen ähnlichen Veranstaltungen dieser Art im Haus, so Arslan, sei das dreitägige Afro Ruhr Festival das längste und vom Programm her umfangreichste. Denn es umfasse ein „riesiges Konzertprogramm“, spreche alle Generationen an und habe zum Abschluss einen Familiensonntag im Programm. Ein Highlight des diesjährigen Festivals dürfte die „Parade der Vielfalt“ sein.

DKH-Direktor Levent Arslan: „Afrika ist eigentlich überall auf der Welt“

Das Festival nehme nicht nur allgemein Afrika als Kontinent in den Fokus, darauf wies Levent Arslan hin. Oft werde ja nur verallgemeinernd über Afrika gesprochen und darüber hinweggegangen, dass auf diesem Kontinent recht vielfältige 54 Staaten existieren. Dieser Tatsache werde das Festival auch auf die eine oder andere Weise Rechnung tragen, so Arslan. Nicht zuletzt lebten ja Menschen aus diesen Ländern bzw. mit Wurzeln dort auch in der Dortmunder Nordstadt und seien zum Teil auch öfters im DKH anzutreffen. Was den Direktor sehr freut ist, dass nicht nur Menschen aus den afrikanischen Ländern zum Festival eingeladen sind. Sondern auch aus Ländern und von anderen Kontinenten, welche afrikanische Wurzeln haben, die „sozusagen in der Diaspora“ leben. So werde beispielsweise u.a. auch kolumbianische Musik während des Afro Ruhr Festivals zu erleben sein.

Levent Arslan: „Afrika ist ja eigentlich überall auf der Welt. Man sage ja auch, der Ursprung der Menschheit läge in Afrika …“

Dieses Jahr passe es zeitlich sehr gut, dass das Festival eingebettet in die Internationalen Woche 2019 ( 29. Juni in der Nordstadt) ist. Man erhoffe sich dadurch noch mehr Gäste anzulocken und damit eben auch neues Publikum auch für die nächsten Jahre zu gewinnen. Im vergangenen Jahr lockte das Afro Ruhr Festival rund 4500 Besucherinnen und Besucher an.

Das Programm wird im und vor dem Haus stattfinden. Wichtig zu erwähnen sei: „Der Eintritt ist komplett frei.“ Das betreffe auch die Abendkonzerte „mit richtig guten Leuten“.

Ziel des Afro Ruhr Festivals: Begegnungsplattform für möglichst viele unterschiedliche Menschen sein

Festival-Organisatorin Veye Tatah erwähnte, dass ein solches Festival nicht ohne viele zuverlässige Partner zu stemmen sei. Ziel des Afro Ruhr Festivals sei es, eine Begegnungsplattform für möglichst viele unterschiedliche Menschen – nicht nur für welche mit afrikanischen Wurzeln – zu sein. Diesem Ziel komme entgegen, dass alle Veranstaltungen kostenlos angeboten werden. Auf dem Festival möge man sich bei Tanz, Musik oder beim Essen begegnen und einander besser kennenlernen. Was helfen könne in der Gesellschaft vorhandene Vorurteile abzubauen. Dabei gehe es nicht nur um Kultur, sondern auch um die Menschen mit afrikanischen Wurzeln, die hier leben. Man werde also auch erfahren, wie es in deren Heimatländern aussehe. Es wird Diskussionen über soziale und politische Themen geben, damit deutlich werde, was Menschen aus Afrika dazu bringe hier her zu kommen. Und es könne einmal darüber nachgedacht werden, was Deutsche zusammen mit AfrikanerInnen machen könnten.

Musik und Tanzgruppen aus Europa, Afrika, Lateinamerika sowie Asien treffen aufeinander und feiern gemeinsam

Am Abend des 28. Juni steht die Sängerin Aicha Kouyaté aus Siguiri in Oberguinea auf der Konzertbühne. Sie sang schon als Kind traditionelle Lieder der Malinké (Senegal, Mali, Guinea). Heute ist sie eine international bekannte Griot-Sängerin und vor allem in Westafrika sehr populär.

Nach dem Konzertabend lädt die Afro Ruhr Partynight mit heißen Club-Sounds zum Tanzen und Feiern ein. Musik und Tanzgruppen  aus Europa, Afrika, Lateinamerika sowie Asien treffen aufeinander und feiern gemeinsam. Veye Tatah: „Die afrikanische Kultur, die Menschen leben überall. Wir müssen unsere vielfältigen Kulturen und unsere gemeinsame Herkunft zusammen feiern.“

Afrika-Markt, Musik aus Kolumbien, Jamaica und Kamerun. Workshops laden zum Mitmachen ein. Ausklang mit Afro Ruhr Partynight

Am darauffolgenden Samstag lädt der bunte Afrika-Markt bereits am 12 Uhr zum Stöbern ein. Mit „Catalina Valencia and Baterimba Band“ beginnt das Konzertprogramm am Samstag. Das kolumbianische Trio ist in diesem Sommer auf Tour durch Europa und präsentiert mit dem Projekt „Marices“ eine rhythmische Reise, die vom Alltäglichen, der Liebe und der Sehnsucht erzählt – eine mitreißende Musik, die von bunten Charakteren und großen Emotionen gezeichnet ist.

Roughhouse aus Jamaika wird die Reggae-Fans zum Tanzen bringen. Das Highlight des Abends ist aber sicher Mr. Leo aus Kamerun. Er singt landestypische Lieder zwischen Afro-Pop, Reggae und R & B. Seine kraftvolle und reich strukturierte Stimme verzaubert Kameruner und Menschen in ganz Afrika.

Diverse Workshops laden zum Mitmachen ein: „Capoeira“ mit Mestre Pé de Vento (Ivan), „Afro Beatz Style“ mit Antje Schepers, „Westafrikanischer Tanz“ mit Dame Diop  und „Kizomba“ mit Romaric Nzomwita. Nach den Konzerten folgt die Afro Ruhr Partynight.

Politische Informationsveranstaltungen mit hochkarätigen Referenten

In diesem Jahr habe man – freute sich Veye Tatah verkünden zu dürfen – für die politische Diskussion das globalisierungskritische Netzwerk Attac gewinnen können. Da werde auch das Thema Steuergerechtigkeit angesprochen.

Wie Nordstadtblogger von Anne Schulze-Allen von Attac Dortmund erfuhr, wird es am Samstagnachmittag von 16.30h – 18.30h als Bestandteil der Informationsveranstaltungen Vorträge und eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Bald 60 Jahre Unabhängigkeit und immer noch in den Fängen des Kolonialismus?“ im DKH geben. Die Referenten sind Dr. Boniface Mabanza Bambu (Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika KASA), Dr. Kako Nubukpo (ehem. Minister Togos und ehem. Direktor der Wirtschaftsabteilung der Frankophonie) und Dr. Dereje Alemayehu (Executive Coordinator der Global Alliance for Tax Justice).

Literaturlesungen

Des Weiteren gibt es Literaturlesungen. So wird die aus Sambia stammende und in Großbritannien lebende Schriftstellerin Ellen Banda-Aaku, die für ihr Buch „Imagine Africa 2060 – Geschichten zur Zukunft eines Kontinents“ die Erzählung „Froschaugen“ geschrieben hat, auf dem Festival vorstellen.

Kreativ-, Spiel und Sportprogramm am Familientag zum Festivalabschluss

Sonntag ist Familientag. Unter dem Motto „Spiel(t) mit uns!“ lädt der Kinderbereich alle Kinder und Junggebliebenen zu einem abwechslungsreichen Kreativ-, Spiel- und Sportprogramm. Am Abschlusstag des Festivals steht „The Griot Family Seck“ aus Senegal auf der Konzertbühne – ein Projekt von Samory Seck, der mit seinen Geschwistern in einer Griot-Familie aufgewachsen ist. Seit ihrer Kindheit musizieren sie zusammen und nutzen Musik als Vermittler zwischen den Kulturen.

Höhepunkt gleich zum Start des Festivals: Bunte Parade unter dem Motto „Vielfalt in Einheit“ durch die Stadt – Mitmachen erwünscht

„Parade der Vielfalt“ 2017. Foto: Torsten Tullius

Ein Höhepunkt des diesjährigen Afro Ruhr Festivals, stellte Organisatorin Veye Tatah besonders heraus und forderte die DortmunderInnen zum Mitmachen auf, werde am ersten Tag des Festivals (28. Juni) gewiss eine bunte Parade unter dem Motto „Vielfalt in Einheit“. Ab 16 Uhr will man sich auf dem Friedensplatz treffen. Dann ziehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Musik, Gesang und Performances in möglichst bunten Kostümierungen von der Friedenssäule durch die Dortmunder Innenstadt bis zum Dietrich-Keuning-Haus. Mit dabei sind Kulturschaffende, Vereine und Schulen, Kindergärten, Initiativen und Einzelpersonen – ein phantasievoller Walking Act für Respekt, gegenseitige Wertschätzung und Lebensfreude. BürgerInnen, die Lust zum Tanzen haben sind herzlich eingeladen. Dabei gehe es weder um Protest, Politik noch um Religion. Der Spaß allein stehe im Vordergrund. Tatah stapelte lachend gar nicht tief : „Unser Ziel ist es, dass das irgendwann mal in etwa wie der ,Karneval der Kulturen‘ in Berlin wird. Die haben ja auch mal klein angefangen“, sagte Organisatorin Veye Tatah von „Africa Positive“.

Veranstalter

Africa Positive e.V., Dietrich-Keuning-Haus, Kulturbüro Stadt Dortmund in Zusammenarbeit mit Netzwerk Afrikaner in Dortmund (AFRIDO), Africa Institute for Media, Migration and Development (AIMMAD), Jugendamt der Stadt Dortmund, Auslandsgesellschaft.de, BVB-Lernzentrum und Stadtteil-Schule Dortmund.

exif-recherche| TATVERDÄCHTIGER IM FALL LÜBCKE IST BEKANNTER NEONAZI

Zur Kenntnis:

Prof. Dr. Hajo Funke

Update 17:40 Uhr

Stephan E. ist derzeit Vorstandsmitglied des Schützenclubs 1952 Sandershausen e.V. in einem Ortsteil von Niestetal nahe Kassel. Obwohl Ernst auf der Internetseite des Vereins als ‹Referent Bogen» aufgeführt ist, ist davon auszugehen, dass er als Mitglied des Schützenclubs einen unkomplizierten Zugang zu Kurzwaffen des bei Sportschützen beliebten Kalibers 22 hat. Mit einer Waffe dieses Kalibers wurde nach unseren Information Walter Lübcke erschossen. Offenbar hat ihm weder seine Zugehörigkeit zur Neonaziszene noch die Tatsache, dass er bereits versucht hatte, Menschen mittels einer Rohrbombe zu töten, den Zugang zu Schusswaffen erschwert.


Am Sonntag, dem 16. Juni 2019, wurde in Kassel der Neonazi Stephan E. (*21. September 1973) verhaftet, der verdächtigt wird, den Präsidenten des Regierungspräsidiums Kassel, Walter Lübcke, ermordet zu haben. Der dringende Tatverdacht ergibt sich nach vorliegenden Informationen daraus, dass am Tatort eine DNA-Spur des Verhafteten festgestellt werden konnte. Der CDU-Politiker Lübcke war am 2. Juni 2019 auf…

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Dortmund heute: Die  4. Industrielle Revolution und die Länder des Südens Machen Digitalisierung und die  4. Industrielle Revolution die armen Länder noch ärmer?

Neue Veranstaltung von DGB, Attac und Nachdenktreff. Es referiert Stefan Kühner, Informatiker:

Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0 und Digitalisierung verändern die
Ar­beitsbedingungen in Fabrikhallen, Büros, Krankenhäusern und in nahezu
allen Bereichen des Lebens. Die neuen digitalen Industrien bringen
Taxi­unternehmen ganz ohne Taxis hervor. Finanzjongleure kaufen und
verkau­fen im Bruchteil von Sekunden Aktien und machen Riesengewinne.
Indivi­duell auf die Füße eines Menschen angepasste Schuhe, die zum
aktuellen Outfit passen, werden innerhalb von zwei Tagen hier in
Deutschland voll­automatisch gefertigt und geliefert.

Doch was bedeutet dies für die Arbeit hier und und für die Arbeit der
Menschen in Kambo­dscha, Bangladesch und Vietnam, die bis­lang unsere
Schuhe nähten? Durch den Einsatz der IT-Technik sieht die
In­ternational  Labor Organisati­on (ILO) eine akute Gefahr für
Millionen Ar­beitsplätze in Südostasien.

Wem gehört und wem nutzen also die neuen Techniken? Den global
agie­renden Unternehmen oder denjenigen, die von ihrer Kopf- oder
Muskelar­beit leben?

In seinem Vortrag zeigt Stefan Kühner aus Karlsruhe, was künstliche
Intel­ligenz und Digitalisierung ist, wer diese Techniken vorantreibt
und wie sie sich hier und in den armen Ländern des Südens auswirken. Im
Mittelpunkt der Diskussion steht dann die Frage der
Gestaltungsperspektiven für die Gewerkschaften und Organisationen der
Zivilgesellschaft.

Der Referent, Stefan Kühner ist In­formatiker und hat 30 Jahre in der
Softwarein­dustrie zum Thema Einsatz von IT im Maschinen- und
Anlagen­bau gearbeitet. Er ist aktiver Gewerkschafter und
stellvertretender Vorsitzender der Freundschaftsgesellschaft Vietnam.

Quelle: Attac Dortmund

Grafik via Auslandsgesellschaft NRW.

Montag, 17. Juni 2019, 19.00 Uhr
Auslandsgesellschaft NRW e.V. Dortmund, Steinstr. 48, Dortmund

Eintritt frei!

„Dortmunder Passagen“ – Ein Stadtführer erzählt Dortmund neu

Am Modell des Reinoldikirchturms im MKK: Michael Küstermann, Stefan Mühlhofer, Wolfgang Sonne und Barbara Welzel.

Der Deutsche Evangelische Kirchentag 2019 beginnt bekanntlich nächste Woche. Da ist es freilich gut und ausgesprochen passend, dass er nicht zuletzt aus diesem Anlass da ist: Der Stadtführer „Dortmunder Passagen“ soll Dortmund neu erzählen. Er dürfte über den Kirchentag hinaus Besuchern Dortmunds gute Dienste leisten.

Auf 287 Seiten werden fünf Themen-Routen beschrieben. Sie erschließen das Stadtgebiet anhand von Drehscheiben und Leitobjekten und machen dadurch Geschichte, Gegenwart und geografische Gegebenheiten an konkreten Orten sichtbar und an konkreten Orten sichtbar und verständlich. Flaneuren werden so verschiedene Möglichkeiten praktisch, im wahrsten Sinne des Wortes, in Form eines Lesebuches in die Hand gegeben, um die Stadt neu zu entdecken. Die Präsentation des im Jovis Verlag Berlin erschienen Stadtführers fand am Donnerstag während eines Pressegesprächs im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Anwesenheit der HerausgeberInnen Stefan Mühlhofer, Wolfgang Sonne und Barbara Welzel statt. Der Stadtführer ist für 15 Euro im „reinoldiforum“ und während des Evangelischen Kirchentags (19. bis 23. Juni) im Pavillon „stadt paradies sanktreinoldi“ an der Reinoldikirche erhältlich. Später dann auch im Buchhandel. Initiatorin und Initiator des anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentages entstandenen Stadtführers waren Prof. Barbara Welzel (TU Dortmund) und Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Dortmunder Kulturbetriebe).

Die Geschichte und das Werden der Stadt Dortmund so erzählen, dass es zu unserer Jetztzeit passt

Eingeflossen in den Stadtführer, wie Pressesprecherin Katrin Pinetzki mitteilte, sind die Arbeiten von über 20 AutorInnen. Er dürfte in dieser Art derzeit konkurrenzlos auf dem Markt sein. Ein klassischer Reiseführer ist er hingegen nicht. Es geht darin darum, die Geschichte und das Werden der Stadt Dortmund zu erzählen. Und zwar so, dass es zu unserer Jetztzeit passe, wie Dr. Stefan Mühlhofer anmerkte. Lange genug sei die Geschichte von Kohle, Stahl und Bier erzählt worden. Manche Leute in Bayern, wo Mühlhofer herkommt – mittlerweile 17 Jahre in Dortmund ansässig -, meinten immer noch, dass in Dortmund die draußen aufgehängte Wäsche schwarz wird vom Kohlestaub. Die Stadt habe sich jedoch auf spannende Weise in eine positive Richtung entwickelt. Mit dem vorliegendem, handlichen Stadtführer könne man hier gut schlendernd durch die Stadt auf Reisen gehen. Oder auf dem Sofa liegend „gedanklich sozusagen durch diese Stadt reisen“. Sogar interessant könnten die „Dortmunder Passagen“ für Leute sein, die schon immer in Dortmund leben.

Debattiert darüber und geschrieben „wie man die Stadt heute erzählen kann“

Prof. Barbara Welzel formulierte ihre auf Reisen gemachten Erfahrungen um eine Nuance anders: Eigentlich wisse jeder, dass Dortmund heute ganz anders ist, „aber keine neue Erzählung hat“. Die Leute wüssten einfach nicht für was Dortmund heute stehe. Der Stadtführer sei von den Autoren zusammen auch kontrovers diskutiert und geschrieben worden. Eben nicht so, dass jeder nach einer gemachten Gliederung ein Thema bekommen und den entsprechenden Text eingereicht hat. In einer Kerngruppe von neun und dann 21 Autoren insgesamt plus drei Fotografen habe man darüber debattiert „wie man die Stadt eigentlich heute erzählen kann“.

Fünf erlebbare Routen, die jeweils mit einem Objekt aus der Sammlung des MKK verankert ist

Am Ende hätten sich fünf lohnend erlebbare Routen herauskristallisiert wie die Stadt am besten heute erzählt werden könne. Man müsse das alles einmal zusammen sehen. Die einzelnen Kapitel sind mit „Wege“, „Wasser“ (Emscher, Ruhr; seit wann gibt es in einer Stadt, die zur Großstadt wird, Abwässer?), „Materialien“ (z.B. im Mittelalter die Kirchen aus Stein, das normale Wohnhaus aus Fachwerk mit Lehm gefüllt, aber dann auch Gebäude aus Backstein als Gefach), „Stadt und Land“ und „Spielräume“ überschrieben. Die Route „Spielräume“ steuert die repräsentativen und politischen, kulturellen und wissenschaftlichen, sportlich oder geistliche bedeutsamen Orte an. Im Kapitel „Wege“ geht es um moderne und mittelalterliche Strukturen: Wall und Hellweg sind ebenso Thema wie Brücken, Kanal und Flughafen. Drehscheiben der möglichen Stadterkundungen sind dabei u.a. Museen, Industriedenkmäler, der Botanische Garten Rombergpark und die Stadtkirche St. Reinoldi, das Baukunstarchiv, die Kokerei Hans sowie das U.

Wolfgang Sonne, Stefan Mühlhofer, Michael Küstermann und Barbara Welzel vor dem Modell des Reinoldikirchturms.

Eine besondere Drehscheibe ist das MKK: Jede der fünf Routen ist mit einem Objekt aus der Sammlung des Museums verankert, so dass jeder Rundgang dort beginnen kann. Zu den Leitobjekten zählen u.a. ein Modell der Stadtkirche St. Reinoldi und ein Modell des historischen Lunaparks im Fredenbaumpark, der Dortmunder Goldschatz und glasierte Backsteine eines mittelalterlichen Partrizierhauses.

Alle Autoren brachten ihr spezielles Wissen ein, um Dortmund in ganzer Breite und Tiefe darzustellen

Alte Taufbecken finden im Stadtführer Erwähnung, weil die oft die ältesten und markantesten Zeugnisse für Zentren seien. Es wurde über die Eisenbahn geschrieben und nachgeschaut, wann die ersten Alleen angelegt worden sind.

Alle Autoren, so Prof. Welzel, hätten ihr ganz spezielles Wissen eingebracht. Aus dem Stadtarchiv, aus der Gedenkstättenarbeit, „mein kunsthistorisches Wissen“ und ganz viel Architekturwissen. Dazu trug Dr. Christian Walda, Sammlungsleiter des MKK, einige Informationen bei. Die Metropole Ruhr, höre man oft, sei anders. Aber man frage sich da zugleich: „Anders als was?“ Man schaue viel auf die Infrastruktur. Beispielsweise den Umbau, die Renaturierung der Emscher. Übersehen werden „ein bisschen, dass es im Ruhrgebiet Städte mit Stadtkern gebe, die wirklich Städte sein wollten und wollen“. Etwa in Brechten den alten Dorfkern mit steinerner Kirche und den alten Dorfplatz mit dem Fachwerk. Es sei durchaus eine alte Städteregion.

Wolfgang Sonne (TU Dortmund) fand, dass in Dortmund trotz der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und der Abrisse danach, sei doch einiges Wichtiges erhalten geblieben. Etwa die vier mittelalterlichen Kirchen im Zentrum. Anliegen sei es gewesen im Stadtführer die Stadt in ihrer ganzen Breite und Tiefe darzustellen.

Pfarrer Michael Küstermann wies daraufhin, dass die Reinoldikirche in diesem Stadtführer öfter prominent vorkommt, weil sie Dortmund in vielerlei Hinsicht mit verkörpere. Sie habe sich immer neuen Herausforderungen stellen müssen.

Interessanter Aspekt: ein Reisepass aus dem Jahre 1800

Bei der Frage wie man Stadt und Land zeigen könne, sagte Frau Prof. Welzel, sei man auf einen Reisepass aus dem Jahre 1800. gestoßen. Der findet sich nun mit Ansicht und Beschreibung auf Seite 184 und 185 im Stadtführer. Ein interessanter Aspekt: Dortmund war damals freie Reichsstadt und umgeben von Preußen und lag damit sozusagen „mitten im Ausland“. Um aus der Stadt herauszukommen wurde ein Pass benötigt.

Das Entstehen des Stadtführers auf amüsante Weise karikiert

Mit einer Anekdote karikierte Werner Sonne das Zusammenschreiben des Stadtführers von so vielen Autoren (Prof. Welzel: „Wie beim Kindergeburtstag die Texte hin und hergeschickt“) und charakterisierte den Autorenkreis amüsant so: „Da sind verknöcherte Universitätsprofessoren und verstaubte Behördenleiter, alle die von Amts wegen mit dem Ort und mit der Geschichte zu tun haben. Die haben sich zusammengetan und einen lebendigen Stadtführer geschrieben. Und das in einer fast jugendlich-kollektiven Weise.“

Prof. Barbara Welzers Fazit: In zirka einem Jahr Arbeit an dem nun vorliegendem Stadtführer ist alles was man derzeit über die Stadt wissen kann zusammengetragen worden.

Der Stadtführer „Dortmunder Passagen“ entstand in Kooperation der Kulturbetriebe Dortmund und der Denkmalbehörde mit der TU Dortmund, der Stadtkirche St. Reinoldi sowie der Stiftung Industriedenkmalpflege und dem LWL-Industriemuseum Zeche Zollern.

Dortmund: Deutsche Stiftung Denkmalschutz überreichte zum Zeichen ihrer Verbundenheit mit St. Reinoldi eine Bronzetafel

Regine Vogt, Karin Lehmann, Michael Küstermann (Mitte vorn), Heike Proske und Susanne Kideys (v.l.n.r). Fotos: C. Stille

Nicht zum ersten Mal erhielt die Stadtkirche St. Reinoldi in Dortmund Unterstützung seitens der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Zum Zeichen ihrer Verbundenheit mit St. Reinoldi überreichte die Institution, vertreten durch Karin Lehmann und Regine Vogt (beide Ortskuratorium Bochum-Dortmund der DSD), am Mittwoch in der Stadtkirche eine Bronzetafel. Die 10 mal 17 Zentimeter große Tafel mit einer Dicke von drei Millimeter soll noch rechtzeitig vor dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (19. – 23. Juni 2019 in Dortmund) an der seitlichen Außenfassade von St. Reinoldi in Nähe eines renovierten Kirchenfensters angebracht werden.

Im September 2017 erhielt die Reinoldi-Gemeinde einen symbolischen Scheck der Deutschen Stiftung Denkmalschutz – inzwischen sind die mit dem Geld finanzierten Arbeiten abgeschlossen

Karin Lehmann erinnerte rückblickend daran, dass sie am 14. September 2017 an die Reinoldi-Gemeinde einen symbolischen Scheck der Deutschen Stiftung Denkmalschutz über 260 000 Euro für die Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten der Reinoldikirche, „unserer geschätzten Stadtkirche im Herzen Dortmunds“, überreicht hatte. Inzwischen sind die Arbeiten abgeschlossen. Vertraglich zwischen der Kirchengemeinde und der DSD festgelegt worden sei damals, dass in Erinnerung an die finanzielle Unterstützung der DSD eine Bronzetafel „gut sichtbar an exponierter Stelle des geförderten Objektes angebracht wird“. Auf der Tafel steht: „Gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der Glücksspirale.“ Interessant zu erfahren: 9,8 Prozent der Spieleinnahmen von Westlotto fließen in regelmäßig an die DSD.

Karin Lehmann erklärte: „Historische Bau-, Boden-, Gründenkmale zu erhalten, das ist das Ziel und die Aufgabe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.“

Die Stiftung sei die größte private und unabhängige Initiative für den Denkmalschutz in Deutschland, so Lehmann. Sie besteht seit 1985. Bisher sei es gelungen, mehr als 5500 Denkmale in ganz Deutschland durch die Hilfe der DSD zu erhalten.

Karin Lehmann wies darauf hin, dass die Stiftung nicht nur Denkmale erhalten helfe, sondern Denkmale auch erlebbar mache. Etwa beim Tag des offenen Denkmals und während der sogenannten Monumente-Reisen (Monumente ist die Zeitschrift der DSD).

Superintendentin Heike Proske: „Das Engagement der Stiftung macht deutlich, welche historische Bedeutung die Kirchen, besonders aber St. Reinoldi für die Stadt haben“

Heike Proske, Superintendentin des Kirchenkreises Dortmund, bedankte sich herzlich für die Verbundenheit der DSD und deren Unterstützung bei der

St. Reinoldi Dortmund. Foto: Stille

Renovierung von St. Reinoldi. Sie fand, dass passe gerade sehr gut, da die Stadt Dortmund gerade die Reinoldikirche zum Denkmals des Monats Juni benannt habe. Die Reinoldikirche, habe sie in ihrem guten halben Jahr, das sie jetzt hier sei, festgestellt, sei nicht nur fußläufig von vielen Menschen bestens erreichbar und werde tagtäglich von ihnen passiert. Das Gotteshaus diene auch als Identifikationspunkt, an welchem man sich auch verabrede. Wenn der Westenhellweg abends zu bestimmter Zeit die Öffentlichkeit quasi abgebe, nehme diese die Kirche auf. Und innen sei es dann schon mal belebter als draußen. Dank der ganzen Pfarrstelle von Herrn Küstermann und einer landeskirchlich geförderten Pfarrstelle sowie vielen Ehrenamtlichen sei es möglich die Kirche oftmals zu öffnen – sowohl für normale Besuchende als auch sehr viele Veranstaltungen. An die VertreterInnen der DSD gerichtet, sagte Superintendentin Heike Proske: „Das Engagement der Stiftung macht deutlich, welche historische Bedeutung die Kirchen, besonders aber St. Reinoldi für die Stadt haben.“

Pfarrer Michael Küstermann lobte die an einem vollkommen renovierten Fenster vorgenommenen Bauarbeiten als großartige Leistung

Pfarrer Michael Küstermann hat bereits – wie von der DSD gefordert – „einen hervorgehobenen Ort“ für die Anbringung der Bronzetafel (Dübel und Befestigungsschrauben sind praktischerweise bereits mitgeliefert) ins Auge gefasst. Der wird sich also in der Nähe eines der vollkommen renovierten Kirchenfensters befinden. Küstermann sagte, an diesem sei eine großartige Leistung durch Bauarbeiten vollbracht worden. Man habe die Bestätigung bekommen, dass es bis dato nicht bekannt sei, dass es jemals gelungen wäre, ein Fenster dieser Größenordnung zu restaurieren. Das ursprüngliche Fenster von Professor Stockhausen (eingesetzt nach dem Zweiten Weltkrieg) habe nicht mehr restauriert werden können. Nun sei es den Steinmetzen gelungen, die ganze Glasstruktur wieder in eine neue Steinarbeit hineinzubekommen. Es habe einer äußerst filigranen Ausarbeitung bedurft.

Architektin Susanne Kideys: Wiederherstellung des Fensters „ganz hervorragend“ gelungene Arbeit

Die Architektin des Kirchenkreises, Susanne Kideys, berichtete Pfarrer Küstermanns Ausführungen fachlich ergänzend von den Schwierigkeiten und den damit notwendig gewordenen aufwändigen Arbeiten an dem betreffenden Fenster. Die ganze Verglasung habe herausgenommen werden

Das vollkommen renovierte Kirchenfenster in St. Reinoldi.

müssen. Das Maßwerk des Chors war in außergewöhnlichen schlechtem Zustand. Alle Maßwerke (so bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen in Form von flächigen Gestaltungen von Fenstern) mussten entfernt werden, weil sie viel Ersatzmörtel enthalten hätten. Das Gefüge und die Festigkeit konnte nicht mehr garantiert werden. Die Steinbögen der Fenster waren brüchig, die Windeisen für deren Befestigung korrodiert. Die Fenster mussten aufwändig bearbeitet werden. Das ganze Maßwerk sei dann in einer großen Halle der Firma Megalith Bau-Hammer GmbH in Hagen ausgebreitet und nummeriert ausgebreitet worden. Gemeinsam mit der Denkmalbehörde habe man feststellen müssen, dass 80 – 90 Prozent der Teile wegen fehlender Substanz so nicht hätten wieder eingebaut werden können. Kideys bezeichnete die Wiederherstellung des Fensters seitens der damit betrauten Steinmetze als„ganz hervorragend“ gelungene Arbeit. Spezialisten sagten, so wusste Susanne Kideys zu sagen, dass einen ein Maßwerk in dieser Größenordnung – sei es als Steinmetz oder Denkmalpfleger – wohl nur einmal im Leben begegne.

Susanne Kideys gab darüber hinaus einen Überblick über die gesamten Sanierungsarbeiten. Sie zählte die Neueindeckung des Chorraumes und die Restaurierung der kleinen Dachgauben, der Fassade und der teilweisen Erneuerung der Verglasung auf. Wie bei Sanierungsarbeiten an Bauwerken dieser Art üblich, habe man im Zuge der Arbeiten weitere Schäden der Kirche entdeckt. Nun sei aber alles weitgehend fertig geworden. Insgesamt sind zirka 1,6 Millionen Euro in das Kirchenbauwerk geflossen. Rechtzeitig vor dem Kirchentag sind die letzten Gerüste nun abgebaut.

Nächste große Baumaßnahme in St. Reinoldi – der Bau einer neuen Orgel – beginnt gleich nach dem Kirchentag

Pfarrer Michael Küstermann nannte als nächste große Baumaßnahme den Bau einer neuen Orgel für St. Reinoldi. Sie soll Ende 2020 fertig sein. Die Bauarbeiten sollen unmittelbar nach dem Kirchentag beginnen. 2020 werde man zwölf Jahre Arbeit „als Aufgabe unserer Generation“ an diesem großen Restaurierungsprojekt hinter sich gebracht haben, schätzte Pfarrer Küstermann ein.

Forum Sozialdemokratische Basisinitiative fordert mehr Basisbeteiligung, Raus aus der GroKo und Urwahl des Parteivorstandes – Ganz im Sinne Willy Brandts: „Mehr Demokratie wagen“

Da fragte doch kürzlich Jens Berger (NachDenkSeiten) auf Facebook: „Ist der Begriff ‚Suizidaldemokraten‘ eigentlich schon rechtlich geschützt?“ Gute Frage! Immerhin geht die älteste deutsche Partei stramm auf die null Prozent zu – die rote Null sozusagen. Und die – wenn man genau nachdenkt – korrespondiert mit der Schwarzen Null.

Selbst schrieb ich vor einiger Zeit hier (ein weiterer Text hier):

„Ich kann mir nicht helfen: Die über 150-jährige und damit älteste Partei Deutschlands, die SPD, will sich offenbar per Suizid abschaffen. Und die alte Tante, namentlich der Vorstand, zeigt sich anscheinend felsenfest sicher – anders kann ich mir das Handeln der SPD-Großkopfeten nicht erklären: Wir schaffen das! (…)“

Damals lag die Partei bei Sonntagsumfragen zwischen 16 und 19 Prozent. Nun bei um die 12 Prozent – Tendenz fallend!

Olav Mueller aus Offenbach in Hessen versteht seine Partei, die SPD, schon lang nicht mehr. Er hat sich 35 Jahre in der SPD für die Menschen engagiert. Er war Juso-Vorsitzender, SPD-Ortsvereinsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat. Immer wieder meldet er sich in „Olav live“-Auftritten auf Facebook an die Menschen.

Prof. Heiner Flassbeck gegenüber RT Deutsch : “Die SPD hat alles falsch gemacht, was man falsch machen kann”

Der Ökonom Prof. Heiner Flassbeck war Staatsekretär unter Ex-Finanzminister Lafontaine und ist heute Herausgeber des wirtschaftspolitischen Magazins Makroskop. Er kritisiert vor allem die Agenda-Politik von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Aus seiner Sicht muss die SPD wieder sozialdemokratisch werden und sich mit einem neuen ökonomischen Konzept gegen den „Mainstream“ stellen.
Quelle: RT Deutsch

Gestern nun ist er mit Freunden nach Berlin zum Willy-Brandt-Haus gefahren. Und zwar, um dort den Rücktritt des gesamten SPD-Vorstands, ein Raus der SPD aus der GroKo und die Urwahl des Parteivorstandes zu fordern. Siehe Facebook-Video (Quelle: Nicole Sandelbaum via Facebook).

Wie Mueller berichtete, wurden sie freundlich von einem jungen Mitarbeiter empfangen. Jedoch wurde ihnen verwehrt, ihre Forderungen im SPD-Parteihaus zu verlesen. Auch davor, an dem rostigen, auf der Spitze stehenden, Metallwürfel mit der Gravur SPD, durften sie das nicht. Begründung: Hausrecht! Eine Brandrede im Willy-Brandt-Haus bzw. davor – das sollte nicht sein. Gehört etwa der Bürgersteig auch der SPD? Übrigens, fand Olav Mueller, passe der rostige Würfel bestens zum verknöcherten Parteivorstand mit offenbar rostenden Hirnen, welchen er noch dazu als äußerst abgehoben bezeichnete.

Die Polizei traf ein. Schließlich durften die 20 Anwesenden gegenüber dem Parteihaus demonstrieren und ihre Forderungen vortragen. Hat die SPD so ein Schiss vor 20 Demonstranten? Unverständnis bei den Demonstranten und diversen Passanten.

Die Meinungen gehen gründlich durcheinander. Als Fazit lässt sich allerdings feststellen: Unsere Demokratie ist in einem bedenklichen Zustand. Und die Leute spüren das.

Was nur ist aus der einst stolzen Arbeiterpartei SPD geworden? Einst gegründet gegen den Wirtschaftsliberalismus, wie Mueller sagt. Heute kräftig den Neoliberalismus befördernd.

Eine Partei, die mit 12 Prozent das schlechteste Ergebnis seit über 130 Jahren eingefahren hat? Könnte da womöglich einen Zusammenhang bestehen?

Das „Forum Sozialdemokratische Basisinitiative“ hat diese Kampagne via Change.org gestartet: Gefordert wird ein Raus ihrer SPD aus der GROKO und die URWAHL des Parteivorstandes

„Der gesamte Vorstand und nicht nur Andrea Nahles trägt die Verantwortung für das Desaster in dem die SPD steckt. Deshalb fordern wir diese auch geschlossen zum Rücktritt auf.

Wir fordern grundsätzlich die Urwahl des Parteivorstandes durch alle Mitglieder, sowie stärkere Einbeziehungen von Mitgliedern und Bürgern bei Entscheidungsprozessen der SPD ( angelehnt an die Vorwahlen der Präsidentschaftswahl in den USA ).

Erklärung:

UNSERE SPD hat in den letzten 20 Jahren nicht ohne Grund über 10 Millionen Wählerinnen und Wähler, sowie 500.000 Mitglieder in den letzten 30 Jahren verloren. Nach dem schlechtesten Wahlergebnis seit 130 Jahren und einem Umfragetief von 12% ist unsere Geduld endgültig erschöpft!!!

Der Parteivorstand trägt für dieses Desaster die Verantwortung. Dieser hat sich von der stolzen Tradition der Sozialdemokratie gelöst und hat einen neoliberalen Kurs eingeschlagen. Dabei wurde unsere Partei 1863 doch als Widerstand gegen den Wirtschaftsliberalismus gegründet!!!

Die Freihandelsabkommen CETA und EPA wurden z.B. gegen die Interessen der Menschen durchgesetzt. Sie dienen vor allem der Wirtschaft. So wurde u.a. die Ausbeutung Afrikas durch Konzerne weiter verschärft und durch Waffenlieferungen in Krisengebiete die Migration gefördert. Sozial sieht anders aus!

Es gibt zwar immer weniger klassische Arbeiter, jedoch zunehmend mehr Menschen, die finanziell kaum über die Runden kommen und einen Zweit- und Drittjob annehmen müssen. Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander und unsere Politik hat dies nicht verhindert.

Dieses wachsende Klientel von Unzufriedenen wurde in den letzten Jahren links und rechts liegengelassen, was man auch bei der Besetzung von Mandatsträgern unschwer erkennen kann. Die Parlamente sind manchmal voller und manchmal leerer, aber immer voller Lehrer und anderen Akademikern, welche keinen Schimmer haben, wie es Menschen mit einem Durchschnittseinkommen von 1.500 Euro geht.

Auch der politische Meinungsfindungsprozess wurde in den letzten zwei Jahrzehnten von den Beinen auf den Kopf gestellt. Wir müssen wieder viel stärker Anträge von unten nach oben delegieren und es darf nicht sein, dass beispielsweise der ESM an der Parteibasis vorbei durchgesetzt wird.

Ihr redet von Klimarettung und lasst nicht nur den Regenwald abholzen, sondern auch unsere Bienen sterben! Kein Mensch möchte Fracking oder eine Verdopplung der Rüstungsausgaben! Ihr lasst zu, dass unsere Bürgerrechte mit Füßen getreten werden. Ihr akzeptiert nicht nur, dass die NSA unsere Daten abfischt, sondern setzt die Vorratsdatenspeicherung durch und akzeptiert das Polizeischutzgesetz. Eine Schande, wie wenig ihr öffentlich für ASSANGE und EDWARD SNOWDEN eintretet.

DER PARTEIVORSTAND HAT LEIDER UNSER VERTRAUEN VOLLSTÄNDIG VERSPIELT. Unzählige Eigentore pflastern euren Weg ins Verderben. Darunter eine Wahlempfehlung bei den Abstimmungsunterlagen über die GROKO und der Versuch Andrea Nahles gegen die Parteisatzung als Übergangsvorsitzende durchzusetzen. Schluss mit Klüngelei in Hinterzimmern von einer selbsternannten Parteielite, die sich selbst überschätzt.

WIR FORDERN in allen Bereichen MEHR BASISBETEILIGUNG.

RAUS AUS DER GROKO & URWAHL DES PARTEIVORSTANDES – JETZT!!!

Verantwortlich:

Forum Sozialdemokratische Basisinitiative